Bei der Lektüre der Sonntagszeitungen oder „die Leute bezahlen dafür, belogen zu werden.“

Heute musste keine Redaktion rätseln, Hauptthema ist – natürlich – der Disput zwischen Deutschland und der Schweiz. Und darüber hinaus die Frage, ob und wie das Schweizer Bankgeheimnis bestehen kann. Und da wird sogar die NZZ am Sonntag (die am ausführlichsten und kenntnisreichsten berichtet und kommentiert) witzig:

Einzig der Blick – und das ist das gute Recht des Boulevardblattes – zieht eine Fastnachtsgeschichte vor.

Der beste Beitrag zum Zwist Deutschland/Schweiz ist natürlich das Schäuble-Interview in der NZZ am Sonntag.

Privatbankier und NZZ-Verwaltungsrat liest (im Sonntag) dem Bundesrat die Leviten: „Bern hat den Kopf verloren“.

Breit und ausführlich die Bankgeschichte auch in der Sonntagszeitung (die im übrigen einen Chefredaktor sucht):

Christoph Blocher mit der Lösung: Der Kunde soll bestätigen, dass er kein Schwarzgeld bringt…

Die NZZ am Sonntag mit einem tiefsinnigen Kommentar: Die Banken zerstören sich selber…

Scoop im Sonntag: Nef zahlte 50’000.-.

Sonntag-Chefredaktor Patrik Mueller freift Bundesrat Merz aufs schärfste an und fordert (mindestens) einen Departementswechsel.

Andreas Gross wird im Sonntag als Spesenritter präsentiert.

Das wollten wir wissen: Nella Martinetti wird – laut Sonntagsblick – auch im Jenseits ihre Lieder singen. Ob es die Engel freut?

No – Deal zu frech? Oder vielmehr einfach zu blöd?

Der Lauterkeitskommission geht das Geld aus – ob das jemanden interessiert?

In der NZZ am Sonntag: Darauf muss man noch zurückkommen; der Erfolg der Schweizer Diplomatie war gar keiner.

Christoph Blocher kommt auch in der Sonntagszeitung (gross) zu Wort.

Ganz lapidar stellt die Sonntagszeitung fest, dass der Iran bald zur Atommacht wird.

Es gibt noch Hoffnung: Tibère Adler, der gescheite und geschätzte Kollege, könnte Walpen – Nachfolger werde.

Und das ist eine Geschichte, die man in allen aber nicht in den Tamedia – Zeitungen lesen kann: Die Financial Times erwähnt den heutigen Verwaltungsratspräsidenten der Tamedia, Pietro Supino, in einem Artikel über das Schweizer Bankgeheimnis und Verstösse dagegen. Supino war damals Anwalt in der Kanzlei von Bär und Karrer.

Schon dieses Bildes wegen möchte man Nein stimmen: Der Zürcher Tieranwalt (setzt sich im Namen der Fische gegen Fischer ein.)

Ungewöhnlich: Die NZZ am Sonntag wünscht Stephan Klapproth ins Pfefferland.

Bei der Lektüre der Sonntagszeitungen… oder der Scoop des „Sonntag“

Noch klingt der 80. Schweizer Medienball nach; die Nacht war wohl auch für einige der Sonntagszeitungsmitarbeiter einigermassen kurz. Im kleinen Wettbewerb um die beste PR-Leistung in eigener Sache gewann übrigens der Sonntagsblick: Bereits nach der Verlosung der Hauptpreise lag das Blatt an der Garderobe auf. Und drinnen konnte man lesen, wie der Medienall verlaufen war.

Doch nun zum Ernst des journalistischen Lebens:

Das interessanteste Blatt ist für mich heute der „Sonntag“, dessen Redaktion die Libyen-Affäre aufarbeitet und mit „Exklusiv: Der Bundesratsbericht“ aufmacht. Dem „Sonntag“ liegt der vertrauliche Bericht vor und man hat in Aarau nicht gezögert, dass Papier auf einer Doppelseite publik zu machen. Im elfseitigen Bericht, den Bundespräsident Hans-Rudolf Merz selbst unterschrieb, kommen weder er noch sein Kollege Couchepin und schon gar nicht Micheline Calmy-Rey gut weg, es ist die Chronik und das Fazit des Scheiterns.

