Leserzahlen: «Schaffhauser Nachrichten» legen (leicht) zu…

Während viele Zeitungen Leser verloren, konnten die «Schaffhauser Nachrichten» laut der neuesten Leserschaftsforschungszahlen der WEMF AG um 1’00o auf 40’000 Leser zulegen (Normalauflage), in der Grossauflage ebenfalls um 1’000 Leser auf 62’000. Im Wirtschaftsgebiet 42 (engere Region Schaffhausen) erreicht die Grossauflage der SN 78.1 Prozent der Bevölkerung.

Wir haben die Zahlen übrigens heute in den SN unter Angabe der statistischen Eckwerte (Vertrauensbereich) publiziert.

LZ

Sonntagskiosk: NZZ mit neuem Layout und ihr Chefredaktor meint, die Zukunft der Zeitung habe grad begonnen; Blick warnt vor Radarfallen, Sonntagszeitung sagt 1 : 12 – Niederlage voraus und Schweiz am Sonntag meldet, dass ein Schweizer Labor «mutmassliche» syrische Giftgasproben untersucht

Die NZZ am Sonntag erscheint heute mit neuem Layout und Chefredaktor Felix E. Müller verkündet gleichzeitig, dass die Zukunft der Zeitung grad begonnen habe. Das Layout ist auf den ersten Eindruck klassischer, zurückhaltenden und  mit vielen Magazinelementen versehen. Kleinere Titel und Bilder räumen dem Text mehr Platz ein; die NZZ am Sonntag wird, wie ihr Chefredaktor ja auch im «Persönlich-Interview» angekündigt hat, noch hintergründiger.

Einen Scoop landet die Schweiz am Sonntag mit ihrem Bericht, dass «mutmassliche» syrische Giftgasproben im ABC-Labor in Spiez untersucht würden. Der Bericht gründe auf «zuverlässigen Informationen».

Und dann haben wir noch im «Magazin» folgenden Satz gelesen: «Manchmal sind Zahlen, die in der rechten Spalte der Speisekarte stehen, selbst für Menschen ein Schock, die geübt sind, hohe Rechnungen zu bezahlen.»  Das übersetzen wir für den geneigten Leser wie folgt: «Es gibt teure Restaurants».

Gedenkfeier auf dem Friedhof von Proshian: Verwandte und Freunde versammeln sich am Grab von Hratsch Muradian, der 50. geworden wäre…

Armenische Familien und Freunde versammeln sich jeweils am Todes- und am Geburtstag am Grab der Verstorbenen. Vergangene Woche fanden sich rund 200 Personen am Grab von Hratsch Muradian ein, der am 2. April ermordet wurde. Er wäre 50 geworden.

Muradian war Bürgermeister in Proshian – noch sind die Hintergründe des Attentates nicht aufgeklärt. Eine Reportage wird folgen.

Aus meinem Archiv: Dreharbeiten in der Mongolei (1986) für einen 45minütigen Dokumentarfilm

Mit dem Schaffhauser Fotografen Max Baumann, der Kamerafrau Charlotte Eichhorn (Schweizer Fernsehen) und rechts neben mir Levante Paal (Technik und alles andere). Aufnahme: Marie-Christine Neininger.

Der Film war eine Koproduktion mit dem Mongolischen Fernsehen in Ulan Bator – aber das ist eine andere Geschichte. Und so ganz nebenbei entstand noch ein Buch über die Mongolei, das längst vergriffen ist.

