Sonntagskiosk: NZZ mit neuem Layout und ihr Chefredaktor meint, die Zukunft der Zeitung habe grad begonnen; Blick warnt vor Radarfallen, Sonntagszeitung sagt 1 : 12 – Niederlage voraus und Schweiz am Sonntag meldet, dass ein Schweizer Labor «mutmassliche» syrische Giftgasproben untersucht

Die NZZ am Sonntag erscheint heute mit neuem Layout und Chefredaktor Felix E. Müller verkündet gleichzeitig, dass die Zukunft der Zeitung grad begonnen habe. Das Layout ist auf den ersten Eindruck klassischer, zurückhaltenden und  mit vielen Magazinelementen versehen. Kleinere Titel und Bilder räumen dem Text mehr Platz ein; die NZZ am Sonntag wird, wie ihr Chefredaktor ja auch im «Persönlich-Interview» angekündigt hat, noch hintergründiger.

Einen Scoop landet die Schweiz am Sonntag mit ihrem Bericht, dass «mutmassliche» syrische Giftgasproben im ABC-Labor in Spiez untersucht würden. Der Bericht gründe auf «zuverlässigen Informationen».

Und dann haben wir noch im «Magazin» folgenden Satz gelesen: «Manchmal sind Zahlen, die in der rechten Spalte der Speisekarte stehen, selbst für Menschen ein Schock, die geübt sind, hohe Rechnungen zu bezahlen.»  Das übersetzen wir für den geneigten Leser wie folgt: «Es gibt teure Restaurants».

Gedenkfeier auf dem Friedhof von Proshian: Verwandte und Freunde versammeln sich am Grab von Hratsch Muradian, der 50. geworden wäre…

Armenische Familien und Freunde versammeln sich jeweils am Todes- und am Geburtstag am Grab der Verstorbenen. Vergangene Woche fanden sich rund 200 Personen am Grab von Hratsch Muradian ein, der am 2. April ermordet wurde. Er wäre 50 geworden.

Muradian war Bürgermeister in Proshian – noch sind die Hintergründe des Attentates nicht aufgeklärt. Eine Reportage wird folgen.

Aus meinem Archiv: Dreharbeiten in der Mongolei (1986) für einen 45minütigen Dokumentarfilm

Mit dem Schaffhauser Fotografen Max Baumann, der Kamerafrau Charlotte Eichhorn (Schweizer Fernsehen) und rechts neben mir Levante Paal (Technik und alles andere). Aufnahme: Marie-Christine Neininger.

Der Film war eine Koproduktion mit dem Mongolischen Fernsehen in Ulan Bator – aber das ist eine andere Geschichte. Und so ganz nebenbei entstand noch ein Buch über die Mongolei, das längst vergriffen ist.

Stationen einer Reise durch Armenien: ein Tagebuch (Teil I/1996)

Armenische Notizen, erste von zwei Folgen

Von Norbert Neininger, Eriwan

Mit 600 000 Armeniern ist sie vor brandschatzenden aserbaidschanischen Horden geflohen und lebt nun in einem Heim in Armenien.

Donnerstag – Als die Iljuschin II86 der Armenian Airlines in Paris abhebt, ist sie übervoll, obwohl nur die Hälfte der Sitze von Pasagieren belegt ist. Auf und unter den restlichen Plätzen und in den Gängen stauen sich die Kisten, Koffer, Säcke und Kartonschachteln: Jeder Hohlraum, jede Ecke ist vollgestopft mit Plastik- oder Stofftaschen. Der Frachtraum allein hätte längst nicht ausgereicht, um das Gepäck der 100 Reisenden aufzunehmen. Jeder hat auf jedem Flug nach Armenien Medikamente, Kleider, Lebensmittel, Milchpulver für Säuglinge, Seifen oder Waschmittel dabei, pro Fluggast ein paar Dutzend Kilogramm, und so kommen jährlich 400 000 Hilfsgüter zusammen. Manche Menschen schleppen Computer mit sich, und wieder andere wenigstens Bücher. Beim Einchecken im abgelegensten Terminal des Flughafenlabyrinths von «Charles de Gaulle» waren die Schalter fast hinter den Gepäckbergen verschwunden. «Für die Geburtsklinik von Gumri» stand auf Frachtkisten geschrieben, «Spital Nummer 4 in Erewan» auf andern, und Dutzende von Schachteln trugen einen Kleber mit dem Absender: «Armenische Patrioten» und dem Adressaten «Verteidigungsministerium». Auf dem wöchentlichen Kurs R3 101 mit der ehemaligen Aeroflotmaschine mischen sich farbenfroh gekleidete Auslandarmenier mitarmenischen Staatsbürgern, die Schwarz bevorzugen. Die Nichtarmenier sind meist in humanitärer Mission unterwegs, wie beispielsweise der Schweizer Leonardo Gmuer. Für das kirchliche Hilfswerk Diakonie baut er seit fast acht Jahren Kinderheime und Schulen. Viel später wird er in Eriwan von seiner armenischen Frau begrüsst werden, die er als Dolmetscherin kennengelernt hatte und die ihn in seine neue Heimat Gumri holt, wie das ehemalige Leninakan heute wieder heisst.

Und jener Amerikaner dort im Anzug der Wall-Street-Broker? Was wird er, der unablässig in Akten blättert, wohl in Armenien machen? Tage später wird man ihn wiedersehen und dabei mehr über ihn erfahren.

Doch noch sind wir längst nicht soweit, noch ist der ehemalige Aeroflotjet am Boden, wo die drei Triebwerke warmlaufen. Schön neu sieht die Iljuschin aus; die Armenier haben die betagte Maschine in den Nationalfarben Weiss und Blau gestrichen, aber unter dem frischen Verputz versteckt sich die alte Technik. Kurz nach dem Abheben beginnt wie immer ein Zittern und Beben, das Gepäckstücke purzeln und zartbesaitete Passagiere erbleichen lässt. Doch schon zieht die Maschine einigermassen ruhig ihre Bahn nach Südosten, wo sie nach viereinhalb Stunden Flugzeit gegen zwei Uhr morgens neben dem Ararat auf dem Flughafen der armenischen Hauptstadt Eriwan landen soll.

Dass es diesmal erheblich länger dauert, ist einem Nebelfeld über Eriwan zuzuschreiben. Noch ist der Kontrollturm nicht in der Lage, die Maschinen durch den Nebel zu lotsen. Das soll sich bald ändern, wird doch Frankreich – als Gegenleistung dafür, dass Armenian Airlines Paris anfliegt- den Tower in Eriwan für eineinhalb Millionen Franken ausbauen. Ausweichflughafen ist aber jetzt Sotschi an der russischen Schwarzmeerküste, und dort warten Besatzung und Passagiere in der Maschine meist schlafend sechs Stunden lang aufbessere Wetterverhältnisse. Weit weniger bequem verbringen jene Menschen die Nacht, die vor dem Flughafen in der Kälte voller Besorgnis ausharren, um ihre Verwandten oder Gäste zu begrüssen.

Freitag – Nach einem langen Flug dauern die Gepäckausgabe zwei und die Zollformalitäten weitere vier Stunden. Und dann – es ist jetzt Freitag 16 Uhr in Eriwan und damit 24 Stunden nach dem Start in Zürich – schliessen einen die armenischen Freunde erleichtert in ihre Arme, jetzt werden Pläne für das Begrüssungsessen geschmiedet.

