Sonntagskiosk: NZZ mit neuem Layout und ihr Chefredaktor meint, die Zukunft der Zeitung habe grad begonnen; Blick warnt vor Radarfallen, Sonntagszeitung sagt 1 : 12 – Niederlage voraus und Schweiz am Sonntag meldet, dass ein Schweizer Labor «mutmassliche» syrische Giftgasproben untersucht

Die NZZ am Sonntag erscheint heute mit neuem Layout und Chefredaktor Felix E. Müller verkündet gleichzeitig, dass die Zukunft der Zeitung grad begonnen habe. Das Layout ist auf den ersten Eindruck klassischer, zurückhaltenden und  mit vielen Magazinelementen versehen. Kleinere Titel und Bilder räumen dem Text mehr Platz ein; die NZZ am Sonntag wird, wie ihr Chefredaktor ja auch im «Persönlich-Interview» angekündigt hat, noch hintergründiger.

Einen Scoop landet die Schweiz am Sonntag mit ihrem Bericht, dass «mutmassliche» syrische Giftgasproben im ABC-Labor in Spiez untersucht würden. Der Bericht gründe auf «zuverlässigen Informationen».

Und dann haben wir noch im «Magazin» folgenden Satz gelesen: «Manchmal sind Zahlen, die in der rechten Spalte der Speisekarte stehen, selbst für Menschen ein Schock, die geübt sind, hohe Rechnungen zu bezahlen.»  Das übersetzen wir für den geneigten Leser wie folgt: «Es gibt teure Restaurants».

Sonntagskiosk: Themen (unter anderem): Rassismus/Locarno mit Blocher und Feuchtgebieten/Saläre bei den Hilfswerken.

Sonntagsblick

Sonntagsblick: Sommaruga spricht Machtwort, Interview mit dem abgestürzten Ballonfahrer, FAM und die schweizerische Leitkultur…

Je näher der Wahlkampf, desto mehr kümmern sich die Politikerinnen und Politiker um die Sorgen der Menschen im Land, heute verkündet Bundesrätin Sommaruga eine Ausgangssperre für pöbelnde Asylanten. Und – das ist unerhört – die Eigenschaften von Kindern sollen erhoben werden, um herauszufinden, ob sie auf Grund der Disposition kriminell werden könnten. Dann hat der Sonntagsblick noch in die Geschichtsbücher geschaut und dann herausgefunden, dass man in Afghanistan keinen  Krieg gewinnen kann.

Und Frank A. Meyer will die Zuwanderer auf die „Leitkultur“ verpflichten. Auf seine oder meine?

Sonntagsblick

Sonntagsblick: Kirchensteuer abschaffen, Ansturm aus Nordafrika, die Flucht im Radkasten. Und: Frank A. Meyers „Wortmüll.“

Lektüre der Sonntagszeitungen: Sarrazin (Porträt und Interview), Calmy-Rey/Sommaruga/Widmer Schlumpf in Interviews, alle kritisieren SP – Parteiprogramm. Und: Schule, Ausschaffungsinitiative, Steuerinitiative der SP.

Wenn es nach den Redaktionen der Sonntagszeitungen ginge, müssten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Ausschaffungsinitiative der SVP sowie die Steuerinitiative der SP ablehnen – in diesem Sinn wird nicht nur kommentiert sondern so werden auch die Interviewgäste ausgewählt. Und – natürlich – kommt auch Sarrazin zu Wort, der schildert, warum er sich nicht von der SVP einladen lässt. Und dann sind alle gegen das neue Parteiprogramm der SP – sogar Frank A. Meyer im Sonntagsblick.


Sonntagszeitungen: Bundesratswahlen, Schwingfest, Todesstrafe…

Die Sonntags-Presseschau: Themen des Tages sind – natürlich – die Bundesratswahlen, bei der die Chancen der SVP auf einen zweiten Sitz steigen sollen. Dann das Eidgenössische Schwingfest in Frauenfeld, dem die Zeitungen viel Platz einräumen. Und die Frage, ob das Schweizer Volk über die Einführung der Todesstrafe abstimmen soll. Und die Sonntagszeitung fordert, die USA dürften nicht aus dem Irak abziehen.

Bei der Lektüre der Sonntagszeitungen…

Ein idealer Sonntag für eine ausdehnte Lektüre der Sonntagszeitungen; draussen schneit’s und man kann sich der Arbeit der Kolleginnen und Kollegen widmen. Hauptthema heute – natürlich – das Wef, wobei jede Redaktion ihre eigenen Schwerpunkte setzt. Und dann (in den Schweizer Zeitungen kommt das zu kurz) die Daten von deutschen Kapitalanlegern in der Schweiz. Diese werden den deutschen Behörden zum Preis von 2.5 Millionen angeboten.