Merz

Mit Fug und Recht will „Sonntag“-Chefredaktor Patrik Müller nun die Frage nach dem Rücktritt von Bundespräsident Merz beantwortet haben. Hier sein – zurückhaltender – Kommentar:

Müller

Und während also der „Sonntag“ – einmal mehr – einen Scoop landete, ist man bei der Bundesanwaltschaft auf der Suche nach einem jenem Informanten, der aus der Bundesratssitzung plauderte. Und kann jetzt die Suche wohl ausdehnen, die neue Frage lautet: wie kam der „Sonntag“ zum brisanten vertraulichen Papier?


Strafanzeige

Und mit sicherem Instinkt für politisch relevante Themen greift dann die Sonntagsredaktion noch die Frage der politschen Heimat von Peter Spuhler auf:

Spuhler

Die „Sonntagszeitung“ macht mit der geplanten Verlängerung des Militärdienstes auf und widmet sich – wie alle Sonntagszeitungen – dem Thema Schweinegrippe. Hier lesen wir dann auch noch diesen erstaunlichen Titel: „Schweinegrippe-Impfung spaltet die Schweiz.“

Dass Schweizer Munition von englischen Scharfschützen in Afghanistan verwendet wird, bestätigt der SoZ die Ruag – aber so richtig skandalös ist das nicht einmal für Jo Lang.

Munition

Spannend dann aber die Debatte über die Bologna-Reform (auf Seite 15). Und für einmal ist man plötzlich auf der Seite des Soziologieprofessors Kurt Imhof – wer hätte das gedacht?

Auf der Kommentarseite sagt Bundeshaus-Redaktor Christoph Lauener voraus, dass die SVP keinen „Grosserfolg“ bei den Wahlen haben kann. Das lasen wir vor den letzten und der vorletzten Wahlen auch schon.

Im Wirtschaftsteil nimmt ein Schaffhauser besonders viel Platz ein: Lindt- & – Sprüngli Chef Ernst Tanner.

Tanner

Die NZZ am Sonntag macht mit einem Familienthema auf: Beim Erfolg in der Schule komme es auf die Mütter an. Und so haben wir wieder einen Sonntag, an dem die Schweizer Sonntagszeitungen das Geschehen unterschiedlich gewichten, keine Rede von Mainstream.

Im Hintergrund-Artikel (der eigentlich ein verbrämter Leitartikel ist) beschreibt Luzi Bernet die Suche nach einem „Alphatier“ oder „Leithammel“ im Bundesrat.

Und dann fanden wir noch diese hübsche Geschichte: „Wenn das Handy mit dem Joghurt spricht.“

Handy



Leitartikel: Die Demütigung

Der Leitartikel zu Merz/Libyen in den Schaffhauser Nachrichten vom Samstag…

Natürlich fiele es leichter, die Causa Libyen nach der Klärung des Schicksals der beiden festgehaltenen Schweizer zu beurteilen; dies ist, nachdem die Schweizer Delegation mit ihrem Bundesratsjet (und dem Gepäck) in der Nacht auf gestern unverrichteter Dinge zurückgekommen ist, nicht der Fall. Und so fehlt (wenigstens bis zur Drucklegung dieses Leitartikels) noch ein wichtiges Kapitel in der geradezu unglaublichen Geschichte vom Zusammenprall eines Rechtsstaates mit den Ehrbegriffen eines Beduinenvolkes, von der Demütigung eines demokratischen Landes durch den Clan eines ruchlosen Diktators. Einer Geschichte aber auch, die darüber hinaus eine existentielle Frage aufwirft: Sind wir, so lautet sie, bereit und in der Lage, unsere Prinzipien zu verteidigen und durchzusetzen, oder geben wir uns selber ohne Not willfährig auf? Und über diese Frage muss man unabhängig von der hoffentlich baldigen Rückkehr der Schweizer Geschäftsleute öffentlich nachdenken. Doch der Reihe nach.