Doch Mike Baronian, der in Schaffhausen lebende Armenier mit kanadischem Pass, bleibt am Flughafen zurück. Der Zoll will gespendete Medikamente zurückbehalten, die das Arabki-Spital dringend braucht, um das Leben nierenkranker Kinder zu retten. Erst als der Gesundheitsminister Ara Babloyan persönlich am Flughafen auftaucht, können die Hilfslieferungen ins Spital gebracht werden.

Wer zum ersten Mal hier ist, dem mag das Strassenbild trist erscheinen, er sieht die vielen baufälligen Häuser und Bretterbuden, vermisst das bunte Treiben und den Glanz europäischer Grossstädte. Doch welch ein Unterschied zu den Jahren zuvor! Im Januar 1989, eine Woche nach dem Erdbeben, lag das Land in Trümmern, waren Schock und Trauer geradezu spürbar, war kein Lachen zu hören und kein Lächeln zu sehen. Verschwunden die «Lebensfülle der Armenier und ihre rauhe Zärtlichkeit», wie sie der Dichter Ossip Mandelstam erlebte. Auf das Erdbeben folgten eine beispiellose Hilfswelle und dann ein Krieg, der noch nicht ganz beendet ist.

Dieser hatte im Hochland Berg-Karabach begonnen, in jenem von Armeniern bewohnten kargen Gebiet innerhalb Aserbeidschans, dem mehrheitlich muslimischen Staat, den einst Stalin aus unterschiedlichsten Volksgruppen zusammengefügt hatte. Der Funke fiel auf Armenien und liess das Nationalbewusstsein auflodern. Hunderttausende forderten im Sommer auf dem Theaterplatz in Eriwan die Unabhängigkeit und den Anschluss Berg-Karabachs an Armenien. Aserbeidschan reagierte mit Pogromen in der Hauptstadt Baku und in den von

Armeniern bewohnten Gebieten von Sumgait. 73 Jahre nach dem Völkermord der Türken an den Armeniern, bei dem ab 1915 eine Million Angehörige des ältesten Christenvolkes der Welt massakriert wurden, brachen die verdrängten Ängste wieder auf. Rund 600 000 Armenier flohen im Sommer 1988 aus Aserbeidschan und überfluteten die Städte Leninakan und Kirowakan, die wenig später vom Erdbeben zerstört wurden. Die aserbeidschanische Minderheiten verliessen Berg-Karabach und zogen aus Armenien weg.

Der Konflikt eskalierte. Aserbeidschan sandte Truppen nach Berg-Karabach, von Armenien unterstützte Freischärler eroberten das Gebiet zurück. Bomben fielen auf die armenische Zivilbevölkerung, und das türkisch-aserbeidschanische Embargo schnitt Ar-menien von der Aussenwelt ab. Erdöl und Erdgas konnten nicht mehr importiert werden.

Die Energiekrise verunmöglichte den Wiederaufbau des Landes. Es gab weder Strom noch Wasser in den Wohnungen, und nachts wurde Eriwan zur Gespensterstadt. Wenige Fenster nur waren durch Kerzenlicht erleuchtet, und die Spitäler mussten mit Generatoren arbeiten.

Sergei und Aschot, die beiden Fahrer und Dolmetscher, haben uns bei vielen Besuchen, auch in jenen Tagen der Angst und Trauer, begleitet. Auf der halbstündigen Fahrt in die Innenstadt erkundigen wir uns nach unseren Bekannten und erfahren, dass der fast 70jährige Hadschigt Stambultsian, einer der Oppositionsführer, nach einem Fenstersturz in einem Spital liegt. Ein Unfall? Im Prinzip ja, sagen uns später Bekannte, aber man kann nie wissen. Wr nehmen uns vor, den alten Freund im Verlauf der Woche aufzuspüren.

Es muss ein milder Winter gewesen sein in Eriwan, tragen doch viele Bäume wieder Aste. Das Kernkraftwerk Medsamor, das nach dem Erdbeben abgeschaltet wurde, ist seit Juni vergangenen Jahres trotz aller Risiken wieder in Betrieb und ergänzt die kleinen Wasserkraftwerke. Aschot, der blitzgescheite studierte Mathematiker, hat nach jahrelanger Arbeitslosigkeit endlich eine Beschäftigung gefunden. Er arbeitet als Elektriker und installiert im Auftrag der Regierung Stromzähler in Privathaushalten. Ist die Energiekrise vorbei? Im Prinzip ja, sagt Aschot, jedermann darf jetzt Strom beziehen, vorausgesetzt, er kann 20 Dollar pro Monant bezahlen. Das ist bei einem monatlichen Durchschnittslohn von 10 Dollar aber nur wenigen möglich, und so bleibt es für die meisten bei einer Stunde Elektrizität täglich.

Die Strasse säumen jetzt weit mehr der aus Brettern gebauten Kioske mit ihrem Angebot von Wodka, Tomaten, Äpfeln, Orangen, Zigaretten, Fischen, Fleisch und Brot. Dort an der Ecke wartet Haradsch mit seinem Grill auf Kunden, die ihm Schweinefleischspiesse abkaufen. Und auch ihm geht es besser als in der Vergangenheit, hat er doch hinter seinem Stand eine kleine Hütte gebaut, die nun Gästen Schutz vor der Kälte bietet.

Samstag – Es sind diese dunklen, grossen Augen, die einen überall begleiten. Bei Anni, die wir im Flughafen kennenlernten, funkeln sie, wenn sie erzählt, wie sie ihr Leben in Los Angeles aufgegeben hatte, um mit anderen Freischärlern an der Grenze Berg-Karabachs Dörfer zurückzuerobern und die von türkischen Offizieren geschulten aserbeidschanischen Soldaten zu schlagen. Die Augen des siebenjährigen Georg strahlen, wenn er die kleinen Geschenke aus der Schweiz entgegennimmt. Sie sollen ihn über seine schwere Herzkrankheit hinwegtrösten. Noch hält ihn sein russischer Herzschrittmacher am Leben, doch die Batterie hätte schon längst ausgewechselt werden müssen, wofür den Eltern das Geld fehlt.

Die Polizist war einer jener Armenier, die von der Schaffhauser Stiftung «Hilfe für Armenien» von Bekannten gehört hatten. Er fand sich – zusammen mit weiteren Hilfsbedürftigen – bei den Besuchern ein, um sein Problem vorzutragen. Die Stiftung wird sich der Sache annehmen und einmal mehr Geld sammeln, um die Operation des kleinen Jungen zu ermöglichen.

Und dann sind da die Augen des kleinen Mädchens im Arabkir-Spital. Sie sind ganz gross und traurig und blicken müde aus einem bleichen Gesicht. Die Achtjährige liegt auf einem Bett, neben ihr surrt der Elektromotor der künstlichen Niere. Vier Stunden dauert die Blutwäsche jeweils, die Kleine ist eine von vier Patienten, die an diesem Morgen behandelt werden. Die einzige Dialysestation für Kinder in Armenien wurde von einem Schweizer Arzt, Dr. Jean-Pierre Bernhard, mit grossem Engagement aufgebaut und wird von seiner Stiftung getragen. 80 000 Dollar wurden investiert, doch die Zukunft ist auch hier ungewiss, man kann den Betrieb aufrechterhalten, solange Spendengelder aus der Schweiz fliessen und die Cilag AG Schaffhausen die benötigten Medikamente schenkt.