Sonntagskiosk: Ackermann, Schwingen und Carlos; für den Sonntagsblick und die Schweiz am Sonntag ist die Syrienkrise zu wenig relevant für die Titelseite

Der Rücktritt von Joe Ackermann beschäftigt die Redaktionen der Sonntagszeitungen ebenso wie das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, dem der Sonntagsblick neben der Titelseite noch weitere sechs Seiten einräumt. Und wir lesen – unter anderem – dass die Kunden des Saunaclubs Oasis Schlange stehen für «Sex im Sägemehl». Breit berichtet die «Sonntagszeitung» über den Rücktritt von Joe Ackermann und beleuchtet die Hintergründe, die NZZ am Sonntag liefert (auch hier) die fundierteren Informationen, darunter ein Interview mit Zürich-Chef Martin Senn. Dies ist im übrigen ein Beispiel dafür, wie gedrechselt die von den Medienstellen überarbeiteten Interviews daherkommen («Bei einigen dieser Jahresziele stellt die Zielerfüllung bis zum Jahresende eine Herausforderung dar, etwa beim Verhältnis zwischen Schadenkosten und Einnahmen, das wir relativ zu unseren Kunden verbessern wollen, oder beim Wachstum des Privatkunden-Sachversicherungsgeschäftes in den USA»). Die Schweiz am Sonntag macht mit der bereits etwas abgehangenen Carlos-Geschichte auf, über die alle Sonntagszeitungen schreiben. Das wichtigste Thema, der Krieg in Syrien und der Frage, ob und wie die USA und der Rest der Welt darauf reagieren, wird unterschiedlich gross dargestellt, bei der Schweiz am Sonntag und dem Sonntagsblick hat es für die Titelseite nicht gereicht. Ein weiteres gemeinsames Thema: Der Bankendeal.

In der FAZ am Sonntag steht natürlich der deutsche Wahlkampf im Zentrum.

Stationen einer Reise durch Armenien: ein Tagebuch (Teil I/1996)

Armenische Notizen, erste von zwei Folgen

Von Norbert Neininger, Eriwan

Mit 600 000 Armeniern ist sie vor brandschatzenden aserbaidschanischen Horden geflohen und lebt nun in einem Heim in Armenien.

Donnerstag – Als die Iljuschin II86 der Armenian Airlines in Paris abhebt, ist sie übervoll, obwohl nur die Hälfte der Sitze von Pasagieren belegt ist. Auf und unter den restlichen Plätzen und in den Gängen stauen sich die Kisten, Koffer, Säcke und Kartonschachteln: Jeder Hohlraum, jede Ecke ist vollgestopft mit Plastik- oder Stofftaschen. Der Frachtraum allein hätte längst nicht ausgereicht, um das Gepäck der 100 Reisenden aufzunehmen. Jeder hat auf jedem Flug nach Armenien Medikamente, Kleider, Lebensmittel, Milchpulver für Säuglinge, Seifen oder Waschmittel dabei, pro Fluggast ein paar Dutzend Kilogramm, und so kommen jährlich 400 000 Hilfsgüter zusammen. Manche Menschen schleppen Computer mit sich, und wieder andere wenigstens Bücher. Beim Einchecken im abgelegensten Terminal des Flughafenlabyrinths von «Charles de Gaulle» waren die Schalter fast hinter den Gepäckbergen verschwunden. «Für die Geburtsklinik von Gumri» stand auf Frachtkisten geschrieben, «Spital Nummer 4 in Erewan» auf andern, und Dutzende von Schachteln trugen einen Kleber mit dem Absender: «Armenische Patrioten» und dem Adressaten «Verteidigungsministerium». Auf dem wöchentlichen Kurs R3 101 mit der ehemaligen Aeroflotmaschine mischen sich farbenfroh gekleidete Auslandarmenier mitarmenischen Staatsbürgern, die Schwarz bevorzugen. Die Nichtarmenier sind meist in humanitärer Mission unterwegs, wie beispielsweise der Schweizer Leonardo Gmuer. Für das kirchliche Hilfswerk Diakonie baut er seit fast acht Jahren Kinderheime und Schulen. Viel später wird er in Eriwan von seiner armenischen Frau begrüsst werden, die er als Dolmetscherin kennengelernt hatte und die ihn in seine neue Heimat Gumri holt, wie das ehemalige Leninakan heute wieder heisst.