Bester Titel: Der Golf im Schafspelz

Sonntag

Peinlichste Geschichte: Der Vergleich der Apple mit der Schöpfungsgechichte („Am Tag 1 schuf Gott das Licht, Steve Jobs den iMac“).

Sonntagszeitung

Spannendste Lektüre: Frank Schirmmacher über das i Pad („Die Politik des i Pad“)

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Interessanteste Innovation: Der von zwei Redaktoren geschriebene kontroverse Leitartikel zum Thema Afghanistan

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Skurrilster Kommentar: Sonntagsblick zum Selbstmord des Churer Polizeikommandanten „Das Schönreden“

Dieser Kommentar beginnt mit „De mortuis nil nisi bene“ und das heisst eben nicht, man solle über Tote nur Gutes sagen, sondern man solle schweigen, wenn man über Tote nichts Gutes zu sagen wisse.

Sonntagsblick

Und nun zur Bildschau der Sonntagszeitungen:

NZZ-Titel mit dem USA/UBS-Steuerstreit; die gestohlenen Steuerdaten Deutscher Staatsbürger sind auch hier nur am Rande erwähnt.

In der NZZ: Interview mit dem deutschen Finanzminister Karl - Theodor zu Guttenberg zur Frage, ob die deutsche Regierung die gestohlenen Kundendaten aufkauft.

Wir hatten schon am Samstag darüber geschrieben, nun kommentier auch die NZZ die magelnden Englischkenntnisse des neuen EU-Kommissärs Oettinger.

Der Klimarat - endlich auch von der NZZ am Sonntag in Frage gestellt.

Da werden sich die Deutschen aber fürchten, wenn ihnen Bundesrat Merz droht.

Die FAZ am Sonntag zum Datendiebstahl: Was ist jetzt ethisch? Die Daten zu kaufen und dann die Steuersünder zur Kasse bitten oder sich nicht mit Gaunern einlassen?

Ziemlich unterspielt, das Thema in den Schweizer Zeitungen.

Hauptthema, auch in der Sonntagszeitung, das Wef mit allen Aspekten.

FAZ-Herausgeber Frank Schirmmacher mit einem spannenden Text (im Feuilleton) zum Apple iPad.

Innovativ: Der von zwei Kommentatoren mit unterschiedlicher Auffassung geschriebene Leitartikel zu Afghanistan.

Springer-Chef Döpfner öffnet die Archive... nicht genug, finden die Kollegen.

Gute Idee: Die Museen verkaufen Schätze, um den Staat zu finanzieren.

Der Sonntag mit einem Scoop, einmal mehr.

Widmer Schlumpfs katastrophale Personalpolitik und das neuste Opfer (der Steuerzahler).

Frank A. Meier: Es ist unerheblich, ob der Staat zum Hehler wird...

Ein Kommentar, auf den man auch hätte verzichten mögen...

Die Sonntagsblick macht mit dem Tod des Chuerer Polizeichef auf und dreht das Wef ins Boulevardeske. Naja.

Schlagzeile des Tages...

Das auch noch... Erotik und Verganer

Gott und Steve Jobs verglichen... hmm, über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten.

Sie Sonntagszeiting schwimmt, einmal mehr, nicht im Mainstream und verteidigt Tony Blair.

Das muss man ganz genau lesen: Bundesrätin Widmer Schlumpf kritisiert das Bundesverwaltungsgericht und erklärt gleichzeitig, das tue sie nicht.

Die schlchte Meldung des Tages: Bildchef Kai Dieckmann bloggt nicht mehr...

Sonntagszeitungslektüre oder wenn sich die Branche selber lobt. Und Scoops im „Sonntag“.

Wer hat denn nun mit grosser Begeisterung für eine so genannte Öffnung gekämpft?

NZZ am Sonntag beklagt die Folgen der Zuwanderung. Wer hat denn nun mit grosser Begeisterung für eine so genannte Öffnung gekämpft?

NZZ am Sonntag: Da musste man aber lange suchen bis wir diese Meldung gefunden haben. Wie gross werden dann wohl die Berichte über Israels Reaktion sein?

NZZ am Sonntag: Da musste man aber lange suchen bis wir diese Meldung gefunden haben. Wie gross werden dann wohl die Berichte über Israels Reaktion sein?

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung verteidigt der Schweizer Privatbankier Hummler Spekulanten.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung verteidigt der Schweizer Privatbankier Hummler Spekulanten.

Das hätte man gerne in einer Schweizer Sonntagszeitung gelesen...

Das hätte man gerne in einer Schweizer Sonntagszeitung gelesen...