Mit 21 Prozent Inflation steigen auch die Wohnungspreise in Eriwan rasant. Grossfamilien leben in Zweizimmerwohnungen. Eltern und Grosseltern sind bei ihren Kindern, um überleben zu können. Hier kostet eine Einzimmerwohnung 8000 Dollar, dort gar 10000, und in der Innenstadt kann’s noch teurer sein. Sergei und Aschot haben Wohnungen ausgesucht, aus denen die Schaffhauser Stiftung eine auswählen kann, um sie Bedürftigen zur Verfügung zu stellen. Doch noch ist nichts Passendes gefunden.

Besuch bei Kollegen auf der Nachrichtenagentur «Noyan Tapan», die gerade die Internet-Ausgabe ihrer Wochenzeitung redigieren.

Ob es den Armeniern besser gehe als vor einem Jahr? David sagt nein. Haroutiun meint, eher ja, beide aber haben Angst vor einem Sieg der Kommunisten in Russland, was ihrer Meinung nach verheerende Folgen für Armenien hätte. Also auch diesmal keine klare Antwort, und man erinnert sich an die unzähligen «Radio-Eriwan-Witze» nach dem Schema: «Frage an Radio Eriwan: Stimmt es, dass die USA mehr Autos haben als die UdSSR? Antwort an kleines Brüderchen: Im Prinzip ja, doch wir haben mehr Parkplätze.» Und so sind David, Haroutiun und andere sich einig, dass eine autoritäre Regierung, galoppierende Inflation und Scharmützel in Karabach nur bedeuten können, dass Armenien wenigstens im Prinzip auf dem Weg zu Frieden, Freiheit und Wohlstand sei.

Zwischen Krieg und Frieden

Es herrscht kein Krieg mehr in Armenien, aber auch noch kein Frieden. Das türkisch-aserbeidschanische Embargo, verhängt nach dem Ausbruch des Krieges um Berg-Karabach, verhindert einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Schweizer Bundesrat Flavio Cotti bemüht sich als Vorsitzender der OSZE um eine Einigung zwischen den verfeindeten Nachbarn. Norbert Neininger hat Armenien seit 1988 mehrfach besucht und schildert in zwei Artikeln seine Eindrücke.

Ein Staat mit leidvoller Vergangenheit

Armenien, das früher zur Sowjetunion gehörte, ist heute eine unabhängige Republik. Seit dem 16. Oktober 1991 steht der Nicht-Kommunist Lewon Ter-Petrosjan an der Spitze des Staates. Am 5. Juli 1995 wurden erstmals freie Parlamentswahlen durchgeführt. Der Regierungsblock stellt die überwiegende Mehrheit der Parlamentssitze.

Das Erdbeben

Über sieben Jahre nach dem heftigsten Erdbeben der Neuzeit hat sich das Land noch nicht erholt. Das Erdbeben vom 7. Dezember 1988 verwüstete dicht besiedelte Gebiete. Dabei wurde die zweitgrösste Stadt, Leninakan, mit rund 200 000 Einwohnern zu 80 Prozent zerstört. Völlig zerstört wurde die Kleinstadt Spitak (20 000 Einwohner), die nahe dem Epizentrum des Bebens lag. Schätzungen gehen von 50 000 bis 80 000 Todesopfern aus. Weit über 500 000 Menschen wurden durch das Erdbeben obdachlos.

Der Krieg

Berg-Karabach ist zehnmal kleiner als die Schweiz, wird von 120 000 Armeniern bewohnt, ist von Aserbeidschan umgeben – und Anlass für einen lange dauernden und unerbittlichen Konflikt.

Februar/März 1988: Regierung und Partei von Berg-Karabach beschliessen die Trennung von Aserbeidschan und den Anschluss an Sowjetarmenien.

27. bis 29. Februar 1988: In der aserbeidschanischen Industriestadt Sumgait werden Armenier als Vergeltung für den Aufstand in Karabach ermordet. 350000 Armenier fliehen darauf aus Aserbeidschan nach Armenien. Es folgen weitere antiarmenische Ausschreitungen in Aserbeidschan, und es kommt zum Massenexodus von Armeniern.

September 1989: Aserbeidschanische Boykottmassnahmen gegen Armenien; Armeniens Wirtschaft bricht zusammen.

April bis Juni 1991: 5000 Armenier werden aus 25 Dörfern in Berg-Kara-bach vertrieben, es kommt zu Folterungen und Tötungen. Aserbeidschaner werden angesiedelt.

2. September: Die in Berg-Karabach und im nördlich angrenzenden Gebiet lebenden Armenier erklären diese Regionen zur unabhängigen Republik Berg-Karabach innerhalb der Sowjetunion.

Nach der Auflösung der Sowjetunion beginnen aserbeidschanische Militärangriffe zur Eroberung Berg-Karabachs.

Mai 1992 bis April 1992: In einem zweijährigen Krieg fallen mehr als 25 000 Menschen. Den Aserbeidschanern gelingt es nicht, Berg-Karabach zu erobern. Die Armenier bilden zwei Korridore zwischen Armenien und der Enklave. Im Krieg werden von Aserbeidschan Luftangriffe auf Armenien geflogen. Aserbeidschan setzt geächtete Splitterbomben ein.

Seit Mai 1994: Waffenstillstand, der immer wieder von Scharmützeln unterbrochen wird.

Als schämte sich der Ararat, in der Türkei zu stehen (Reportage von 1996)

Armenische Notizen, letzte von zwei Folgen (1996)

Von Norbert Neininger, Eriwan

Aserbeidschanische Granaten zerstörten die Kirche von Suschi, der alten Hauptstadt von Berg-Karabach. Nach der Wiedereroberung des Gebirgsdorfes durch die Armenier werden sich hier zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder Christen zum Gottesdienst treffen.

Sonntag.

Über mindestens drei Dinge weiss jeder Armenier immer etwas zu erzählen: den Genozid an seinem Volk durch die Türken, den Krieg um Berg-Karabach und das Essen. Wer als Fremder nach Armenien kommt, wird ganz selbstverständlich dazu eingeladen, wer als Freund kommt, ohnehin. Das war in den finsteren Zeiten nach dem grossen Erdbeben so, das ist heute noch so, und das wird wohl solange bleiben, wie der Berg Ararat Eriwan überragt. Auch wenn Elektrizität, Wasser und Gas fehlen, zaubern die Hausfrauen Gurken, Tomaten, etwas Fleisch und Kartoffeln her, richten sie den Tisch sorgfältig an und kredenzte der Hausherr, wenn auch nur sparsam, Cognac, Wodka und Fruchtsäfte. Unser Freund Libo Libaridian, Bruder des Präsidentenberaters und ein Beschaffungskünstler mit amerikanischem Pass, hat immer etwas Gemüse und ein paar Fleischstücke in Reserve, die in einem dunklen Sud auf dem Spirituskocher brodelten. Ob im Flüchtlingsheim von Gumri oder im kriegversehrten Stepanakert, der Hauptstadt von Berg-Karabach, überall wurde man mit mehrgängigen Mahlzeiten empfangen. Natürlich stammte dabei manche Zutat aus Büchsenlieferungen von Hilfsorganisationen, und oft bestand der Hauptgang aus fader deutscher Wurstkonserve, unfreiwillig gespendet von irgendeinem kirchlichen Hilfswerk.