Und jener Amerikaner dort im Anzug der Wall-Street-Broker? Was wird er, der unablässig in Akten blättert, wohl in Armenien machen? Tage später wird man ihn wiedersehen und dabei mehr über ihn erfahren.

Doch noch sind wir längst nicht soweit, noch ist der ehemalige Aeroflotjet am Boden, wo die drei Triebwerke warmlaufen. Schön neu sieht die Iljuschin aus; die Armenier haben die betagte Maschine in den Nationalfarben Weiss und Blau gestrichen, aber unter dem frischen Verputz versteckt sich die alte Technik. Kurz nach dem Abheben beginnt wie immer ein Zittern und Beben, das Gepäckstücke purzeln und zartbesaitete Passagiere erbleichen lässt. Doch schon zieht die Maschine einigermassen ruhig ihre Bahn nach Südosten, wo sie nach viereinhalb Stunden Flugzeit gegen zwei Uhr morgens neben dem Ararat auf dem Flughafen der armenischen Hauptstadt Eriwan landen soll.

Dass es diesmal erheblich länger dauert, ist einem Nebelfeld über Eriwan zuzuschreiben. Noch ist der Kontrollturm nicht in der Lage, die Maschinen durch den Nebel zu lotsen. Das soll sich bald ändern, wird doch Frankreich – als Gegenleistung dafür, dass Armenian Airlines Paris anfliegt- den Tower in Eriwan für eineinhalb Millionen Franken ausbauen. Ausweichflughafen ist aber jetzt Sotschi an der russischen Schwarzmeerküste, und dort warten Besatzung und Passagiere in der Maschine meist schlafend sechs Stunden lang aufbessere Wetterverhältnisse. Weit weniger bequem verbringen jene Menschen die Nacht, die vor dem Flughafen in der Kälte voller Besorgnis ausharren, um ihre Verwandten oder Gäste zu begrüssen.

Freitag – Nach einem langen Flug dauern die Gepäckausgabe zwei und die Zollformalitäten weitere vier Stunden. Und dann – es ist jetzt Freitag 16 Uhr in Eriwan und damit 24 Stunden nach dem Start in Zürich – schliessen einen die armenischen Freunde erleichtert in ihre Arme, jetzt werden Pläne für das Begrüssungsessen geschmiedet.

Doch Mike Baronian, der in Schaffhausen lebende Armenier mit kanadischem Pass, bleibt am Flughafen zurück. Der Zoll will gespendete Medikamente zurückbehalten, die das Arabki-Spital dringend braucht, um das Leben nierenkranker Kinder zu retten. Erst als der Gesundheitsminister Ara Babloyan persönlich am Flughafen auftaucht, können die Hilfslieferungen ins Spital gebracht werden.

Wer zum ersten Mal hier ist, dem mag das Strassenbild trist erscheinen, er sieht die vielen baufälligen Häuser und Bretterbuden, vermisst das bunte Treiben und den Glanz europäischer Grossstädte. Doch welch ein Unterschied zu den Jahren zuvor! Im Januar 1989, eine Woche nach dem Erdbeben, lag das Land in Trümmern, waren Schock und Trauer geradezu spürbar, war kein Lachen zu hören und kein Lächeln zu sehen. Verschwunden die «Lebensfülle der Armenier und ihre rauhe Zärtlichkeit», wie sie der Dichter Ossip Mandelstam erlebte. Auf das Erdbeben folgten eine beispiellose Hilfswelle und dann ein Krieg, der noch nicht ganz beendet ist.

