Sonntagskiosk: Themen (unter anderem): Rassismus/Locarno mit Blocher und Feuchtgebieten/Saläre bei den Hilfswerken.

Bei der Lektüre der Sonntagszeitungen: Jedes Blatt mit eigenen Aufmache. Sonntag und die schwulen Priester (und mit blocherfreundlichen Artikeln), NZZ am Sonntag mit Quotentief der SRG, Sonntagszeitung mit Arztsalären und der Sonntagsblick schaut in die Zukunft. Und auf eine Unterhose.

Sonntag

Sonntag: Wagners Antiblocher-Kampage (und Mörgelis Verteidigung), viermal mehr Deutsche, Reportage aus der Nothilfe

Sonntagsblick: Wagner attackiert Blocker, Widmer-Schlumpf mit „Schnaps-Idee“, Bilderberg-Teilnehmer

Da hätte man auch uns fragen können oder was Hayek von Blocher hielt…

Da hätte man auch uns fragen können, ich habe Nicolas Hayek 2007 interviewt und ihn in diesem Gespräch in Biel auch gefragt, was er von Christoph Blochers Führungsprinzipien hält. Hier der Interviewauszug…
Worin unterscheiden Sie sich im Stil von Christoph Blocher?
Hayek: Sie meinen in meinem Führungsstil? Oder in meinem persönlichen Stil? Erstens bin ich kein Politiker und suche keine Machtposition. Deshalb brauche ich nicht die Zustimmung aller meiner Zuhörer zu meiner Person und meiner Meinung. Und zweitens habe ich auch keine Macht…
… keine politische Macht…
Hayek: Gut, wirtschaftlich habe ich vielleicht ein wenig Macht. Blocher aber ist Mitglied der Regierung, das ist natürlich ein Unterschied. Ich selbst habe es immer abgelehnt, wenn man mir machtvolle Positionen angeboten hat.
Kommen wir zur Frage der Führung. Christoph Blochers neues Buch handelt von seinen Führungsprinzipien, sie sind im Wesentlichen vom Militär geprägt.
Hayek: Wenn Herrn Blochers Führungsstil wirklich so ist, dann bin ich in der Tat total anderer Meinung. Ich habe bereits vor dreissig Jahren in einem NZZ-Artikel einmal erklärt, dass auch in Friedenszeiten zwischen der militärischen Führung und der Führung eines wirtschaftlichen Gebildes, sei dies nun eine Grossbank oder ein Produktionskonzern, ein fundamentaler Unterschied im Führungsstil besteht. Wenn Sie als General einem Soldaten oder einem Offizier in der Armee befehlen, zehn Kilometer zu marschieren, und er wagt es, sich zu weigern, dann landet er im Gefängnis. Das ist Führung durch Macht. Der Führungsstil durch Macht allein, ohne Möglichkeit der Diskussion, ist für eine Armee vielleicht nötig, für mich aber in einem industriellen Konzern auf lange Sicht nicht nachvollziehbar.
Sagen Sie uns doch bitte, wie Sie führen.
Hayek: Wenn Sie einem Ihrer Mitarbeitenden befehlen, etwas zu tun, an das er nicht glaubt, dann macht er es schlecht, gar nicht oder er verlässt sogar die Firma. Sie können nicht mal viel dagegen unternehmen. Und dem Konsumenten können Sie nicht befehlen, Ihre Uhren zu kaufen. Sie müssen ihn überzeugen. Ebenso müssen Sie Ihre Mitarbeitenden davon überzeugen, dass Sie der beste Pilot an Bord sind, um sie schnell und gefahrlos ans Ziel zu bringen. Sie müssen Vorbild sein, ein Mensch, der weder korrupt ist noch abzockt, der sich nicht auf Kosten der Firma, der Mitarbeitenden, der Aktionäre oder der Volkswirtschaft Vorteile verschafft. Sie müssen auch ein Chef sein, der bereit ist, selbst auch zu tun, was er von seinen Mitarbeitenden verlangt. Schliesslich müssen Sie die Fähigkeit haben, den Menschen Spass an ihrer Arbeit zu vermitteln und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Wenn diese emotionale Bindung und das Vertrauen vorhanden sind, dann wächst die Leistungsfähigkeit jeder Firma.
Das sind fundamentale Unterschiede, oder?
Hayek: So fundamental vermutlich nun auch wieder nicht, wahrscheinlich nur dem Anschein nach. Herr Blocher war auch ein Unternehmer, und auch er beherrscht die Kunst der Überzeugung meisterhaft. Man muss wahrscheinlich mit ihm zusammenarbeiten, um seinen Stil richtig zu analysieren und darüber referieren zu können.

