Kommentar in den Schaffhauser Nachrichten, Hans was Hans-Jürg…

KOMMENTAR

Mit Intoleranten dürfen wir nicht tolerant sein

Ob die Entrüstung nicht weit grösser wäre, wenn er nicht Hans, sondern Hans-Jürg Fehr hiesse und die Schläger von rechts statt von links gekommen wären – diese Frage stellte sich der mit Stiefeln und Fäusten traktierte SVP-Nationalrat wohl zu Recht. Hätten dann, so möchte man anfügen, die Kommentatoren und die Politiker der Links- und Mitteparteien auch bis gestern geschwiegen oder gar Verständnis für diesen Angriff auf Leib und Leben gezeigt und etwa (wie der «Tages-Anzeiger») geschrieben: «Da hat es den Richtigen getroffen! Das dürfte sich manch einer gedacht haben, als er hörte, dass Vermummte Nationalrat Fehr … zusammengeschlagen haben»?

Welch verkehrte Welt, wenn die Polizei erklärt, Hans Fehr sei zumindest mitschuldig, weil er sich ohne Polizeischutz auf den Weg ins Albisgüetli gemacht habe, wenn die Co-Präsidentin der Zürcher SP, Beatrice Reimann, dem Nationalrat fahrlässiges Verhalten vorwirft und die brutalen Schläger in den Medien nicht brutale Schläger, sondern «Linksaktivisten» heissen. Das Opfer, es wird zum Täter. Das ist, gelinde gesagt, empörend. Es war eine Wohltat, dass sich Schweizer Politikerinnen und Politiker jedweder Couleur bis anhin ohne Angst unter das Volk mischen konnten und sich die Sicherheitsmassnahmen in angenehmen Grenzen hielten. An Schwarze Blocks und Vermummte, gewalttätige Chaoten – aus welcher Ecke sie auch stammen – wollen wir uns nicht gewöhnen. Das freie Wort, die offene Debatte und die Unversehrtheit von Andersdenkenden müssen verteidigt werden – konsequent und notfalls mit staatlicher Gewalt. Toleranz gegenüber Intoleranten jedenfalls ist brandgefährlich; da muss Hans was Hans-Jürg sein.

Norbert Neininger

 

 

3 Kommentare zu “Kommentar in den Schaffhauser Nachrichten, Hans was Hans-Jürg…

  1. Ob Du, lieber Norbert, diesen Kommentar auch geschrieben hättest, wenn es genau umgekehrt gewesen wäre?
    Als stiller und mittlerweile distanzierter Beobachter möchte ich immerhin anmerken, dass der politische Kampf mit dem Zweihänder vor einigen Jahren rechts angefangen hat. „Wie man in den Wald ruft… “
    Mir gefällt das argumentative Stilett so oder so besser als die Behauptungs-Hellebarde, obwohl ich demnächst Nein zur Waffeninitiative stimme.

  2. Pingback: Tweets that mention Kommentar in den Schaffhauser Nachrichten, Hans was Hans-Jürg… | Neiningers Tagebuch -- Topsy.com

  3. Es ist wohl bedenklich, wenn gewisse Kreise diesen gezielten anonymen und feigen Angriff auf einen Volksvertreter relativisieren und bagatellisieren. Dabei ist die ganze Gesellschaft – in der Schweiz und der Welt – gefordert, auf die physische Gewalt von Links und Rechts , sowie die psychologische Gewalt von Pseudointellektuellen zu reagieren.
    Vom Standpunkt der Erziehung von Kindern und Jugendlichen her muss etwas gegen die schleichend zunehmende Gewalt dank den gaengigen interaktiven Internet- und Videospielen unternommen werden. Es darf nicht sein, dass ab zartem Alter Buben und Maedchen quasi an der Gewaltausuebung “angepasst” und “aufgebaut” werden, wohl unter den Augen passiver Lehrer und unverantwortlicher Eltern. Der Staat muss da in Klausur gehen um tiefgreifende Massnahmen einzuleiten, bevor die aufkommende neue (De-)Generation sich und die ganze Welt dank virtuellem Thanatosverhalten ueber den Haufen wirft.

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