Und immer wieder gelingt dem "Sonntag" ein Scoop, so auch heute.

Und immer wieder gelingt dem „Sonntag“ ein Scoop, so auch heute.
Sonntag: Was ist denn "schnieker..."?

Sonntag: Was ist denn "schnieker..."?

Und noch ein Scoop aus dem "Sonntag": Blocher will in den Nationalrat.

Und noch ein Scoop aus dem "Sonntag": Blocher will in den Nationalrat.

hmmm... originell formuliert die NZZ am Sonntag...

hmmm... originell formuliert die NZZ am Sonntag...

NZZ am Sonntag: naja...

NZZ am Sonntag: naja...

Grosskommentator Frank A. Meyer benotet Deutschland...

Grosskommentator Frank A. Meyer benotet Deutschland...

... und sagt, wen man in den Bundesrat wählen muss.

... und sagt, wen man in den Bundesrat wählen muss.

Ex -Sternchef Jürgs sagt, was er von Twitter hält. Und schafft das in weniger als 140 Zeichen...

Ex -Sternchef Jürgs sagt, was er von Twitter hält. Und schafft das in weniger als 140 Zeichen...

Zeitungskrise? Wie denn, wo denn, was denn?

Zeitungskrise? Wie denn, wo denn, was denn?

Das Magazin meldet besser Leserzahlen...

Das Magazin meldet besser Leserzahlen…
... und der "Sonntagsblick" lobt sich auch...

... und die "Sonntagszeitung" lobt sich auch...

... und auch die NZZ am Sonntag hat – wen wundert's - zugelegt...

... und auch die NZZ am Sonntag hat – wen wundert's - zugelegt. Und schreibt, die "Weltwoche" habe Leser verloren.

... natürlich: Die "Weltwoche" lobt sich selber.

Das sieht die "Weltwoche" selber dann wiederum ganz anders...

Beim Lesen der Zeitungen, auch der Sonntagszeitungen…

Ist Schwaller nun für oder gegen einen EU-Beitritt? Hmmm, jein...

Ist Schwaller nun für oder gegen einen EU-Beitritt? Hmmm, jein...

So beschreibt der "Tages Anzeiger" den Chirurgen und SVP - Politiker Karl Zweifel. Und wie sieht nun ein Freak aus?

So beschreibt der „Tages Anzeiger“ den Chirurgen und SVP – Politiker Karl Zweifel. Und wie sieht nun ein Freak aus?
So stellt sich die Tages Anzeiger - Redaktion einen Freak vor...

So stellt sich die Tages Anzeiger – Redaktion einen Freak vor…
Die "Sonntagszeitung" im Dienste des aufklärerischen Journalismus oder: warum sind uns diese Zeitgenossen, die sich in der Öffentlichkeit vergnügen, noch nie aufgefallen?

Die "Sonntagszeitung" im Dienste des aufklärerischen Journalismus oder: warum sind uns diese Zeitgenossen, die sich in der Öffentlichkeit vergnügen, noch nie aufgefallen?

Dementi des Monats: Eine Dirne für einen Investor ist doch nichts wirklich Aussergewöhnliches, oder?

Dementi des Monats: Eine Dirne für einen Investor ist doch nichts wirklich Aussergewöhnliches, oder?

Die Hamburger Morgenpost über den Uno-Vorstoss von Gaddafi, der die Schweize aufteilen will.

Die Hamburger Morgenpost über den Uno-Vorstoss von Gaddafi, der die Schweize aufteilen will.

Ist der CVP-Bundesratskandidat nun für oder gegen einen EU-Beitritt? Hmmm, jein...

Ist der CVP-Bundesratskandidat nun für oder gegen einen EU-Beitritt? Hmmm, jein...

Die FAZ am Sonntag kanzelt unseren Bundespräsidenten derart grob ab, dass man geneigt ist, ihn wider besseres Wissen in Schutz zu nehmen.Die FAZ am Sonntag kanzelt unseren Bundespräsidenten derart grob ab, dass man geneigt ist, ihn wider besseres Wissen in Schutz zu nehmen.

Es geht nichts über einen gut verständlichen (NZZ-) Titel...

Es geht nichts über einen gut verständlichen (NZZ-) Titel...


Herrlich: "das rote vom Himmel versprechen..."

Herrlich: "das Rote vom Himmel versprechen..."