Lektüre der Sonntagszeitungen: Die Euro-Schwäche, die Schweiz und der Kosovo, Schweinegrippe. Und, natürlich, Geschenkvorschläge und Jahreslisten. Schliesslich: 101jährige kandidiert…

Auch heute konnten sich die Redaktionen nicht auf eine gemeinsame Wertung des Geschehens einigen, das macht die Lektüre interessant. Grosse Interviews wurden mit Klaus Schwabe, Christian Levrat und Abt Werlen geführt, Christoph Blocher kündigte (in der Sonntagszeitung) eine neue SVP-Initiative an. Und die NZZ am Sonntags kündigte das Jahr der Europapolitik an.

Lektüre der Sonntagszeitungen: Leuenberger rechtfertigt sich (und wird von der Sonntagszeitung zum Verzicht aufgefordert), Blocher spricht von „Hexenjagd“ und alle rätseln, was in Basel los ist. Libyen – Affäre ohne Ende, Fifa und die Korruption, Bauboom. Frank A. Meyer schliesslich nimmt Voltaire zum Vorbild und will dafür sorgen, dass die SVP frei reden und an der Wärme tagen kann.

Heute macht jede Zeitung mit einer anderen Titelgeschichte auf, gemeinsam aber sind die Themen Libyen, BaZ/Blocher/Suter, Leuenberger. Und der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea und die Euro-Krise.

Die Sonntagszeitung fordert Leuenberger zum Verzicht auf das VR-Mandat bei Implenia auf und im Sonntagsblick bietet Kolumnist Frank A. Meyer an, (analog zu Voltaire) sein Leben dafür zu opfern, dass die SVP unter einem Dach tagen kann. Oder so ähnlich.



Lektüre der Sonntagszeitungen: Neuer Chef beim Sonntagsblick, die Sonntagszeitung auf dem iPad, Armeedebatte dauert an

Die Schweizer Sonntagszeitungen heute mit folgenden Themen:

Armee, Volksrechte, Todesstrafe, Bundesratswahlen, Kurt Felix, Blocher verklagt Bundesräte, Bergleute in Chile, Misstand beim Bundesreisebüro, die grüne Partei, Sonntagszeitung auf dem iPad.

Titel der Woche: Freilichttheater schlagen sich erstaunlich. (Sonntag)
Satz der Woche: Porsche verkauft nicht nur Sportwagen, sondern vermittelt das Wissen, um sie sicher zu bewegen. (Sonntagszeitung)

Bei der Lektüre der Sonntagszeitungen oder „die Leute bezahlen dafür, belogen zu werden.“

Heute musste keine Redaktion rätseln, Hauptthema ist – natürlich – der Disput zwischen Deutschland und der Schweiz. Und darüber hinaus die Frage, ob und wie das Schweizer Bankgeheimnis bestehen kann. Und da wird sogar die NZZ am Sonntag (die am ausführlichsten und kenntnisreichsten berichtet und kommentiert) witzig:

Einzig der Blick – und das ist das gute Recht des Boulevardblattes – zieht eine Fastnachtsgeschichte vor.

Der beste Beitrag zum Zwist Deutschland/Schweiz ist natürlich das Schäuble-Interview in der NZZ am Sonntag.

Privatbankier und NZZ-Verwaltungsrat liest (im Sonntag) dem Bundesrat die Leviten: „Bern hat den Kopf verloren“.