Nun sind die kargen Zeiten fast vorbei, jetzt werden die Gäste bewirtet, wie es die armenische Sitten gebieten. Tagelang haben die Frauen im Haushalt die traditionellen Gerichte vorbereitet: Das rohe Gemüse ist geputzt; Wurstscheiben und Basturma, das mit Pfeffer umhüllte Trockenfleisch, und Russische Salate in verschiedensten Varianten sind angerichtet. Nun bringt die Hausfrau Lawasch, das runde und papierdünne armenische Brot. Jeder greift sich einen der Fladen, belegt ihn mit den Zutaten seiner Wahl, fügt Petersilie, Koriander, Kerbel, Estragon oder Basilikum und Chorowatz – das marinierte und grillierte Rinds-, Schweine- und Schaffleisch – bei. Man hat bereits auf eines jeden Gesundheit und Erfolg getrunken, nun folgen Reden über Freundschaft und Treue und die Heimatländer der Gäste und Gastgeber. Nie spürt der Gast, wieviel Mühe es kostete, die Zutaten aufzutreiben, oft haben Nachbarn geholfen, Freunde Geld gegeben, damit Strom wenigstens für einen Abend bezahlt werden kann.

Solche Sorgen plagen unsere heutigen Gastgeber nicht. Gesundheitsminister Ara Babloian hat in sein Haus inmitten der vielstöckigen Wohnblocks geladen. Der populäre Politiker arbeitet noch in seinem angestammten Beruf als Chirurg und betrachtet sein Ministeramt als Nebenbeschäftigung. Aber sogar dies ist seinem 90jährigen Vater, er war ebenfalls Arzt, zuviel der Politik. Ein Mediziner, so sagt er uns auf deutsch, gehöre zu seinen Patienten und nicht aufs politische Parkett. Babloian wurde in Ter-Petrosjans Kabinett berufen, nachdem er sich durch blendende Organisation der Erdbebenhilfe einen Namen geschaffen hatte. Aus dieser Zeit stammen seine Beziehungen mit der Schweiz, einem von 29 Ländern, die im vergangenen Jahr Hilfslieferungen nach Armenien sandten. Es sind aber die westlichen Nationen mit der grössten armenischen Diaspora, die am meisten spenden: Die USA, wo 750000 Armenier vor allem an der Westküsta leben, und Frankreich mit seinen 300000 Armeniern. Verwandte im Ausland sind für die Bewohner des kargen Berglandes überlebenswichtig; sie helfen zum einen direkt, sorgen zum anderen aber vor allem dafür, dass die Stimme Armeniens in der Welt gehört wird.

Angst vor neuem Krieg und Kommunismus

Babloian ist soeben von einem Ministertreffen ehemaliger Sowjetrepubliken aus Moskau zurückgekehrt, und er ist danach davon überzeugt, dass es den Armeniern unter den Staaten im Transkaukasus bald am besten gehen wird. Der 52jährige fürchtet nur zwei Dinge: Die Rückkehr der Kommunisten und einen Krieg. Beides, so meint er, sei möglich. Mit kommunistischen Regimes in Georgien Aserbeidschan sei die Lage bedrohlich genug, eine Niederlage von Boris Jelzin bei der russischen Präsidentschaftwahl hätte schlimme Folgen für Armenien. Gefährlich bleibe auch die Situation in Berg-Karabach, und es sei schwierig, einen offenen Konflikt mit den feindlichen Nachbarn Türkei und Aserbeidschan zu vermeiden.

Dafür setzt sich der Schweizer Bundesrat Flavio Cotti als Vorsitzender der OSZE ein. Er hatte Anfang März versucht, zwischen Aserbeidschan und Armenien zu vermitteln. Als vollkommen unrealistisch weist Ara Babloian Cottis Aussage zurück, bei der Konfliktregelung müsse Aserbeidschans «territoriale Integrität unversehrt» bleiben. Dies könne ja nur bedeuten, dass Berg-Karabach mit seinen Armeniern weiterhin ein Teil des islamischen Staates bleiben müsse. Wer darauf beharre, riskiere Krieg.

Es wird viel und teilweise heftig debattiert an diesem langen Abend, aber auch viel gelacht. Noch nie haben wir einen armenischen Hausherrn gesehen, der Teller aufträgt, Speisen in der Küche holt und beim Abräumen hilft. Für seine Gattin, sie ist ebenfalls Arztin, ist dies eine Selbstverständlichkeit, für andere Armenier höchst ungewöhnlich. Ja, wenn er einmal Minister sei, dann helfe er auch im Haushalt, hatte einmal ein Besucher spöttisch bemerkt, worauf Babloian antwortete, er helfe seiner Frau nicht, weil er Minister sei, sondern er sei Minister geworden, weil er seiner Frau helfe.

Montag.

Seit einem Jahr ist Rita nun Wtwe, ihr Mann starb auf eine Patrouille in Berg-Karabach. Sieben lange Jahre hatte er zuvor – zuerst als Freischärler und dann als Angehöriger einer regulären Truppe – gekämpft. Er, der Musiker, folgte von einem Drang getrieben, jeweils den Rufen seiner Freunde in den Krieg um die Enklave. Die paramilitärischen Verbände sind nach offizieller Lesart ohne Unterstützung der armenischen Armee unterwegs, ja, sie sind jetzt sogar verboten. Mit einer Konsequenz, die er von seinem Vater geerbt hatte, focht er für die armenische Sache. Dass eine Mine sein Leben beendete, ist für Rita schrecklich, doch verteidigt sie ohne Rückhalt seine Überzeugungen. Wie er haben Hunderte ihr Leben verloren, im Kampf für Gerechtigkeit, wie Rita meint. Von der Wtwenrente kann sie nicht leben, sie würde nicht einmal für zwei Kilogramm Brot reichen, und so hat sie sich den Bürokraten gar nicht erst ausgeliefert und hält sich und ihre vierjährige Tochter als Dolmetscherin knapp über Wasser.

Im Flugzeug war uns der Amerikaner, eifrig seine Unterlagen studierend, aufgefallen, – nun treffen wir ihn wieder. Er verfolgt die zweistündige Eröffnungsrede des Präsidenten zum ersten Kongress der armenischen Wirtschaftsführer. Ter-Petrosjan verspricht Deregulierung und bessere Rahmenbedinungen vor allem für Investoren. Jetzt hält es den Amerikaner nicht mehr, er protestiert lauthals: Die Regierung mir ihrer Bürokratie verunmögliche Geldanlagen, er hätte eigentlich Millionen hierher bringen wollen, ziehe aber nun fru- striert von dannen. 70 Prozent Steuern seien zuviel.

Wir hätten ihm gerne einen Anlagetip gegeben, doch Mr. Johnson war nicht mehr geneigt, über Wirtschaftsfragen zu diskutieren, er wurde spät abends noch an der Bar in feuchtfröhlicher internationaler Runde gesichtet. Und so hat er ein sicheres Geschäft mit Renditen bis zu 400 Prozent jährlich verpasst – so schnell wachsen nämlich derzeit die Häuser- und Wohnungspreise. Davon können Mike Baronian und Pino Ciaccio ein Klagelied singen, die für die Schaffhauser Stiftung «Hilfe für Armenien» eine Wohnung kaufen wollen, die Bedürftigen zur Verfügung stehen wird. Seit der Staat die Wohnungen den vormaligen Mietern kostenlos überschrieb, hat ein reger Handel eingesetzt. Wir steigen viele vor Schmutz starrende Treppenhäuser hoch, weichen dabei sorgfältig den bröckelnden Stufen aus und lassen uns die dunklen, feuchten und engen Wohnungen zeigen, deren Preise von Stunde zu Stunde steigen. Meist fehlt der Stromanschluss, oft haben die Fenster kein Glas, und die Leitungen in den Toiletten sind leck.

