Zurück im Blog – nach einer Pause… jetzt wieder: Bei der Lektüre der Sonntagszeitungen…

Liebe Leserin, lieber Leser

zurück im Blog nach eine rund einwöchigen Pause. Der Grund: Eine Reise nach Berlin (und dort zu Besuch im Springer-Hochhaus zusammen mit der Konferenz der Schweizer Chefredaktoren) und ein gerüttelt Mass an Arbeit bei uns im Verlag.

Und hier – wie immer – Bemerkungen nach der Lektüre der Sonntagszeitungen (darunter für einmal auch die Welt am Sonntag).

Spuhler

Was will uns wohl der Schlagzeilen-Dichter sagen?

 

Diesmal wollen wir die Titel besonders aufmerksam lesen – und fragen und bereits hier: was will uns der Titel-Dichter wohl sagen?

Folgerichtig müsste es ja dann beispielsweise auch heissen: … warnt vor katholischem Boykott oder? Und dann fragen wir uns, was denn das wohl wäre, ein katholischer oder ein evangelischer Boykott. Haben Boykotte nun neuerdings auch eine Religion und wenn ja, wie kommen sie wohl dazu?

 

 

 

 

 

Das Gehirn auf Standby

Könnte es gar sein, das uns Journalisten, beispielsweise beim Titel setzen, das auch geschieht?

 

 

 

 

 

 

 

Schleim trügt

Naja - es gibt aber auch sonntags Geistesblitze...

 

 

 

 

 

Postman

Sag ich's doch...

 

 

 

 

 

 

 

Schalke

Womit spielt Schalke? Auch das ein hübscher Einfall!

 

 

 

 

Und zum Schluss dieser kurzen Sonntagsblattkritik noch ein Beweis für die These, dass scheinbar nachrichtenlose Tage zu besseren Zeitungen führen – weil man dann Platz für die eigenen Geschichten hat.

Wir haben die Titelseiten der NZZ am Sonntag und der Sonntagszeitung verglichen und stellten fest, dass sie sich mehr als an anderen Tagen unterschieden:

Kein Thema hatten beide, die Titelseiten unterschieden sich inhaltlich vollständig. Das müsste man eigentlich im publizistischen Kuriositätenkabinett ablegen. Hier der Beweis:

Die Themen der NZZ am Sonntag:

NZZ

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und hier die Titelseite der Sonntagszeitung vom gleichen Tag…

Soz

Bei der Lektüre der Kommentare zum Plakat, Inserate – und Minarettverbot…

Erster Teil der üblichen Sonntagszeitungskritik – der Schluss folgt in den kommenden Tagen.

Zuerst diese Bemerkung: Heute beginnen zwei der Sonntagspublikationen nicht mit Titelseiten, sondern mit BMW-Inseraten: Die Sonntagszeitung und das „Blick“-Magazin. Die Redaktionen haben Platz gemacht, damit BMW die neuen Modelle BMW X1 und den BMW 5er vorstellen kann. Früher, ja früher noch, wäre das undenkbar gewesen, heute – wetten? – gibt es weder Leser- noch andere Proteste. Man ist ja auch in guter Gesellschaft: Der Spiegel hat’s getan und andere – auch renommierte Publikationen – haben’s auch getan. Bei all diesen Sonderwerbeformen gilt vor allem eine Regel: Die Grenze zwischen redaktionellem- und Inserateteil muss für den Leser klar erkennbar sein. Im übrigen haben sich die Verlage zur Einhaltung des so genannten Code of Conduct verpflichtet, dies wird auch von einem Runden Tisch kontrolliert, der aus Chefredaktoren und Vertretern der Werbewirtschaft zusammengesetzt ist.

BMW

Irgendwo steht hier ANZEIGE - aber wo?

Nun aber zum Hauptthema der Zeitungskommentatoren heute: Die Minarett-Verbotsinitiative. Da sind sich – wieder einmal – alle einig: Das muss man ablehnen. Und so lesen wir dann beispielsweise im „Sonntagsblick“, wir müssten unsere Werte hochhalten.

Die NZZ am Sonntag legt auf einer Doppelseite die (interessanten) Hintergründe zum Minarett vor. (wird fortgesetzt).

Die Initianten sind "hasserfüllt"...

Die Initianten sind "hasserfüllt"...

Blick lasst uns Muslime in Ruhe

und: "lasst uns Muslime in Ruhe"...

Und in einem differenzierten Kommentar fordert Chefredaktor Hannes Britschgi:

Britschgi

Oswald Grübel ist der witzigste Gratulant: „Blick ist systemrelevant für die Schweiz.“

Die witzigste Gratulation an den "Blick" kommt vom UBS-Chef Oswald Grübel.

