Aus den Sonntagszeitungen… oder die NZZ erklärt Fäkalsprache

Aus dem Magazin des Sonntagsblick: Polo Hofers Spruch des Sonntags...

Aus dem Magazin des Sonntagsblick: Polo Hofers Spruch des Sonntags...

Das ist aufklärerischer Journalismus: Die Neue Zürcher Zeitung erklärt Fäkalsprache und ist dabei – wenn nicht alles täuscht – anatomisch nicht ganz treffsicher.

Das ist aufklärerischer Journalismus: Die Neue Zürcher Zeitung erklärt Fäkalsprache und ist dabei – wenn nicht alles täuscht – anatomisch nicht ganz treffsicher.

Diese philosophische Frage entdeckten wir in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Diese philosophische Frage entdeckten wir in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Und warum wurde die Geiseln – bis jetzt – nicht freigelassen? Frank A. Meyer hat auch hier die Antwort: weil wir nicht in der EU sind.

Und warum wurde die Geiseln – bis jetzt – nicht freigelassen? Frank A. Meyer hat auch hier die Antwort: weil wir nicht in der EU sind.

Leitartikel: Die Demütigung

Der Leitartikel zu Merz/Libyen in den Schaffhauser Nachrichten vom Samstag…

Natürlich fiele es leichter, die Causa Libyen nach der Klärung des Schicksals der beiden festgehaltenen Schweizer zu beurteilen; dies ist, nachdem die Schweizer Delegation mit ihrem Bundesratsjet (und dem Gepäck) in der Nacht auf gestern unverrichteter Dinge zurückgekommen ist, nicht der Fall. Und so fehlt (wenigstens bis zur Drucklegung dieses Leitartikels) noch ein wichtiges Kapitel in der geradezu unglaublichen Geschichte vom Zusammenprall eines Rechtsstaates mit den Ehrbegriffen eines Beduinenvolkes, von der Demütigung eines demokratischen Landes durch den Clan eines ruchlosen Diktators. Einer Geschichte aber auch, die darüber hinaus eine existentielle Frage aufwirft: Sind wir, so lautet sie, bereit und in der Lage, unsere Prinzipien zu verteidigen und durchzusetzen, oder geben wir uns selber ohne Not willfährig auf? Und über diese Frage muss man unabhängig von der hoffentlich baldigen Rückkehr der Schweizer Geschäftsleute öffentlich nachdenken. Doch der Reihe nach.

Versagt hatte bereits Bundesrätin Micheline Calmy-Rey

Der Skandal – und dieses Wort sollte man sparsam verwenden – hat nicht erst mit dem Abschluss des beschämenden Staatsvertrages begonnen; der Skandal dauerte schon viele Monate an, während deren die Schweizer Öffentlichkeit mit nur sanftem Widerstand und leisen Protesten duldete, dass zwei Schweizer Landsleuten die Ausreise aus Libyen verboten wurde. Erfolglos blieb in dieser Zeit auch das zuständige Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, und deren Leiterin Micheline Calmy-Rey hat ebenfalls versagt. Dass Hans-Rudolf Merz sich schliesslich – offenbar miserabel instruiert – auf diese Mission Impossible senden liess, zeugt von einer mit Gutgläubigkeit vermischten

Selbstüberschätzung. Was falsch eingefädelt wird, kann nicht gut enden. Bundespräsident Merz lief denn auch in eine wohlvorbereitete Falle; der ausgehandelte Vertrag mit der Entschuldigung im Namen des Schweizervolkes empört die Schweizerinnen und Schweizer, die Juristen schütteln den Kopf ob der Tatsache, dass hier unter anderem einem internationalen Gremium zur Untersuchung des Vorfalls in Genf zugestimmt, das Ergebnis der Untersuchung aber bereits vorweggenommen wird. Dass – je nach Interpretation – allen in die Schweiz reisenden Libyern eine Art Diplomatenstatus zugebilligt wird, ist vollends unverständlich.