Eine armenisch-schweizerische Poliklinik in Eriwan

Eine Mutter mit ihrer schwerhörigen Tochter hat uns gesucht und gefunden, sie erhofft sich Hilfe. Das geht so alle Tage: Armenier und Armenierinnen kommen ins Hotel und tragen ihr Anliegen vor, sie haben alle von einem Bekannten oder Verwandten gehört, dass jene wieder im Land sind, die unter anderem Gassenküche, Kinderheim oder Invalidenwerkstätte finanziert haben. Viele Menschen sind krank und haben kein Geld, um Medikamente zu kaufen und einen Arzt aufzusuchen. Es sind Fälle für Dr. Levon Movsessian, der uns zur Verfügung steht und dafür keinen Lohn will.

Dienstag.

Zweiter Besuch im Arabkir-Spital, wo wir Bettina Leumann treffen. Für ein paar Monate nur wollte sie nach Armenien kommen, um die Administration des Arabkir-Spitals aufzubauen, nun ist sie schon drei Jahre in Eriwan und arbeitet noch immer in der Klinik. Die 28jährige koordiniert inzwischen von ihrem winzigen Büro im fünften Stock des Spitalkomplexes aus die Verwendung der Gelder, die aus einer Schweizer Stiftung – in der ihr Vater, Professor Dr. E. Leumann, eine wesentliche Rolle spielt – in das Projekt fliessen. Wenige Tage nach dem Erdbeben hat die Behandlung von nierenkranken Kindern begonnen, inzwischen breitet sich die schweizerisch-armenische Poliklinik über zwei Etagen mit 80 Betten und acht Dialysestationen aus. Bettina und die diensthabende Arztin Irina führen durch die Klinik, wo Müt- ter bei ihren kranken Kindern wohnen, um sie zu betreuen. Denn das Spital stellt – wie in der ganzen ehemaligen Sowjetunion üblich – nur die Betten zur Verfügung. Für Verpflegung, Decken und Bettbezüge oder Handtücher müssen die Angehörigen der kleinen Patienten selber sorgen. An den Dilayseapparaten wird das Blut von Kindern gereinigt, die auf eine Nierentransplantation warten. Nur zwei Spendernieren erhielt das Spital im vergangenen Jahr, beide stammten aus Russland, 19 Nieren wurden seit 1991 hier verpflanzt, und elf Empfanger leben noch. Armenier weigern sich, die Organe verstorbener Angehöriger freizugeben.

Der Armenier Arthur arbeitet in der Public Relations-Abteilung der amerikanischen Botschaft in Eriwan und dürfte der Hauptgrund für Bettinas Umzug nach Armenien sein, haben sich die beiden doch schon wenige Tage nach Bettinas Ankunft ineinander verliebt und leben nun zusammen. Das ist aussergewöhnlich in einem Land, wo oft vier Generationen in derselben Wohnung hausen, sich in der Regel acht, neun oder gar zehn Leute kleine Zweizimmerappartements teilen; eine Lebensnotwendigkeit, kann doch nur so die Miete nicht bezahlt werden. Es entspricht aber auch armenischer Tradition, dass erwachsene Kinder für Eltern und Grossekern sorgen. Wer beispielsweise Hasmig, die schöne kaufmännische Angestellte, heiratet, der heiratet zugleich ihre Eltern, ist die 30jährige doch einziges Kind und wird Vater und Mutter bis an deren Lebensende bei sich haben. Altersheime gibt es keine in Armenien, wer keine Angehörigen hat, findet irgendwo einen Unterschlupf oder landet auf der Strasse.

Mit sanfter Hartnäckigkeit hat uns Bettina Leumann in eines der Waisenhäuser geführt. Es liegt hoch über der Stadt, auf einem der sieben Hügel Eriwans, und 120Mädchen und Buben zwischen zwei und 16 Jahren leben hier auf sechs Säle verteilt. Keiner kann sich diesen Kindern entziehen, die offen auf die Besucher zugehen und für jede Zuneigung dankbar sind. Dort, im Duschraum, sind die Fenster zerbrochen, da fehlen noch solide Betten, und dort hat es kein Spielzeug. Und dennoch ist dieses Waisenhaus, dank vieler Spenden, in einem ordentlichen Zustand. Vor sechs Jahren waren wir zum ersten Mal hier und hatten dort an kotüberschmierte Betten gefesselte Kinder gesehen, nicht weniger als zwei starben allein an unserem Besuchtstag.

Wo ist Hadschigt Stambultsian? Wir bekommen einen Hinweis auf den Aufenthaltsort des Regimegegners. Morgen wisse man mehr…

Mittwoch.

Die Wohnung ist endlich gefunden, Frau Sirvart wird die erste Bewohnerin sein. Sie hat beim Erdbe- ben Mann und Tochter verloren und lebt seither in Spitak in einem unbeheizbaren Blechcontainer. Nun kann sie nach Eriwan ziehen und in menschenwürdiger Umgebung leben. Mike Baronian konferiert mit dem Notar und weiteren Behördenmitgliedern, dann besitzt die Schaffhauser Stiftung «Hilfe für Armenien» ein Zweizimmerappartment in einem der Plattenbauten aus Tuffstein am Rande der Innenstadt.

Und jetzt kennen wir auch Hadschigts Aufenthaltsort, unser Chauffeur Aschot steuert seinen 25jährigen Lada durch den wilden und regellosen Verkehr – Schlaglöchern, Fussgängern, Tramwagen, Hunden, Jeeps und anderen Autos auschweichend -, und wir stehen vor dem Zimmer 205 einer Klinik am Stadtrand. Hadschigt liegt tief in seine Kissen vergraben,-beide Schienbeine und Rippen sind gebrochen, die Wrbelsäule ist gestaucht. Seit 1989 kennen wir den Kernphysiker, der in engster Zusammenarbeit mit der Kirche zuerst gegen die Sojwets kämpfte und nun gegen die Regierungspartei und Ter-Petrosjan opponiert. Er hatte uns nach Berg-Karabach begleitet und in vielen Gesprächen über sein Land informiert. Nun ist zwar sein Körper, nicht aber sein Wlle gebrochen: Die jetzige Regierung bestehe aus korrupten Verrätern an der armenischen Sache, schimpft Hadschigt, die armenische Tradition und die richtigen Werte würden schnödem Mammon geopfert. Von Demokratie könne keine Rede mehr sein, habe doch Ter-Petrosjan nicht nur die patriotische Partei der Daschnaken verboten, sondern verhindere auch jegliche Opposition, und zwar mit verbrecherischen Mitteln.

Für Hadschigt steht fest, dass er Opfer eines Attentates geworden ist. Man habe ein Loch in seinen Balkon gespitzt, durch das er – sieben Stockwerke tief -auf den Erdboden stürzte. Aber er gebe nicht auf: Schon zweieinhalb Monaten liege er hier, ein weiterer Monat werde folgen, und dann gehe der Kampf weiter.

Ter-Petrosjan hat innen und aussen viele Feinde

Nicht nur Hadschigt Stambultsian schimpft über die Regierung, viele Intellektuelle des Landes sehen die Gefahr einer Ditatur. Kritische Journalisten würden verprügelt, Parteien sind teilweise verboten, und die Machtfülle des Präsidenten wächst. Schon, wenden Regierungsmitglieder ein, doch das Land brauche jetzt vor allem eines: Stabilität. Ganz nach chinesischem Vorbild stehe die wirtschaftliche Freiheit im Vordergrund, und erst in zweiter Linie folge die Errichtung einer Demokratie nach westlichem Muster. Dass Ter-Petrosjan, dessen Wiederwahl im September unbestritten ist, sich mit den Nachbarländern Türkei und Iran arrangieren will, nehmen ihm Armenier innerhalb und ausserhalb des Landes übel.