Blattkritik light, heute der Sonntagsblick – oder: Politisch korrekter Boulevard (wenn man den Sportteil nicht beachtet)

Sobli

Beginnen wir mit dem Magazin des Sonntagsblick. Wer eine Zeitung/ein Heft liest, der findet mit der Zeit heraus, von welchem Gesichtspunkt aus (oder durch welche Brille) die Redaktion die Welt beschreibt. Das ist mir bei diesem Magazin (noch?) nicht gelungen. Aber das mag wohl daran liegen, dass ich viele der beschriebenen Prominenten nicht kenne oder mich ihr Schicksal nicht interessiert. Und mich der Stil (Titel zum neuen Baron Cohen – Film: „Die Latte der Provokation“) oft befremdet. Hingegen schätzen wir wohl alle die grossen Reportagen – diesmal die schönen Wellenbilder von Clark Little. Und auch Marc Walders Unterhaltung („auf einen Espresso“) lese ich gerne, wenn die Form auch ans Zeitmagazin (auf eine Zigarette) oder an Teleblocher (Wochengespräch) angelehnt ist. Schön auch die kleine Boshaftigkeit der Redaktion, die Frank A. Meiers Alter (65!) jedesmal erwähnt. Und wo liest man schon Sätze wie: Frage Walder: „Die Welt trauert um Michael Jackson – trauert Frank A. Meier auch?“ Antwort Meier: „Nein.“

Doch nun zum Hauptblatt, das sich unter der Leitung von Hannes Britschgi einem Boulevard verschrieben hat, den die Fachleute politisch korrekt oder auch emanzipiert nennen. Das ist also halb schwanger. Als Beispiel dient der Bericht über die drei Schüler, welche in München auf unbekannte Leute einprügelten, Titel „Denn sie wussten, was sie tun.“ Ein hartes Boulevardblatt hätte die Herkunft der jungen Männer recherchiert und dargestellt, der Sonntagsblick macht das verschämt anders, er publiziert die Vornamen: Mike, Ivan, Benji. Da darf der geneigte Leser seine Schlüsse selber ziehen. Die Redaktion ist sichtlich bemüht, die Motive zu erforschen und befragt den Jugendpsychologen Allan Guggenbühl, dessen differenzierte Antworten dann mit „.. Prügeln  geiler als Sex“ überschrieben werden.

Klassischer Boulevard dann der Bericht: „Kaderarzt gefeuert – da gab er sich die Kugel.“ Aber in milder Form. Zwar wird gegen eine Regel des Qualitätsjournalismus verstossen (Selbstmord ist tabu), aber es werden keine Namen veröffentlicht und die Bilder werden (leicht) verfremdet. 

Zur Titelgeschichte „Jacksons letzte Show“ muss man nichts sagen, das entspricht wohl dem Geschmack der Leser.

Die Berichte im „Politik“-Teil könnten auch in einer anderen Schweizer Tageszeitung stehen, sie sind informativ und solide. Das Interview mit SRG-GD Armin Walpen ist ein Beispiel für harten aber fairen Journalismus. 

In der Wirtschaft nimmt auch der Sonntagsblick die Frage auf, ob Firmenchefinnen schwanger werden dürfen. Die Debatte hatte Roger Köppel in der „Weltwoche“ lanciert. Und CR Hannes Britschgi unterhält sich gleich mit fünf Karrierefrauen über deren Schicksal. Gut gemacht – vor allem deshalb, weil die Runde auch übers Internet betrachtet werden kann (www.sonntagsblick.ch ARGUMENTE). 

Der Leute – Teil ist ganz brav gemacht, Höhepunkt: „Happy Birthday, Beni“.

Zum Schluss zitieren wir aus der Frank A. Meier – Kolumne über die Schweizer Banken: „Erst unter extremem internationalen Druck steigen die Herrenreiter jetzt von ihrem hohen Ross herab, vom dem sie mit der Reitpeitsche ihren Knechten in der Politik die Marschrichtung vorgaben. Allzu lange war unser Land eine Bananenrepublik in der Zucht von Banken-Caudillos.“ Schön, denn: wann haben wir das letzte Mal derart klare klassenkämpferische Parolen gelesen?

Zum Sportteil sagen wir heute nichts: Dort lasen wir eine der härtesten Boulevardgeschichten der Woche – sie hat aber mit der Sonntagsblick-Redaktion nichts zu tun.

Was haben wir nun neues/relevantes erfahren? Dass der Zürcher Zoo „neu Übernachtungen inmitten von Löwen, Wölfen und Elefanten“ anbietet, das sich ein Kinderarzt in Bern erschossen hat und der Bund Asylbewerber statt sie zurückzuweisen auf die Kantone verteilt. Und, ach ja, noch dieses: „Oswald Grübel kämpft noch immer mit vielen Altlasten.“

Die Kriterien der Blattkritik:

Scoop (was ist neu und/oder exklusiv) – Sprache (Originalität in Inhalt und Form) – Trennung von Kommentar und Fakten – Anmutung/Optik/Bild – Gesamteindruck/Stil.