Die Rechtssicherheit ist das wichtigste Gut der Schweiz

Nein, es geht keineswegs darum, ob die Genfer Polizisten in jener Nacht vom 12. Juli allenfalls zu robust vorgingen, alle bekannten Fakten sprechen dafür, dass sich die Beamten einigermassen korrekt verhielten, als die Leibwächter des notorischen Randalierers Hannibal Ghadhafi ihnen den Zugang verwehrten. Es geht darum, ob die Schweiz ihr höchstes und teuerstes Gut, die Gleichbehandlung aller und damit die Rechtssicherheit, bewahren und verteidigen will. Darauf sind wir zu Recht stolz: Dass ein jeder, ob arm oder reich, vor dem Gesetze und seinen Vertretern sie gleichen Rechte hat.

Nicht auszudenken, was in einer wirklichen Notlage geschähe

Wenn die Schweizer Geiseln endlich in der Schweiz eingetroffen sind, ist die Sache für den Bundespräsidenten und seine Kolleginnen und Kollegen noch nicht ausgestanden; die Debatte dürfte dann erst richtig beginnen, und mancher, der sich jetzt zurücknimmt, um die Heimkehr der Landsleute nicht zu gefährden, wird seine Zurückhaltung ablegen. Dann sollte die Partei- und Wirtschaftspolitik für einmal in den Hintergrund treten, und man wünscht sich, dass Grundsatzfragen im Zentrum stehen. Was, so lautet die eine, würde wohl in einer wirklichen Notlage geschehen? Wie, eine zweite, wappnet sich der Bundesrat gegen weitere Erpressungsversuche, die jetzt erst recht nicht mehr auszuschliessen sind? Drittens schliesslich: Darf und soll man um des Öls und der Geschäfte willen unsere hehrsten Güter entwerten? So sehr wir aber das Vorgehen des Bundesrates und seines Präsidenten bedauern und kritisieren: Der wahre Schurke im Spiel ist Muammar al Ghadhafi; jener Despot, der die Schweiz derzeit demütigt und der zum 40-jährigen Bestehen des Wüstenstaates geladen hat. Es wäre gut und zu wünschen, wenn an dieser Feier kein Staatsoberhaupt aus der Gemeinschaft der Demokratien teilnehmen würde.

Beim Lesen der Sonntagszeitungen…

So gehen Kollegen miteinander um: Sobli beschimpft den Sonntag...

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Der empörte Voyeur: Wir zeigen, was die anderen nicht zeigen dürfen...

Der empörte Voyeur: Wir zeigen, was die anderen nicht zeigen dürfen...

Was wäre das Gegenteil? Die Schweinegrippe macht die Schweizer heiss?

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Gratis

Die gute Meldung des Tages...

Wochenkommentar: Nun soll sich der Bundesrat bei uns enschuldigen…

Aus dem Staatsvertrag zwischen der Schwiz und Libyen...

Aus dem Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Libyen...

Zuerst dachte man an ein Missverständnis, dann an eine böswillige Verzerrung des Sachverhaltes. Jetzt aber steht fest, dass Bundespräsident Hans-Rudolf Merz schlicht und einfach den Kotau machte. In der offiziellen Mitteilung seines Departements heisst es zur getroffenen Vereinbarung mit Libyen nämlich: «Die Schweiz ist bereit, sich für die ungebührliche und unnötige Verhaftung von Hannibal Muammar Ghadhafi und seiner Familie durch die Genfer Polizei und für andere Schweizer Behörden zu entschuldigen.» Das ist schlicht ein Skandal. Der Bundesrat könnte ausnahmsweise auf die Schweizerinnen und Schweizer hören. Sie sind weder bereit, sich bei Ghadhafis Familie zu entschuldigen, noch sind sie gewillt, die Organe unseres Rechtsstaates im Ausland zu diskreditieren. Und sie sind schon gar nicht bereit, einem solchen Bundespräsidenten Respekt zu zollen. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass sich die Empörung über diese Vereinbarung noch lange nicht legen wird. Und wenn sich der Bundesrat irgendwo entschuldigen sollte, dann bei den verunglimpften Beamten – unabhängig von deren allfälligem Eifer – und bei den Schweizerinnen und Schweizern.