Der letzte Abend ist angebrochen, drei Einladungen ist Folge zu leisten: Sergei und Ashot haben ein Festmahl vorbereitet, und auch Sascha, der Vater des herzkranken Buben, erwartet uns in seiner Wohnung. Endlich ist ein wenig Zeit, Pino Ciaccio zu feiern, geht doch heute seine zwölfte Armenienreise zu Ende. Der Schaffhauser sizilianischer Herkunft ist wie ein Schlüssel zum Herzen der Armenier, die ihn sowohl in eine Freischärlertruppe aufgenommen als auch mit einem armenischem Namen versehen haben: Ciacciosian.

Um fünf Uhr morgens beginnt die Abfertigung am Flughafen, unsere Bekannten sind alle wieder da, haben Geschenke vorbereitet und geben uns Proviant mit auf den weiten Weg. Vier Stunden später sitzen wir in der Maschine nach Paris, es ist ein sonniger, kalter Morgen. Und nun sehen wir zum ersten Mal den Berg Ararat, der die ganze Woche sein Haupt in Nebel gehüllt hatte, als ob sich der heilige Berg der Armenier dafür schämte, nicht auf armenischem, sondern auf türkischem Boden zu stehen.

Sonntagskiosk, vier Schweizer Sonntagszeitungen: Zweimal die SBB, ein Seilbahnunfall, Flughafengebühren.

Streets of Cairo (die Kamera als Notizblock). Bilder aus den Tagen vor den Wahlen.

Pictures of the 2013 Independence Day Celebration at the US Embassy in Bern.

Blattkritik light, heute der Sonntagsblick – oder: Politisch korrekter Boulevard (wenn man den Sportteil nicht beachtet)

Sobli

Beginnen wir mit dem Magazin des Sonntagsblick. Wer eine Zeitung/ein Heft liest, der findet mit der Zeit heraus, von welchem Gesichtspunkt aus (oder durch welche Brille) die Redaktion die Welt beschreibt. Das ist mir bei diesem Magazin (noch?) nicht gelungen. Aber das mag wohl daran liegen, dass ich viele der beschriebenen Prominenten nicht kenne oder mich ihr Schicksal nicht interessiert. Und mich der Stil (Titel zum neuen Baron Cohen – Film: „Die Latte der Provokation“) oft befremdet. Hingegen schätzen wir wohl alle die grossen Reportagen – diesmal die schönen Wellenbilder von Clark Little. Und auch Marc Walders Unterhaltung („auf einen Espresso“) lese ich gerne, wenn die Form auch ans Zeitmagazin (auf eine Zigarette) oder an Teleblocher (Wochengespräch) angelehnt ist. Schön auch die kleine Boshaftigkeit der Redaktion, die Frank A. Meiers Alter (65!) jedesmal erwähnt. Und wo liest man schon Sätze wie: Frage Walder: „Die Welt trauert um Michael Jackson – trauert Frank A. Meier auch?“ Antwort Meier: „Nein.“

Doch nun zum Hauptblatt, das sich unter der Leitung von Hannes Britschgi einem Boulevard verschrieben hat, den die Fachleute politisch korrekt oder auch emanzipiert nennen. Das ist also halb schwanger. Als Beispiel dient der Bericht über die drei Schüler, welche in München auf unbekannte Leute einprügelten, Titel „Denn sie wussten, was sie tun.“ Ein hartes Boulevardblatt hätte die Herkunft der jungen Männer recherchiert und dargestellt, der Sonntagsblick macht das verschämt anders, er publiziert die Vornamen: Mike, Ivan, Benji. Da darf der geneigte Leser seine Schlüsse selber ziehen. Die Redaktion ist sichtlich bemüht, die Motive zu erforschen und befragt den Jugendpsychologen Allan Guggenbühl, dessen differenzierte Antworten dann mit „.. Prügeln  geiler als Sex“ überschrieben werden.

Klassischer Boulevard dann der Bericht: „Kaderarzt gefeuert – da gab er sich die Kugel.“ Aber in milder Form. Zwar wird gegen eine Regel des Qualitätsjournalismus verstossen (Selbstmord ist tabu), aber es werden keine Namen veröffentlicht und die Bilder werden (leicht) verfremdet. 

Zur Titelgeschichte „Jacksons letzte Show“ muss man nichts sagen, das entspricht wohl dem Geschmack der Leser.

Die Berichte im „Politik“-Teil könnten auch in einer anderen Schweizer Tageszeitung stehen, sie sind informativ und solide. Das Interview mit SRG-GD Armin Walpen ist ein Beispiel für harten aber fairen Journalismus. 

In der Wirtschaft nimmt auch der Sonntagsblick die Frage auf, ob Firmenchefinnen schwanger werden dürfen. Die Debatte hatte Roger Köppel in der „Weltwoche“ lanciert. Und CR Hannes Britschgi unterhält sich gleich mit fünf Karrierefrauen über deren Schicksal. Gut gemacht – vor allem deshalb, weil die Runde auch übers Internet betrachtet werden kann (www.sonntagsblick.ch ARGUMENTE). 

Der Leute – Teil ist ganz brav gemacht, Höhepunkt: „Happy Birthday, Beni“.

Zum Schluss zitieren wir aus der Frank A. Meier – Kolumne über die Schweizer Banken: „Erst unter extremem internationalen Druck steigen die Herrenreiter jetzt von ihrem hohen Ross herab, vom dem sie mit der Reitpeitsche ihren Knechten in der Politik die Marschrichtung vorgaben. Allzu lange war unser Land eine Bananenrepublik in der Zucht von Banken-Caudillos.“ Schön, denn: wann haben wir das letzte Mal derart klare klassenkämpferische Parolen gelesen?

Zum Sportteil sagen wir heute nichts: Dort lasen wir eine der härtesten Boulevardgeschichten der Woche – sie hat aber mit der Sonntagsblick-Redaktion nichts zu tun.

Was haben wir nun neues/relevantes erfahren? Dass der Zürcher Zoo „neu Übernachtungen inmitten von Löwen, Wölfen und Elefanten“ anbietet, das sich ein Kinderarzt in Bern erschossen hat und der Bund Asylbewerber statt sie zurückzuweisen auf die Kantone verteilt. Und, ach ja, noch dieses: „Oswald Grübel kämpft noch immer mit vielen Altlasten.“

Die Kriterien der Blattkritik:

Scoop (was ist neu und/oder exklusiv) – Sprache (Originalität in Inhalt und Form) – Trennung von Kommentar und Fakten – Anmutung/Optik/Bild – Gesamteindruck/Stil.

Moritz Leuenbergers Welt

Philipp Mäder und Beat Rechsteiner haben Bundesrat Moritz Leuenberger für die „Mittelland Zeitung“ zur Lage der Medien befragt. Leuenberger ist als Vorsitzender des UVEK (Umwelt, Energie, Verkehr und Kommunikation) so genanter „Medienminister“. 

Wir kommentieren Auszüge:

Aber die Meinungsvielfalt nimmt ab, weil sich grosse Verlage ausdehnen. Sehen Sie hier ein Problem? 
Leuenberger: Das kann ein Problem werden – aber im Moment sehe ich keines. Natürlich gibt es zu denken, dass mit Tamedia nun ein Deutschschweizer Verlag auch in der Romandie praktisch ein Monopol hat. Aber ein Schweizer Unternehmer weiss, dass er in der Schweiz die kulturellen Gegebenheiten berücksichtigen muss.