Dieser hatte im Hochland Berg-Karabach begonnen, in jenem von Armeniern bewohnten kargen Gebiet innerhalb Aserbeidschans, dem mehrheitlich muslimischen Staat, den einst Stalin aus unterschiedlichsten Volksgruppen zusammengefügt hatte. Der Funke fiel auf Armenien und liess das Nationalbewusstsein auflodern. Hunderttausende forderten im Sommer auf dem Theaterplatz in Eriwan die Unabhängigkeit und den Anschluss Berg-Karabachs an Armenien. Aserbeidschan reagierte mit Pogromen in der Hauptstadt Baku und in den von

Armeniern bewohnten Gebieten von Sumgait. 73 Jahre nach dem Völkermord der Türken an den Armeniern, bei dem ab 1915 eine Million Angehörige des ältesten Christenvolkes der Welt massakriert wurden, brachen die verdrängten Ängste wieder auf. Rund 600 000 Armenier flohen im Sommer 1988 aus Aserbeidschan und überfluteten die Städte Leninakan und Kirowakan, die wenig später vom Erdbeben zerstört wurden. Die aserbeidschanische Minderheiten verliessen Berg-Karabach und zogen aus Armenien weg.

Der Konflikt eskalierte. Aserbeidschan sandte Truppen nach Berg-Karabach, von Armenien unterstützte Freischärler eroberten das Gebiet zurück. Bomben fielen auf die armenische Zivilbevölkerung, und das türkisch-aserbeidschanische Embargo schnitt Ar-menien von der Aussenwelt ab. Erdöl und Erdgas konnten nicht mehr importiert werden.

Die Energiekrise verunmöglichte den Wiederaufbau des Landes. Es gab weder Strom noch Wasser in den Wohnungen, und nachts wurde Eriwan zur Gespensterstadt. Wenige Fenster nur waren durch Kerzenlicht erleuchtet, und die Spitäler mussten mit Generatoren arbeiten.

Sergei und Aschot, die beiden Fahrer und Dolmetscher, haben uns bei vielen Besuchen, auch in jenen Tagen der Angst und Trauer, begleitet. Auf der halbstündigen Fahrt in die Innenstadt erkundigen wir uns nach unseren Bekannten und erfahren, dass der fast 70jährige Hadschigt Stambultsian, einer der Oppositionsführer, nach einem Fenstersturz in einem Spital liegt. Ein Unfall? Im Prinzip ja, sagen uns später Bekannte, aber man kann nie wissen. Wr nehmen uns vor, den alten Freund im Verlauf der Woche aufzuspüren.

Es muss ein milder Winter gewesen sein in Eriwan, tragen doch viele Bäume wieder Aste. Das Kernkraftwerk Medsamor, das nach dem Erdbeben abgeschaltet wurde, ist seit Juni vergangenen Jahres trotz aller Risiken wieder in Betrieb und ergänzt die kleinen Wasserkraftwerke. Aschot, der blitzgescheite studierte Mathematiker, hat nach jahrelanger Arbeitslosigkeit endlich eine Beschäftigung gefunden. Er arbeitet als Elektriker und installiert im Auftrag der Regierung Stromzähler in Privathaushalten. Ist die Energiekrise vorbei? Im Prinzip ja, sagt Aschot, jedermann darf jetzt Strom beziehen, vorausgesetzt, er kann 20 Dollar pro Monant bezahlen. Das ist bei einem monatlichen Durchschnittslohn von 10 Dollar aber nur wenigen möglich, und so bleibt es für die meisten bei einer Stunde Elektrizität täglich.

Die Strasse säumen jetzt weit mehr der aus Brettern gebauten Kioske mit ihrem Angebot von Wodka, Tomaten, Äpfeln, Orangen, Zigaretten, Fischen, Fleisch und Brot. Dort an der Ecke wartet Haradsch mit seinem Grill auf Kunden, die ihm Schweinefleischspiesse abkaufen. Und auch ihm geht es besser als in der Vergangenheit, hat er doch hinter seinem Stand eine kleine Hütte gebaut, die nun Gästen Schutz vor der Kälte bietet.