Norbert Neininger

Ein Skandal ist ein Skandal oder was uns bei der Lektüre (einiger) Sonntagszeitungen auffiel…

Das ist ein Skandal oder wie man Konkurrenten vetunglimpft...

Das ist ein Skandal oder wie man Konkurrenten verunglimpft... Roger Schawinski wird in einem Ringier-Prospekt als geldscheffelnd dargestellt und er wehrt sich zurecht gegen diese peinliche (antisemistische) Attacke. (Aus der Sonntagszeitung).

Frank A. oder Schwulst bleibt Schwulst...

Frank A. oder Schwulst bleibt Schwulst... (Sonntagsblick)

Wenn sich die FAZ da nur nicht zu früh freut...

Wenn sich die FAZ da nur nicht zu früh freut... Wir alle wissen, dass Deflation zur Katastrophe führen kann. Denn unser Wirtschaftssystem funktioniert nur mit Wachstum.

Wie wahr...

Wie wahr... (FAZ).

Hintergrund: Der Fall Erich Schlatter

Noch sitzt der Schaffhauser Erich Schlatter in Spanien in Untersuchungshaft – er soll dort einen Schweizer getötet haben, der ihm nachgereist war. Schlatter war durch zwei Dok-Filme des Schweizer Fernsehens landesweit bekannt geworden; in diesen Filmen (die das SF inzwischen vom Server gelöscht hat) wurde Schlatter als Opfer der kleinmütigen Schaffhauser Gesellschaft dargestellt. Wir haben in den Schaffhauser Nachrichten über Erich Schlatter und seine Darstellung in den Medien berichtet – beides ist exemplarisch. In einem Hintergrundartikel hat nun mein Kollege Robin Blanck das tragische Schicksal des Erich Schlatter beschrieben. Hier der Text:

Die lange Geschichte einer Eskalation

Nicht erst mit der Attacke auf eine Wirtin 2003 geriet Erich Schlatter mit seiner Umwelt in Konflikt, schon vorher war es zu zahlreichen Vorfällen gekommen. Die Lebens- und Leidensgeschichte eines Kranken.

VON ROBIN BLANCK

Mit einer «leichten Eisenstange» hatte Erich Schlatter im April 2003 eine Schaffhauser Wirtin und einen Restaurantgast geschlagen, daraufhin kam er in Haft und in die Psychiatrie. Nur dieser eine Vorfall wurde vom Schweizer Fernsehen in seinen beiden Filmen über Erich Schlatter dargestellt und darauf die Theorie vom unverstandenen, harmlosen Sonderling begründet. Doch die umfangreichen Akten des Kantonsgerichts zeigen ein anderes Bild der Lebens- und Leidensgeschichte.