Die witzigste Gratulation an den "Blick" kommt vom UBS-Chef Oswald Grübel.

Der „Blick“ feiert seinen 50. Geburtsag uns schenkt sich (und den Leserinnen und Lesern) die Rückkehr zum grossen Zeitungsformat. Hauptthema der Jubiläumsnummer ist das Jubiläm und der (nach NZZ und Tages Anzeiger) dritte Relaunch einer grossen Tageszeitung. Es ist – mit Verlaub – der am wnigsten spektakuläre, man hat einfach einen Fehler korrigiert und ist zum klassischen Zeitungsformat zurückgekehrt. Das Halbformat ist ja inzwischen durch die Gratiszeitungen besetzt und abgewertet.

Ansonsten: Nichts neues unter der Mediensonne; das Layout ist – wie es sich gehört – von grossen Zeilen, wenig Text und dominierenden Bildern beherrscht. Da es auch hier auf den Inhalt ankommt, wird man abwarten müssen… Aus dem Kommentar de Chefredaktors a. I. (sind das nicht alle?) lässt sich noch wenig schliessen, doch: ein kleines bisschen Ironie blitzt durch, wenn Ralf Grosse-Bley schreibt, es hätte „der ganze Bundesrat mit einer kleinen Ausnahme“ gratuliert. Bei der „kleinen Ausnahme“ handelt es sich um Bundespräsident Hans-Rudolf Merz, den der „Blick“ dann unter der Zeile: „Calmy-Rey gegen Kuschelkurs von Merz“ in den Senkel stellt.

Seite 3

Wesentliche Änderung: Von Seite 3 auf Seite 1...

Und nun? Ist das nun die Rückkehr zum harten, schnörkellosen Boulevard oder werden wir wieder einem Spagat zwischen Political Correctness und „Blut und Hoden“ (wie man so schön sagt) erleben?

Auf jeden Fall darf man sich freuen, dass nun auch Ringier ein (teures) Bekenntnis zur Verkaufszeitung ablegt und wir (wieder) ein währschaftes Boulevardblatt haben.

Und, dies sei auch noch gesagt: Der interessanteste Sportteil der Schweiz hat auch diesen Relaunch unbeschadet überstanden, Roger (die Zigarre) Bnoir blieb uns erhalten und Weisheiten wie „vom Turnen kann man nicht leben“ erhellen uns weiterhin.

Im diesen Sinne: Gratulation und auf viele gute Zeilen wie „Kann ich den Messekauf retour geben“.

Ringier-Schweiz-Chef Mar Walder (zuständig auch für den "Blick") trägt Samthandschuhe...

Ringier-Schweiz-Chef Mar Walder (zuständig auch für den "Blick") trägt Samthandschuhe...

Die Rückkehr des Boulevards?

Die Rückkehr des Boulevards?

Widmer

Frommer Wunsch...

Nachlese zur Unterzeichnung der armenisch-türkischen Protokolle in Zürich oder wie Hillary Clinton die Situation rettete

Bild 2- Armenien Türkei

Hillary Clinton und Bernard Kouchner...

 

War das ein Tag! Am Samstag warteten 180 Journalisten ab 15 Uhr – Bezug der Badges – bis nach 20 Uhr in der Universität Zürich auf die Unterzeichnung der türkisch-armenischen Protokolle. Danach flog die US-Aussenministerin nach London und stellte sich den Fragen der Journalisten an Bord der Maschine. Hier das Transkript der Gespräche.

Die Wartezeit konnte man zum Gespräch mit den armenischen und türkischen Kolleginnen und Kollegen nutzen, die nach Zürich gekommen waren; leider funktionierte die Wireless – Verbindung im improvisierten Medienzentrum ziemlich lange nicht und ein viel gereister Reporter meinte, das sei ja wie in Bagdad.

Und hier nun der Text der Protokolle.

 

 

Bild 4 Armenien Türkei

Bundesrätin Micheline Calmy-rey sieht eher angespannt aus, der EU-Chefdiplomat Javier Solana scheint's gelassener zu nehmen.

Zeitungen wollen die Inserate für die Minarett-Initiative nicht publizieren, wenigstens nicht im (bezahlten) Inserateteil

Minarett

Der „Tages Anzeiger“ berichtet, dass Ringier die Inserate für die Minarettinitiative ablehnen wird. Andere – wie der „Tages Anzeiger“ denken ebenfalls über eine Ablehnung nach. Dazu zwei Bemerkungen: 1. Haben die Initianten noch gar keine Insertionsaufträge gegeben und 2. können sie sich das eigentlich auch sparen: in den redaktionellen Teilen wurden die Sujets längst veröffentlicht, die Rechnung ist also einmal mehr aufgegangen.