Samstag – Es sind diese dunklen, grossen Augen, die einen überall begleiten. Bei Anni, die wir im Flughafen kennenlernten, funkeln sie, wenn sie erzählt, wie sie ihr Leben in Los Angeles aufgegeben hatte, um mit anderen Freischärlern an der Grenze Berg-Karabachs Dörfer zurückzuerobern und die von türkischen Offizieren geschulten aserbeidschanischen Soldaten zu schlagen. Die Augen des siebenjährigen Georg strahlen, wenn er die kleinen Geschenke aus der Schweiz entgegennimmt. Sie sollen ihn über seine schwere Herzkrankheit hinwegtrösten. Noch hält ihn sein russischer Herzschrittmacher am Leben, doch die Batterie hätte schon längst ausgewechselt werden müssen, wofür den Eltern das Geld fehlt.

Die Polizist war einer jener Armenier, die von der Schaffhauser Stiftung «Hilfe für Armenien» von Bekannten gehört hatten. Er fand sich – zusammen mit weiteren Hilfsbedürftigen – bei den Besuchern ein, um sein Problem vorzutragen. Die Stiftung wird sich der Sache annehmen und einmal mehr Geld sammeln, um die Operation des kleinen Jungen zu ermöglichen.

Und dann sind da die Augen des kleinen Mädchens im Arabkir-Spital. Sie sind ganz gross und traurig und blicken müde aus einem bleichen Gesicht. Die Achtjährige liegt auf einem Bett, neben ihr surrt der Elektromotor der künstlichen Niere. Vier Stunden dauert die Blutwäsche jeweils, die Kleine ist eine von vier Patienten, die an diesem Morgen behandelt werden. Die einzige Dialysestation für Kinder in Armenien wurde von einem Schweizer Arzt, Dr. Jean-Pierre Bernhard, mit grossem Engagement aufgebaut und wird von seiner Stiftung getragen. 80 000 Dollar wurden investiert, doch die Zukunft ist auch hier ungewiss, man kann den Betrieb aufrechterhalten, solange Spendengelder aus der Schweiz fliessen und die Cilag AG Schaffhausen die benötigten Medikamente schenkt.

Mit 21 Prozent Inflation steigen auch die Wohnungspreise in Eriwan rasant. Grossfamilien leben in Zweizimmerwohnungen. Eltern und Grosseltern sind bei ihren Kindern, um überleben zu können. Hier kostet eine Einzimmerwohnung 8000 Dollar, dort gar 10000, und in der Innenstadt kann’s noch teurer sein. Sergei und Aschot haben Wohnungen ausgesucht, aus denen die Schaffhauser Stiftung eine auswählen kann, um sie Bedürftigen zur Verfügung zu stellen. Doch noch ist nichts Passendes gefunden.

Besuch bei Kollegen auf der Nachrichtenagentur «Noyan Tapan», die gerade die Internet-Ausgabe ihrer Wochenzeitung redigieren.

Ob es den Armeniern besser gehe als vor einem Jahr? David sagt nein. Haroutiun meint, eher ja, beide aber haben Angst vor einem Sieg der Kommunisten in Russland, was ihrer Meinung nach verheerende Folgen für Armenien hätte. Also auch diesmal keine klare Antwort, und man erinnert sich an die unzähligen «Radio-Eriwan-Witze» nach dem Schema: «Frage an Radio Eriwan: Stimmt es, dass die USA mehr Autos haben als die UdSSR? Antwort an kleines Brüderchen: Im Prinzip ja, doch wir haben mehr Parkplätze.» Und so sind David, Haroutiun und andere sich einig, dass eine autoritäre Regierung, galoppierende Inflation und Scharmützel in Karabach nur bedeuten können, dass Armenien wenigstens im Prinzip auf dem Weg zu Frieden, Freiheit und Wohlstand sei.