Geboren wird Erich Friedrich Schlatter am 28. April 1949 im Spital der Pflegerinnenschule in Zürich. Es sei eine schwere Geburt gewesen, wie die Mutter später sagen wird. Im Alter von 5 Jahren erfolgt der Umzug nach Indien, weil der Vater, Konstrukteur in der Waggonfabrik Schlieren, an die neueröffnete Niederlassung versetzt wird. Dort soll Schlatter – nach eigenen Angaben – mit Indern und Engländern die Schule besucht haben. Schon damals fühlt er sich als Einzelgänger. Er fühlt sich im Unterricht unterfordert, überspringt eine Klasse. Sportlich hingegen ist er einer der schlechtesten. Nach dem Bankrott der Firma folgt die Rückkehr in die Schweiz, die Eltern lassen sich scheiden. Erich besucht das Gymnasium in Zürich, wird geplagt, muss repetieren. Die Mutter zieht nach Schaffhausen, um dort die Wäscherei der Eltern zu übernehmen, Erich kommt in die Kantonsschule Schaffhausen und muss erneut repetieren: Zwei Jahre beträgt der Rückstand im Französisch. Als es zu Problemen kommt – angeblich blamiert sich Schlatter vor den Mädchen wegen seines schlechten Französisch –, wendet sich die Mutter an die Psychiatrische Klinik Breitenau. Der damalige Chefarzt nimmt Erich, 15-jährig, für einen Monat in stationäre Behandlung. Bereits im Winter 1965 folgt der nächste Aufenthalt in der Breitenau. Später kehrt er in die 5. Klasse der Kantonsschule zurück. Das Verhältnis zur Mutter ist gespannt: Ihr gibt er eine Mitschuld an der Einweisung in die Klinik. In der Folge lebt Erich in der Familie eines Vormunds, verlässt die Kanti. Eine erste Ausbildung bricht er ab, legt dafür die Auto- und Taxiprüfung ab. In Zürich besuchte er die Maturitätsschule, wegen häufiger Abwesenheiten wird er weggewiesen. Schlatter, knapp 20, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch: Fährt Taxi, trägt Brot aus, hilft im Blumengeschäft. Das Militär mustert ihn nach vier Wiederholungskursen aus. Es folgt der Verlust des Taxiausweises, dabei – so sagt Schlatter später – sei er von der Polizei misshandelt worden. Er leidet an Depressionen. Eine psychiatrische Untersuchung bringt seine IV-Berechtigung an den Tag. Es folgen Reisen unter anderem nach Afrika, von wo er jedoch mit Malaria und Ernüchterung heimkehrt: Die besuchten Länder hätten mit ebenso vielen Problemen zu kämpfen wie die übrigen auch, gibt er später zu Protokoll. Die Malariainfektion muss in einer Klinik in Basel therapiert werden, dort kommt Schlatter mit einem extremen Anhänger der Rohkosternährung in Kontakt: der Grundstein für eine Obsession, die Schlatter durch sein weiteres Leben begleiten wird. In der Folge versucht er erfolglos, ein Rohkostrestaurant auf die Beine zu stellen. Wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte wird er 1978 inhaftiert, sein Verhalten zwingt die Behörden dazu, ihn für zwei Tage in die Breitenau zu überweisen. Mitte der achtziger Jahre heiratet er eine Frau aus Ghana, die Ehe hält nur drei Jahre.

«Sonst schlag ich dich tot!»

Im April 1988 wird Schlatter erneut gewalttätig: Auf Befehl der Behörden soll Schlatters Führerschein eingezogen werden, Schlatter entzieht sich mit dem Auto. Eine Radklemme soll das Problem lösen, diese sägt Schlatter aber entzwei. Als Beamte dies bei einer Kontrolle bemerken, betitelt er sie als «Faschisten», wirft einen Nachttopf auf den Dienstwagen, unmittelbar danach wird einer der Beamten am Hinterkopf von einem harten Gegenstand getroffen und erleidet eine Schwellung. Ein weiterer Ausbruch erfolgt im April 1991: Gemäss Polizeirapport will ein Landmaschinenmechaniker zum Randenhaus hinauffahren, doch das Fahrzeug Schlatters war so auf dem Weg abgestellt, dass dies nicht möglich war. Als der Mann Schlatter lautstark dazu auffordert, den Weg frei zu machen, nimmt Schlatter ein «langes Buschmesser» und schreit: «Hau ab du Sauhund, sonst schlag ich dich tot!» Als der Mann einen weiteren Schritt auf Schlatter zumacht, beginnt dieser mit dem Buschmesser herumzufuchteln und nähert sich dem Landmaschinenmechaniker. Dieser zieht sich in sein Auto zurück, Schlatter verbeult dieses mit Fusstritten. Schon zwei Tage zuvor ist es gemäss Gerichtsakten zu einem Vorfall gekommen: Ein vom Lärm gestörter Anwohner ging nächtens zu Schlatters Wagen und forderte ihn auf, sich zu entfernen, worauf dieser auch ihn mit der Machete bedroht habe. Schlatters Gefangenschaft in einer eigenen Welt manifestiert sich in seiner Schilderung der Vorkommnisse: «Er hätte mich zusammengeschlagen, da habe ich irgendein Beil aus dem Auto geholt.» Noch während der Strafuntersuchung eskaliert die Situation erneut: Schlatter will auf einem Grundstück einen Stacheldraht anbringen, der Nachbar fordert ihn auf, die Absperrung wegen der spielenden Kinder zu entfernen. Als es zum verbalen Schlagabtausch kommt, begiesst Schlatter den Mann mit Farbe, daraufhin greift er sich eine Latte und schlägt zu. Der Mann erleidet eine Schürfung und eine Schwellung am Hals sowie eine Rötung der Bindehaut im Auge, wie das Arztzeugnis belegt. Beim Eintreffen der Polizei verschanzt sich Schlatter in seinem Haus und fordert sie auf, das Grundstück zu verlassen. Als sich ein Polizist dem Gebäude nähert, tritt Schlatter diesem mit einer Spaltaxt in den Händen entgegen und bekräftigt seine Aufforderung, die er «ernst» meine.