Versagt hatte bereits Bundesrätin Micheline Calmy-Rey

Der Skandal – und dieses Wort sollte man sparsam verwenden – hat nicht erst mit dem Abschluss des beschämenden Staatsvertrages begonnen; der Skandal dauerte schon viele Monate an, während deren die Schweizer Öffentlichkeit mit nur sanftem Widerstand und leisen Protesten duldete, dass zwei Schweizer Landsleuten die Ausreise aus Libyen verboten wurde. Erfolglos blieb in dieser Zeit auch das zuständige Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, und deren Leiterin Micheline Calmy-Rey hat ebenfalls versagt. Dass Hans-Rudolf Merz sich schliesslich – offenbar miserabel instruiert – auf diese Mission Impossible senden liess, zeugt von einer mit Gutgläubigkeit vermischten

Selbstüberschätzung. Was falsch eingefädelt wird, kann nicht gut enden. Bundespräsident Merz lief denn auch in eine wohlvorbereitete Falle; der ausgehandelte Vertrag mit der Entschuldigung im Namen des Schweizervolkes empört die Schweizerinnen und Schweizer, die Juristen schütteln den Kopf ob der Tatsache, dass hier unter anderem einem internationalen Gremium zur Untersuchung des Vorfalls in Genf zugestimmt, das Ergebnis der Untersuchung aber bereits vorweggenommen wird. Dass – je nach Interpretation – allen in die Schweiz reisenden Libyern eine Art Diplomatenstatus zugebilligt wird, ist vollends unverständlich.

Die Rechtssicherheit ist das wichtigste Gut der Schweiz

Nein, es geht keineswegs darum, ob die Genfer Polizisten in jener Nacht vom 12. Juli allenfalls zu robust vorgingen, alle bekannten Fakten sprechen dafür, dass sich die Beamten einigermassen korrekt verhielten, als die Leibwächter des notorischen Randalierers Hannibal Ghadhafi ihnen den Zugang verwehrten. Es geht darum, ob die Schweiz ihr höchstes und teuerstes Gut, die Gleichbehandlung aller und damit die Rechtssicherheit, bewahren und verteidigen will. Darauf sind wir zu Recht stolz: Dass ein jeder, ob arm oder reich, vor dem Gesetze und seinen Vertretern sie gleichen Rechte hat.

Nicht auszudenken, was in einer wirklichen Notlage geschähe

Wenn die Schweizer Geiseln endlich in der Schweiz eingetroffen sind, ist die Sache für den Bundespräsidenten und seine Kolleginnen und Kollegen noch nicht ausgestanden; die Debatte dürfte dann erst richtig beginnen, und mancher, der sich jetzt zurücknimmt, um die Heimkehr der Landsleute nicht zu gefährden, wird seine Zurückhaltung ablegen. Dann sollte die Partei- und Wirtschaftspolitik für einmal in den Hintergrund treten, und man wünscht sich, dass Grundsatzfragen im Zentrum stehen. Was, so lautet die eine, würde wohl in einer wirklichen Notlage geschehen? Wie, eine zweite, wappnet sich der Bundesrat gegen weitere Erpressungsversuche, die jetzt erst recht nicht mehr auszuschliessen sind? Drittens schliesslich: Darf und soll man um des Öls und der Geschäfte willen unsere hehrsten Güter entwerten? So sehr wir aber das Vorgehen des Bundesrates und seines Präsidenten bedauern und kritisieren: Der wahre Schurke im Spiel ist Muammar al Ghadhafi; jener Despot, der die Schweiz derzeit demütigt und der zum 40-jährigen Bestehen des Wüstenstaates geladen hat. Es wäre gut und zu wünschen, wenn an dieser Feier kein Staatsoberhaupt aus der Gemeinschaft der Demokratien teilnehmen würde.