Breit und ausführlich die Bankgeschichte auch in der Sonntagszeitung (die im übrigen einen Chefredaktor sucht):

Christoph Blocher mit der Lösung: Der Kunde soll bestätigen, dass er kein Schwarzgeld bringt…

Die NZZ am Sonntag mit einem tiefsinnigen Kommentar: Die Banken zerstören sich selber…

Scoop im Sonntag: Nef zahlte 50’000.-.

Sonntag-Chefredaktor Patrik Mueller freift Bundesrat Merz aufs schärfste an und fordert (mindestens) einen Departementswechsel.

Andreas Gross wird im Sonntag als Spesenritter präsentiert.

Das wollten wir wissen: Nella Martinetti wird – laut Sonntagsblick – auch im Jenseits ihre Lieder singen. Ob es die Engel freut?

No – Deal zu frech? Oder vielmehr einfach zu blöd?

Der Lauterkeitskommission geht das Geld aus – ob das jemanden interessiert?

In der NZZ am Sonntag: Darauf muss man noch zurückkommen; der Erfolg der Schweizer Diplomatie war gar keiner.

Christoph Blocher kommt auch in der Sonntagszeitung (gross) zu Wort.

Ganz lapidar stellt die Sonntagszeitung fest, dass der Iran bald zur Atommacht wird.

Es gibt noch Hoffnung: Tibère Adler, der gescheite und geschätzte Kollege, könnte Walpen – Nachfolger werde.

Und das ist eine Geschichte, die man in allen aber nicht in den Tamedia – Zeitungen lesen kann: Die Financial Times erwähnt den heutigen Verwaltungsratspräsidenten der Tamedia, Pietro Supino, in einem Artikel über das Schweizer Bankgeheimnis und Verstösse dagegen. Supino war damals Anwalt in der Kanzlei von Bär und Karrer.

Schon dieses Bildes wegen möchte man Nein stimmen: Der Zürcher Tieranwalt (setzt sich im Namen der Fische gegen Fischer ein.)

Ungewöhnlich: Die NZZ am Sonntag wünscht Stephan Klapproth ins Pfefferland.

Kommentare zum Minarettverbot oder durch den „heilsamen Schock… verfestigt sich ein unschönes Bild.“

In den Sonntagszeitungen ist die wuchtige Annahme des Minarettverbots – natürlich – das Hauptthema. Ausser beim „Sonntagsblick“. Doch dazu später.


Vorbemerkung: Auch die Redaktion der „Schaffhauser Nachrichten“ hatte nach einer intensiven internen Diskussion die Initiative zur Ablehnung empfohlen. Sie löse, so war man sich einig, keine Probleme. Gleichzeitig stellten wir fest, dass wir eben diesen Problemen, die zur Initiative führten, nicht genügend Aufmerksamkeit schenken. Wir hatten uns dann entschlossen, die Debatte offen und ohne Scheuklappen zu führen und veranstalteten unter anderem eine – auch am Fernsehen übertragene Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern – bei uns im Zunftsaal.

Das – gerade in Schaffhausen und im Thurgau – überdeutliche Resultat hat uns dann alle überrascht, die einen etwas weniger, die anderen etwas mehr. Noch mehr überrascht aber hat uns die Reaktion vieler Kolleginnen und Kollegen, die einer wahren Volksbeschimpfung gleichkam. In einem Kommentar und einem Leitartikel habe ich unsere Haltung dargelegt: Eine (deutliche) Mehrheit hat entschieden, nun gilt es – mit einem degaullschen „Je vous ai compris“   den Auftrag der Mehrheit zu erfüllen.