Verdächtigung im Fall Dario

Nachdem es etwas ruhiger geworden ist um Schlatter, taucht er 1993 wieder in den Akten auf: Im Zusammenhang mit dem Mordfall Dario Ciccolecchia wird er einen Monat lang in Untersuchungshaft gesetzt und befragt, weil er zuvor in der Nähe des Tatortes gesehen worden ist. Die Untersuchungshaft setzt ihm zu, er leidet, wird «sehr hart behandelt», wie er sich später erinnert, auch weil er in den ersten zwei Wochen keine Rohkost bekommt. Zwischenzeitlich mietet sich Schlatter auch in einer Industriehalle in Thayngen ein, ruft dort seinen souveränen Staat aus und stellt sich auch eigene Nummernschilder aus. Januar 1995: Im Rahmen einer Verkehrskontrolle zieht der Dorfpolizist die aus Karton gefertigten Nummernschilder an Schlatters Wagen ein. Daraufhin rennt Schlatter zum Dienstwagen und reist seinerseits das Kontrollschild ab. Im darauffolgenden Handgemenge schlägt Schlatter den Polizeibeamten mit dem Metallschild auf den Kopf und entkommt zuerst mit dem Auto, wird aber sogleich vom Beamten und von einer Patrouille der Grenzwacht eingeholt und angehalten: Er schliesst sich im Auto ein, als ein Polizist in das Auto greift, schlägt Schlatter mit einer Holzlatte auf den Mann ein, dann gelingt, es die Türen zu öffnen und Schlatter zu überwältigen. Weitere Delikte werden ihm zur Last gelegt: Urkundenfälschung, Fahren ohne Führerausweis, Sachbeschädigungen. Und immer wieder werden Drohungen gegen Beamte aktenkundig, wie «ich werde mir eine Waffe kaufen». Im März 1995 erscheint Schlatter, der noch immer seinen Führerschein zurück will, wütend bei der Polizei und will einen Sachbearbeiter tätlich angreifen, diesem gelingt es allerdings, Schlatter aus dem Büro zu drängen. Von einer Anzeige wird abgesehen. In der Folge wird er vor dem Haus des Polizeirichters gesehen, dem er die Schuld am Führerscheinentzug gibt: Schlatter verteilt Pamphlete gegen den Mann. Schliesslich kommt es zum Prozess: Das Gericht verurteilt Schlatter im Juni 1996 wegen einfacher Körperverletzung, Diebstahls, Veruntreuung, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfacher Drohung, Hausfriedensbruchs, mehrfacher Gewalt, Gewalt und Drohung gegen Beamte, Ungehorsams im Betreibungsverfahren, grober Verletzung der Verkehrsregeln und des mehrfachen Missbrauchs von Ausweisen und Kontrollschildern zu 3 Monaten Gefängnis auf Bewährung.