Wenn Tamedia auch in der Romandie „praktisch ein Monopol“ hat, so gibt das Moritz Leuenberger also zu denken. Und nachdem er nachgedacht hat, kommt er zu folgendem Schluss: Ein Schweizer Unternehmer wisse, dass er in der Schweiz kulturelle Gegebenheiten zu berücksichtigen hat.

Etwas später fragen die Kollegen dann nach und wollen wissen, wie es Leuenberger mit dem Monopol denn wirklich halte. Antwort:

Leuenberger: Ich unterscheide zwischen wirtschaftlichem und Meinungsmonopol. Als Medienminister beschäftigt mich die freie Meinungsbildung. Und die ist nicht so schnell gefährdet. 

Unterschied zwischen wirtschaftlichem und Meinungsmonopol? Da erinnern wir uns: Leuenberger hatte mit dem Radio- und Fernsehgesetz aus seinem Departement das Ziel, die behaupteten regionalen Monopole der Medienunternehmen zu verhindern. Warum denn, wenn wirtschaftliche Monopole nicht zu Meinungsmonopolen führen oder anders gesagt: Offenbar gelten für Tamedia andere Massstäbe als für die regionalen.

Und dann kommt der bundesrätliche Argumentationshammer:

„Es gibt immer auch noch elektronische Medien, Facebook, Blogs und so weiter. Im Internet herrscht ja eher Anarchie als Monopolis.“ Also, folgert Leuenberger, Medienmonopole sind aus drei Gründen kein Probleme: Erstens wissen schweizerische Unternehmen, wie man Monopole handelt; zweitens kann ein Medienunternehmen zwar ein wirtschaftliches Monopol haben, das nicht zu einem Meinungsmonopol führt und drittens gibt es ja noch Blogs, Facebook und so weiter.

Das ganze Interview hier.

 

Auf der Suche nach dem verlorenen Urheberrecht…

Es hat die Krise und sinkende Einnahmen gebraucht, bis sich die Verleger darauf besonnen haben, dass ihr Urheberrecht im Internet pausenlos verletzt wird; ja, man kann sogar sagen, dass die meisten Geschäftsmodelle im Netzt geradezu auf der Verletzung des Urheberrechts fussen. Das einzigartige daran ist allerdings, dass die Verleger dies dulden, ja sogar fördern. Erinnern wir uns an die unsägliche Diskussion mit Google: Solange Google Nutzer auf die eigenen Websites führe, sei Google für die Verlage geradezu nützlich meinten noch vor Monaten viele Verleger. Da hätte der zum Tod verurteilte die Henkermsmahlzeit auch loben können, schliesslich mundete sie ihm auch – nur: es nahm ein böses Ende. 

Nun wollen wir den kurzsichtigen unter den Kollegen nicht allzu gram sein, sie haben sich – wie oft in der Diskussion ums Internet – von ihren Online- und IT-Leuten einlullen lassen. Aber nun dreht der Wind, wie die Financial Times zusammenfasst, hier der ganze Artikel:

Die Diskussion um Urheberrechtsverletzungen im Internet nimmt an Schärfe zu. Mehrere große Medienkonzerne laufen Sturm gegen die unerlaubte digitale Verwertung ihrer Inhalte.

– Die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) kündigte am Dienstag ein hartes Vorgehen an. „Wir können nicht länger zuschauen, wie sich andere unter Berufung auf eine fehlgeleitete, unbegründete Rechtsauslegung mit unserer Arbeit davonmachen“, sagte AP-Verwaltungsratschef Dean Singleton.

– In Deutschland erneuerte der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner, seine Forderung nach einem gesetzlichen Leistungsschutzrecht für Verlage.

– Rupert Murdoch, Chef des US-Medienkonzerns News Corp., hatte gezielt die Internetsuchmaschine Google angegriffen. „Sollten wir Google erlauben, all unsere Urheberrechte zu stehlen?“ Die Antwort müsse heißen: „Danke, aber nein danke“, so Murdoch auf einer Kabelkonferenz in Washington.

– Eine australische Zeitung zitiert Robert Thomson, Chefredakteur des zur News Corp. gehörenden „Wall Street Journal“, mit den Worten: „Es besteht kein Zweifel, dass manche Websites als Parasiten oder moderne Bandwürmer in den Eingeweiden des Internets zu betrachten sind.“

„Im Netz ist das Unrechtsbewusstsein angesichts des verbreiteten kostenlosen Contents verkümmert“, sagte Dirk Platte, Justiziar des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Springer-Chef Döpfner betonte daher: „Hier ist der Gesetzgeber gefragt.“ Bislang beschränken sich die deutschen Bemühungen aber auf Gespräche mit der Politik.

Offene Angriffe richten sich jetzt vor allem gegen Google. Bislang sahen die meisten Verlage in Googles „News“-Dienst, der die Nachrichten zahlloser Anbieter bündelt, einen willkommenen Klickbringer. Seit Google aber begonnen hat, auf seinem „News“-Portal in den USA Werbung zu schalten, an deren Erlösen die Verlage nicht beteiligt sind, ist die Stimmung gekippt. 

Zusatzfrage: Würde man auch von Immobilienmaklern, Steuerberatern und Rechtsprofessoren verlangen, dass sie auf ihren Besitzstand und die Bezahlung ihrer Leistungen verzichten? Dass die Urheber von Gedanken, die nicht bezahlt und geschützt werden, bald keine Zeit und kein Geld mehr haben, diese zu denken. (Die FAZ).

Maurer gibt Mercedes zurück, Merz trotzt und nur Meyer bleibt deutschfreundlich

… mein Kollege Martin Schweizer hatte in seinem Leitartikel in den „Schaffhauser Nachrichten“ am Samstag geschrieben, dass „die Indianer keinen Schmerz kennen“. Und die Sonntagszeitung liefert den Beweis: Gegen Peer Steinbrücks Verunglimpfungen setzen sich jetzt, da es zu spät ist, alle zur Wehr: Merz will Steinbrück nicht treffen und Mauerer gibt seinen Dienstmercedes zurück (und tauscht ihn gegen einen Renault Espace ein).

SRG-Chef Armin Walpen kündet Sparmassnahmen an und sage, man wolle unter Umständen Sender schliessen.

Nun fragen wir uns: Wenn einer aus ideologischen Gründen keinen Mercedes sondern eine Renault fahren will, was hat er dann mit dem sozialistischen Frankreich gemein?

„“Patchwork“ macht brutel“ – titelt die Sonntagszeitung. Und zitiert aus einer Studie, die feststellt, dass Kinder aus „Patchwork“-Familien „übervertreten sind, wenn es um Gruppenschlägereien, Ladendiebstahl oder Drogenhandel geht.“ Schuld sei, so Fachleute, die „schwache Bindung an die Eltern“.

Nun fragen wir uns: Sind „Patchwork“-Familien die Ursache oder die Folge der Probleme?

Frank A. Meyer („ein Journalist, inzwischen pensioniert, der in Berlin lebt“, sagt Ringier-Chef Unger über ihn), kommentiert den „Zahlmeister Steinbrück“ und schreibt: „Für den „Blick“ ist der Sozialdemokrat ein „Weichei“, weil er nicht im Traum daran denkt zum rhetorischen Duell mit einem Hinterbänkler aus dem Nationalrat anzutreten. Doch gerade diese Verweigerung offenbart Peer Steinbrücks zarte Saite: fürsorgliche Rücksicht“.