Zwischen Krieg und Frieden

Es herrscht kein Krieg mehr in Armenien, aber auch noch kein Frieden. Das türkisch-aserbeidschanische Embargo, verhängt nach dem Ausbruch des Krieges um Berg-Karabach, verhindert einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Schweizer Bundesrat Flavio Cotti bemüht sich als Vorsitzender der OSZE um eine Einigung zwischen den verfeindeten Nachbarn. Norbert Neininger hat Armenien seit 1988 mehrfach besucht und schildert in zwei Artikeln seine Eindrücke.

Ein Staat mit leidvoller Vergangenheit

Armenien, das früher zur Sowjetunion gehörte, ist heute eine unabhängige Republik. Seit dem 16. Oktober 1991 steht der Nicht-Kommunist Lewon Ter-Petrosjan an der Spitze des Staates. Am 5. Juli 1995 wurden erstmals freie Parlamentswahlen durchgeführt. Der Regierungsblock stellt die überwiegende Mehrheit der Parlamentssitze.

Das Erdbeben

Über sieben Jahre nach dem heftigsten Erdbeben der Neuzeit hat sich das Land noch nicht erholt. Das Erdbeben vom 7. Dezember 1988 verwüstete dicht besiedelte Gebiete. Dabei wurde die zweitgrösste Stadt, Leninakan, mit rund 200 000 Einwohnern zu 80 Prozent zerstört. Völlig zerstört wurde die Kleinstadt Spitak (20 000 Einwohner), die nahe dem Epizentrum des Bebens lag. Schätzungen gehen von 50 000 bis 80 000 Todesopfern aus. Weit über 500 000 Menschen wurden durch das Erdbeben obdachlos.

Der Krieg

Berg-Karabach ist zehnmal kleiner als die Schweiz, wird von 120 000 Armeniern bewohnt, ist von Aserbeidschan umgeben – und Anlass für einen lange dauernden und unerbittlichen Konflikt.

Februar/März 1988: Regierung und Partei von Berg-Karabach beschliessen die Trennung von Aserbeidschan und den Anschluss an Sowjetarmenien.

27. bis 29. Februar 1988: In der aserbeidschanischen Industriestadt Sumgait werden Armenier als Vergeltung für den Aufstand in Karabach ermordet. 350000 Armenier fliehen darauf aus Aserbeidschan nach Armenien. Es folgen weitere antiarmenische Ausschreitungen in Aserbeidschan, und es kommt zum Massenexodus von Armeniern.

September 1989: Aserbeidschanische Boykottmassnahmen gegen Armenien; Armeniens Wirtschaft bricht zusammen.

April bis Juni 1991: 5000 Armenier werden aus 25 Dörfern in Berg-Kara-bach vertrieben, es kommt zu Folterungen und Tötungen. Aserbeidschaner werden angesiedelt.

2. September: Die in Berg-Karabach und im nördlich angrenzenden Gebiet lebenden Armenier erklären diese Regionen zur unabhängigen Republik Berg-Karabach innerhalb der Sowjetunion.

Nach der Auflösung der Sowjetunion beginnen aserbeidschanische Militärangriffe zur Eroberung Berg-Karabachs.

Mai 1992 bis April 1992: In einem zweijährigen Krieg fallen mehr als 25 000 Menschen. Den Aserbeidschanern gelingt es nicht, Berg-Karabach zu erobern. Die Armenier bilden zwei Korridore zwischen Armenien und der Enklave. Im Krieg werden von Aserbeidschan Luftangriffe auf Armenien geflogen. Aserbeidschan setzt geächtete Splitterbomben ein.

Seit Mai 1994: Waffenstillstand, der immer wieder von Scharmützeln unterbrochen wird.

Sonntagskiosk: Themen (unter anderem): Rassismus/Locarno mit Blocher und Feuchtgebieten/Saläre bei den Hilfswerken.

Sonntagskiosk, vier Schweizer Sonntagszeitungen: Zweimal die SBB, ein Seilbahnunfall, Flughafengebühren.

Eis am See…