Heute kommentieren die Sonntagszeitungen dann weitgehend ähnlich, wobei sich die „Sonntagszeitung“ etwas gar windet: Das Abstimmungsresultat sei, so schreibt Chefredaktor Andreas Durisch, ein „heilsamer Schock.“ Und schränkt dann wiederum ein, damit verfestige sich ein „unschönes Bild der Schweiz.“ Für einmal kann man Tamedia jedenfalls nicht vorwerfen, es werde Konzernjournalismus betrieben. Der „Tages Anzeiger“ führte eine regelrechte Kampagne gegen die Initiative, war für ein Verbot der Plakate und sorgte mit seiner Weigerung, das entsprechende Inserat zu publizieren dafür, dass sich die Initianten das Geld sparen konnten. Das Inserat wurde durch die redaktionelle Debatte – ein uralter Trick – innert Tagen bekannt, ohne dass es irgendwo geschaltet hätte werden müssen.

Sagen wir es deutsch und deutlich: nicht nur die Classe politique sondern auch wir, die – mit Ausnahme der „Weltwoche“ – im Mainstream treibenden Medien der Schweiz waren weit weg von des Volkes Stimmung und haben diese falsch eingeschätzt. Da kann man vielleicht einen Teil der Schuld noch dem unsäglichen Claude Longchamp in seine Flip Flops schieben,  insgesamt aber hat sich wieder einmal gezeigt, wie weit die veröffentlichte und die öffentliche Meinung auseinander klaffen.

Die Regierung kann sich kein anderes Volk wählen, das Volk aber kann andere Politiker wählen. Und jene deutliche Mehrheit der politisch aktiven Schweizerinnen und Schweizer (welche ja die genannten Medienkonsumenten sind) wird sich nicht auf Dauer als hinterwäldlerisch und „bildungsfern“ (sprich dumm) verunglimpfen lassen. Weder von den Politikern noch von den Medien.

Patrik Müllers Kommentar im „Sonntag“: Mehr Gelassenheit und: Den Volksentscheid umsetzen. Eigentlich Selbstverständlichkeiten…


Natürlich kann man niemanden böse sein, wenn er einen Volksentscheid per Volksentscheid korrigieren will. Dass dies kaum Chancen hat, ist ja offensichtlich. Das ist schlechter Stil aber immer noch besser als der Gang zum (fremden) Kadi, den Bundesrat Leuenberger (in einem Interview im Sonntag) fordert:


Leuenberger: „Gleich zu Beginn für ungültig erklären…“

Und die NZZ am Sonntag. Auch hier eine ganze Reihe von Artikeln und Kommentare zum Minarettverbot:

Und Chefredaktor Felix E. Müller hat die Niederlage ganz offensichtlich schlecht verdaut, schreibt er doch: „Die Annahme der Minarett-Initiative verstärkt den Trend, mit Mitteln der direkten Demokratie gegen bestimmte Personengruppen vorzugehen.“ Welcher Trend? Welche Gruppen?

Auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung macht mit der Minarettfrage auf. Und kommentiert ganz gelassen: „Es soll in der Schweiz keine Minarette geben. Die Religionsfreiheit besteht aber weiter.“

Und der Sonntagsblick? Das ist die heutige Titelseite:

Im innern des Blattes aber kommentiert Chefredaktor Hannes Britschgi dann, besonnen wie immer, das Resultat sei „gut demokratisch“ zu akzeptieren. Und dann schreibt Frank A. Meyer noch (auf nahezu einer halbformatgrossen Doppelseite), dass er – unter anderem – über das „Manifest von Prominenten aus Kultur und Politik“ „sprachlos, fassungslos“  sei. Gehörten doch „von mir hochgeschätzte Persönlichkeiten wie alt Bundesrätin Ruth Dreifuss, aber auch mein inniger Freund, der Schriftsteller Adolf Muschg“ zu den Unterzeichnenden.

Womit wir es schwarz auf weiss in den Händen halten: Frank A. Meyer gehört nicht zu den „Prominenten aus Kultur und Politik.“

Die wahre Überraschung aber ist die Aussage von Swissmem-Präsident Johann Schneider-Amann, die Wirtschaftskrise werde 2010 „noch schlimmer.“ Es brauche nun Bundesgarantien in Milliardenhöhe.

Norbert Neininger