Ein schönes Beispiel für App-Journalismus – oder anders gesagt: wenn es eilt, ist jeder Unsinn zur Publikation geeignet. Und die Ironie dabei liegt im letzten Satz dieses skurrilen Tagesanzeiger-Artikels.

Ja, ist es denn in Zürich so viel heisser als bei uns? Diesen unsäglichen Artikel könnte man dann der Hitze zur Last legen. Ansonsten geht das in die Kategorie „das dementierte Gerücht“. Dass man immer jemanden findet, der zu jedem Quatsch Journalisten gegenüber Auskunft gibt, ist als „Mühlemann-Phänomen“ erforscht und bekannt.

Höhepunkt ist der letzte Satz: „In der Schweiz ist diesen Leuten zumindest die Aufmerksamkeit der Medien sicher.“

Was zu beweisen war…

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Lektüre der Sonntagszeitungen: Heute über das iPad

Für iPad-Nutzer: Auf meinen WordPress – Blog hier kann auch über das iPad gepostet werden. Das habe ich heute zum ersten Mal ausprobiert.

Jetzt aber zu den Themen: Grosse Sorge bereitet den Redaktionen offenbar der hohe Eurokurs, der für weniger Touristen in der Schweiz sorgt (Sonntagsblick/NZZ am Sonntag). Im Soli lesen wir, wie Schweizer Unternehmer reagieren („Jetzt wird’s blutig“).

Zum Flugunfall in Oberhallau (zu dem unsere Journalisten derzeit recherchieren) lesen wir im Sobli und in der Sonntagszeitung Hintergründe, beide beziehen sich dabei auf unser Radio Munot. Morgen werden wir bei uns in den Schaffhauser Nachrichten breit und umfassend berichten.

Dass es Joseph Deiss im fernen New York besser gefällt als in der Schweiz („Endlich angekommen“) überrascht wohl keinen. In der Welt des Unverbindlichen und weitab vom Schuss lässt sich gut leben.

Wie man (fast) ohne Fakten eine Trendgeschichte macht, zeigt diesmal der „Sonntag“. Wir nannten das früher unter uns das dementierte Gerücht: Man legt Betroffenen eine These vor und macht aus deren Stellungnahmen einen Artikel. Fakt bleibt: Magdalena Martullo sagt, sie werde in den nächsten vier Jahren nicht in die Politik einsteigen.

Die Sonntagszeitung geht es auf dem Titel um Ausmass und Zusammensetzung der Endlager, um die „dunkle Seite von Apple“ und das Duell zwischen Leutenegger und Schawinski. Wer in der Tourimus-Redaktion den Titel „Das Stockholm.Syndrom“ über eine Reisegeschichte setzt, sollte nachsitzen.

Die NZZ am Sonntag massregelt Leutenegger, geht den schlecht ausgebildeten Lehrern nach (und zitiert dabei die Schaffhauser Nachrichten) und schreibt, dass – nach einem allfälligen Rücktritt von Micheline Calmy-Rey – drei Bundesräte „um ihre Wiederwahl zittern“ müssen. Und dann erfahren wir noch, dass eine Mehrheit der Schweizer Aussenpolitiker gegen eine Anerkennung Palästinas als Staat wäre.

Alles in allem: ein eher geruhsamer journalistischer Sonntag ohne Aufregung (wenn wir einmal von Unglück in Hallau absehen, das es auf die Blick-Titelseite von morgen bringen dürfte).

Bei der Lektüre der Sonntagszeitungen: Löhne in Gefahr, Wohnungsnot (NZZ am Sonntag), Asylanten vertreiben Schweizer (Sonntagsblick), Calmy-Reys „Frontalgangriff“ auf die EU (Sonntagszeitung), „Starker Franken killt Lohnerhöhung“ (Sonntag). Und die NZZ am Sonntag nimmt einen Augenschein im Sexshop.

Unser Land befindet sich, liest man die Sonntagszeitungen, in der Krise – und schuld daran ist die Europäische Union. Die Stimmung also hat gedreht und die Wahlen werfeb ihren Schatten voraus.

Kurzweilig, wie immer, ist der Sonntag – nicht nur wegen seiner Berichterstattung über die Tele-Blocher Jubiläumsfeier. Bundesratsinterviews (ein Sonntagszeitungsmuss) publizieren der Sonntag (mit Johann Schneider-Amann) und die Sonntagszeitung (mit Micheline Calmy-Rey).

Über das Schicksal der entführten Schweizer hätte man gerne mehr erfahren, über die Pläne des Schweizer Fernsehens hingegen (im Sonntag) etwas weniger. Originell ist der Aufruf der NZZ am Sonntag, man solle in Deutschland einkaufen – und die Reportage aus dem Sexshop, die eine der Urban Legends enthält.

 

NZZ am Sonntag