Verschuldeter Hausbesitzer

Seit Februar 1996 bewohnt Schlatter eine Altstadtliegenschaft, die ihm der Vorbesitzer angedreht hat: IV-Rentner Schlatter hat die mit einer halben Million Franken belastete Liegenschaft in der Repfergasse für einen symbolischen Franken übernommen. Im Hof und später auch in der Garage des Hauses hält er Pfauen und Hühner. Zahlreiche Sachbeschädigung fallen in diese Zeit: Schlatter beschmiert die Schaukästen der Klinik Breitenau mit seinen Parolen: «Weg mit dem faschistischen Dreckstaat», «Henkt endlichen den Kriminellen XY», wobei Schlatter natürlich die Namen des entsprechenden Behördenvertreters nennt. Grund: noch immer der Führerscheinentzug. An verschiedensten Amtsgebäuden, an Türen und Fassaden, auf einer Reklametafel und der Fassade eines Grossverteilers schreibt er: «Kochen tötet!» Daneben: innert weniger Monate acht Verstösse gegen Parkierungsvorschriften, Missachtung des Fahrverbots in sieben Fällen. Am 9. April 1996 erfolgt der Strafbefehl, Schlatter muss 30 Tage in Haft. Der nächste Konflikt lässt nicht lange auf sich warten: Am Abend des 22. Septembers 1996 stellt Schlatter seinen grauen Lieferwagen im Bereich der Pfrundhausgasse ab. Verkehrsbehindernd, wie eine Patrouille der Polizei um 21.30 Uhr feststellt. Schlatter ist gerade bei seinem Fahrzeug, als die Beamten vorbeikommen, reagiert aber nur mit «Murren» auf die Aufforderung, den Wagen umzustellen. Daraufhin parkiert der Polizeibeamte den Dienstwagen vor Schlatters Auto, die Beamten steigen aus. Schlatter zieht sich in sein Haus zurück, auf das Klopfen und die Aufforderung, die Tür zu öffnen, reagiert er nicht. Aus einem Fenster im 2. Stock stösst er in der Folge Schimpftiraden aus und wirft mehrere, zwischen 1 und 4 Kilogramm schwere Steine auf die Gasse. Er trifft versehentlich seinen Wagen, ein Stein prallt am Erker des Hauses ab und durchschlägt die Heckscheibe des Polizeifahrzeugs. Auf die Frage, wieso Schlatter sich beim Eintreffen der Polizei davongemacht hat, antwortet er gemäss Einvernahmeprotokoll: «Ich hatte Angst, da der Beamte auf mich zukam. Ich wusste nicht, was dieser Beamte wollte.» Dann geht es Schlag auf Schlag: Obwohl er bereits mit einem Hausverbot belegt ist, will Schlatter eine Bekannte im Spital besuchen. Drei Tage später versucht Schlatter, zu seinem von der Polizei beschlagnahmten Fahrzeug vorzudringen, und bricht in das Magazin des Tiefbauamtes ein. Schlatter bestreitet die Vorwürfe. Im November 1996 kommt es zur Einweisung in die Klinik Breitenau, der vierte Aufenthalt. Nach einer Woche – der beantragte Fürsorgerische Freiheitsentzug wird nicht gutgeheissen – ist er wieder auf freiem Fuss.

