Bei der Lektüre der Sonntagszeitungen… oder der Scoop des „Sonntag“

Noch klingt der 80. Schweizer Medienball nach; die Nacht war wohl auch für einige der Sonntagszeitungsmitarbeiter einigermassen kurz. Im kleinen Wettbewerb um die beste PR-Leistung in eigener Sache gewann übrigens der Sonntagsblick: Bereits nach der Verlosung der Hauptpreise lag das Blatt an der Garderobe auf. Und drinnen konnte man lesen, wie der Medienall verlaufen war.

Doch nun zum Ernst des journalistischen Lebens:

Das interessanteste Blatt ist für mich heute der „Sonntag“, dessen Redaktion die Libyen-Affäre aufarbeitet und mit „Exklusiv: Der Bundesratsbericht“ aufmacht. Dem „Sonntag“ liegt der vertrauliche Bericht vor und man hat in Aarau nicht gezögert, dass Papier auf einer Doppelseite publik zu machen. Im elfseitigen Bericht, den Bundespräsident Hans-Rudolf Merz selbst unterschrieb, kommen weder er noch sein Kollege Couchepin und schon gar nicht Micheline Calmy-Rey gut weg, es ist die Chronik und das Fazit des Scheiterns.

Merz

Mit Fug und Recht will „Sonntag“-Chefredaktor Patrik Müller nun die Frage nach dem Rücktritt von Bundespräsident Merz beantwortet haben. Hier sein – zurückhaltender – Kommentar:

Müller

Und während also der „Sonntag“ – einmal mehr – einen Scoop landete, ist man bei der Bundesanwaltschaft auf der Suche nach einem jenem Informanten, der aus der Bundesratssitzung plauderte. Und kann jetzt die Suche wohl ausdehnen, die neue Frage lautet: wie kam der „Sonntag“ zum brisanten vertraulichen Papier?


Strafanzeige

Und mit sicherem Instinkt für politisch relevante Themen greift dann die Sonntagsredaktion noch die Frage der politschen Heimat von Peter Spuhler auf:

Spuhler

Die „Sonntagszeitung“ macht mit der geplanten Verlängerung des Militärdienstes auf und widmet sich – wie alle Sonntagszeitungen – dem Thema Schweinegrippe. Hier lesen wir dann auch noch diesen erstaunlichen Titel: „Schweinegrippe-Impfung spaltet die Schweiz.“

Dass Schweizer Munition von englischen Scharfschützen in Afghanistan verwendet wird, bestätigt der SoZ die Ruag – aber so richtig skandalös ist das nicht einmal für Jo Lang.

Munition

Spannend dann aber die Debatte über die Bologna-Reform (auf Seite 15). Und für einmal ist man plötzlich auf der Seite des Soziologieprofessors Kurt Imhof – wer hätte das gedacht?

Auf der Kommentarseite sagt Bundeshaus-Redaktor Christoph Lauener voraus, dass die SVP keinen „Grosserfolg“ bei den Wahlen haben kann. Das lasen wir vor den letzten und der vorletzten Wahlen auch schon.

Im Wirtschaftsteil nimmt ein Schaffhauser besonders viel Platz ein: Lindt- & – Sprüngli Chef Ernst Tanner.

Tanner

Die NZZ am Sonntag macht mit einem Familienthema auf: Beim Erfolg in der Schule komme es auf die Mütter an. Und so haben wir wieder einen Sonntag, an dem die Schweizer Sonntagszeitungen das Geschehen unterschiedlich gewichten, keine Rede von Mainstream.

Im Hintergrund-Artikel (der eigentlich ein verbrämter Leitartikel ist) beschreibt Luzi Bernet die Suche nach einem „Alphatier“ oder „Leithammel“ im Bundesrat.

Und dann fanden wir noch diese hübsche Geschichte: „Wenn das Handy mit dem Joghurt spricht.“

Handy



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