Da sind wir aber nun wirklich froh, dass der „brilliante Berserker“ (Meyer) uns schont, indem er sich gar nicht auf ein Gespräch mit einem Schweizer Indianer einlässt. Wir würden uns ja nur blamieren und davor bewahrt er uns. Und im „Sonntag“ erfahren wir dann den Grund für Meyers Steinbrück-Lobhuldelei: Der Minister wird von Meyer am 23. April für seine Sendung „Vis à vis“ – befragt. Und das bezeichnet der „Sonntag“ als „informelles Gipfeltreffen.“

„Seit der glücklose Katz Redenschreiber des deutschen Finanzministers geworden war, wurde er endlich gelesen, gehört und zitiert. „Wir wollen nicht Eure Frauen, wir wollen nur unser Geld zurück“, liess er seinen Chef im Schweizer Fernsehen sagen, „aber wenn wir mit den Panzern kommen, kriegen wir beides – also überlegt Euch das mit dem Bankgeheimnis genau.“ Diese schrieb der  begnadete Koluminist Maxim Biller in der FAZ am Sonntag.

Dass Micheline Calmy-Rey zur Hyperaktivität neigt, ist inzwischen auch ihren politischen Freunden klar geworden. Und so schonen sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öfteren vor sich selber. So auch diesmal: Ihr Umfeld hielt einen Calmy-Rey-Brief zurück, in dem sie die OECD für den Angriff auf das schweizerische Bankgeheimnis gelobt hat.

Julia Encke interviewt den Philosophen Peter Sloterdijk und will von ihm, der gute Ratschläge nach allen Seiten verteilt, wissen, was sie – die Journalistin – angesichts der Krise tun könne. Antwort Sloterdijks: „Sie könnten  sich gegen den Zwang auflehnen, von Dingen zu reden, auf die es nicht ankommt.“  


Vom „Arsch der Welt“ bis zu Albert Camus

Die Debatte über Presseförderung hat – endlich – begonnen: Mein Artikel in der NZZ hat zu vielen Reaktionen und Interview-Anfragen geführt. Ich freue mich auf die Fortsetzung der Diskussion (auch hier) und halte noch einmal fest: Wenn Zeitungen für unsere Demokratie wichtig sind, dann sollen sie gefördert werden. Ohne ein System der Unterstützung wird die föderalistische Medienlandschaft nicht überleben. 

Medienspiegel

Hans Dieter Zimmermann

Schaffhauser AZ

atmedia.at

Patrik Tschudin

Debatte

Ein weiterer gemütlicher Sonntag, an dem man ohne schlechtes Gewissen Zeitungen lesen kann. Und es hat sich diesmal auch gelohnt. Doch zuerst noch ein kleiner Rechenschaftsbericht: Das UBS-Führungsduo Kurer/Rohner ist weg. Wir hatten ja geschrieben, dass man ihren Beteuerungen und Durchhalteparolen keinen Glauben schenken darf. Und da wird sich die Öffentlichkeit doch fragen, warum sie unablässig falsch informiert wird. Doch nun zum neuen Verwaltungsratspräsidenten Kaspar Villiger, der in den Sonntagszeitungen bereitwillig Fragen beantwortet. Und da erfahren wir dann auch (in der „Sonntagszeitung“), was wir vermutet hatten: „Das Bankgeheimnis ist nicht sakrosankt“. Eine Lockerung, so sagt Villiger, würde den Druck auf die UBS reduzieren.

Frage: Geht es beim Bankgeheimnis wirklich um den Schutz der Bank? Oder nicht vielmehr um den Schutz der Kunden? Dazu hat Christoph Blocher ganz andere Ansichten.

Wenn man Zeitungen liest, will man überrascht werden. Das ist Frank A. Meier heute gelungen; der Ringier – Chefjournalist gewährt (ja, er gewährt) dem „Sonntag“ ein Interview. Es fehlten, sagt Meier angesichts der betagten UBS-Spitze, „die jüngeren Leute, die wir jetzt nötig hätten“. Damit ist auch erklärt, warum der im AHV-Alter stehende Meier weitermacht. Wie lange noch, will „Sonntag“-Chefredaktor Patrik Müller wissen. Und jetzt kommt sie, die Überraschung: „Solange ich unter den Kollegen noch der Jüngste bin, mache ich weiter.“

Der „Blick“, so lesen wir dann andernorts, werde wieder grösser. Und Meier sagt über dieses Blatt: „Der Blick“ ist immer noch die stärkste tägliche Verkaufszeitung“. Ein paar Minuten später wissen wir dann, warum: Weil die Redaktion (auch heute im „Sonntagsblick“) den Geschmack der Schweiz gut trifft, siehe unten:

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Die Überraschungen gehen weiter. SP-Parteipräsident Levrat lobt Blocher, und zwar so: „Er hat es geschafft, einen übergeordneten Diskurs zu führen. Das macht ihn zu einem guten Parteiführer.“ Dann bekennt sich Levrat, in diesem Interview mit der „Sonntags Zeitung“ – etwas weniger überraschend – zu Albert Camus, dem „Hausphilosophen der sozialdemokratischen Spitzenpolitiker“ (Frankfurter Sonntagszeitung). Diese hetzten von Sitzung zu Sitzung und bräuchten „die heroische“ Pose.

Grosse Medienthemen sind auch heute die Übernahme der Edipresse durch Tamedia und die Frage, wer die SRG nach der Zusammenlegung von Radio und Fernsehen leiten wird. Im „Sonntag“ erfahren wir, dass sich die Neue Zürcher Zeitung nun als Partner für die tamediafernen Medienhäuser anbietet und eine Kooperation mit der „Mittelland Zeitung“ und der „Südostschweiz“ sucht.

Und dann lasen wir noch (in der NZZ am Sonntag) Peter Zieglers Vorschlag für die Berner Zeitungszukunft. 

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  Wann immer Boris Becker in die wohlverdiente Vergessenheit zu versinken droht, kündet er eine      Verlobung/Trennung/Heirat/Scheidung oder wenigstens einen One Night Stand (mit oder ohne Folgen)  an. Und die Medien fallen auch darauf rein, da es sich hier um eine Win-Win-Situation handelt: Becker bekommt seine schwer erhältliche Aufmerksamkeit, die Medien bekommen das ebenfalls.

Heute meldet der „Sonntagsblick“, dass Becker – wen auch immer – heiratet, die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ beschreibt in einem klugen Essay („Der Unsichere“) das ziemlich leere Leben des ehemaligen Spitzentennisspielers. Autor Peter Lückemeier erwartet keine Besserung, da die notwendige „Formung des Charakters sich nicht auf  Tennisplätzen, in VIP-Lounges und auf Premièren herstellen lässt.“

Ganz nebenbei haben wir in diesem Aufsatz auch noch ein Zitat von Udo Jürgens gefunden, der Becker so in Schutz nimmt: „Wenn man keine Chancen bei Frauen hat, ist es leicht, moralisch zu sein. Wenn einem aber Tag und Nacht Photos unter der Hotelzimmertür durchgeschoben werden, ist das komplizierter.“

 

Randnotiz: Zeitungslektüre

Übrigens: Das Google – Handy ist in der Schweiz im Handel: bei Digitec. 

Technik

Und noch ein Bild zu Genf: Die Manager der Autobranche haben heuer wichtigeres zu tun als sich um die ausgestellten Autos zu kümmern, oder?

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Bildkommentar