Eskalation auf der Repfergasse

Doch die Situation verschlechtert sich weiter: Am 27. Februar 1997 betritt Schlatter trotz Hausverbot einen Laden in der Altstadt. Der Hund der Betreiberin bellt Schlatter an, daraufhin wird unwillkommene Gast aufgefordert, das Lokal zu verlassen. Schlatter schimpft. Die Frau bezeichnet er als «alte Schlampe» und als «Drecksau», sagt, man sollte den Hund «abschlachten», und droht, «eine Bombe in den Laden zu werfen», gibt die Betroffene bei der Polizei zu Protokoll. Schlatter bestreitet die Vorwürfe in der Einvernahme kaum, empfiehlt der verängstigten Frau aber einen Psychiater und die Lektüre eines Rohkost-Lehrbuches. Unmittelbar nach der Szene im Laden eskaliert die Situation auf der Repfergasse vollends: Vor seiner Liegenschaft trifft Erich Schlatter auf zwei Verwaltungsangestellte, die eine feuerpolizeiliche Nachkontrolle durchführen wollen, weil im Haus alle Fluchtwege mit Gerümpel vollgestellt sind. Schlatter will davon nichts wissen, steigt in sein Auto und schlägt die Tür zu. Dabei touchiert der Aussenspiegel ein Ohr eines der beiden Beamten, der erschrickt und mit der Faust an die geschlossene Scheibe des Wagens schlägt. Daraufhin öffnet Schlatter das Fenster und versetzt dem Mann einen Faustschlag ins Gesicht: Nasenbluten, blutige Oberlippe. Schlatter will jetzt weg, fühlt sich wieder bedroht, startet den Motor. Doch der Geschlagene stellt sich vor das Auto, Schlatter schiebt ihn im Schritttempo vor sich her, bis der Mann . . . wegspringt. In der Befragung gibt Schlatter erneut an, dass er «Angst hatte» und sich «bedroht fühlte». Schlatter ist längst nicht mehr kontrollierbar. Im März 1997 fährt Schlatter durch die Krummgasse, dort erblickt er einen Vertreter der Stadtregierung, mit dem er bereits in Rechtshändel verwickelt ist. Schlatter hält an und kommt «wild gestikulierend» auf den Mann zu, beschimpft ihn: «Verbrecher, du Lump, Dich sollte man aufhängen!». Der Politiker macht sich zu Fuss davon und versteckt sich in einem Geschäft. Später wird Schlatter auf dem Polizeiposten gefragt, was er gemacht hätte, wenn er den Flüchtenden erreichte hätte. Antwort: «Ich weiss nicht, was ich getan hätte. Eigentlich sollte man ihn öffentlich umbringen.» Nach der Flucht des Mannes ist es aber noch nicht vorbei: Schlatter steigt wieder in sein Auto und biegt auf die Stadthausgasse ein. Dort erblickt er den Mann, den er anlässlich der Nachkontrolle ins Gesicht geschlagen hat: Auch diesen beschimpft er, auch dieser Mann macht sich, allerdings mit seinem Velo, davon. In der polizeilichen Befragung schildert Schlatter die Situation aus seiner Sicht: «Ich habe nie niemand grundlos angegriffen! Im Gegenteil, ich wurde angegriffen!» Nach diesen Vorfällen wird Schlatter im März 1997 zum fünften Mal in die Breitenau eingewiesen. Die Untersuchungsbehörden verlangen eine Neubeurteilung Schlatters, dessen Verteidiger wirft der Breitenau Befangenheit vor. Deshalb beantragt die Staatsanwaltschaft ein neues Gutachten von der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. Im Gutachten wird Schlatter überdurchschnittliche Intelligenz attestiert. Die Diagnose: vollentwickelte paranoide Persönlichkeitsstörung. Übertriebene Empfindlichkeit bei Rückschlägen und Zurücksetzung, Neigung zu ständigem Groll wegen Weigerung, Beleidigung, Verletzung oder Missachtung zu verzeihen. Misstrauen und eine starke Neigung, Erlebtes zu verdrehen, indem neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindlich oder verächtlich missgedeutet werden. Streitsüchtiges beharrliches, situationsunangemessenes Bestehen auf eigenen Rechten. Und ausgeprägte Querulanz: Unfähigkeit, den Rechtsstandpunkt anderer wahrzunehmen, wobei er bei vermeintlich erlittenem Unrecht «stets zum Gegenangriff übergeht». In akuten Konfliktsituationen wird Schlatter eine «schwindende Besinnungsfähigkeit» attestiert, was ihm den Weg zu defensiven Gegenstössen mit Selbstjustizcharakter freigibt. Schlatter erklärt gegenüber dem Gutachter aber, dass er «niemals fähig wäre, einem Gegner in einer Auseinandersetzung den Schädel zu spalten», vielmehr fände er es angemessen, wenn seine «Folterer» in einem «sauberen Kriegsverbrecherprozess abgeurteilt und öffentlich gehenkt» würden. Ein zusätzlich Gutachten aus dem Dunstkreis der Helfergruppe wird eingereicht: Weil der Einsatz von Medikamenten Schlatters Wesen nicht ändern werde, müsse der Fokus auf die «bessere Adaption an die Umwelt» gelegt werden und ihm nach Möglichkeit der Fahrausweis wieder ausgehändigt werden. Begründung: «Damit seine Fluchtwege wieder offen sind und er bei Bedarf der einengenden Zivilisation entfliehen könnte.» Bei Schlatter stellt der Gutachter «absolut kein erhöhtes Aggressionspotential» fest und hält ihn für «ungefährlich». Ausnahme: wenn Schlatter sich eingeengt fühlt. Über seinen Aufenthalt in der Breitenau erklärt Schlatter in einem Gespräch: Er sei «so weit nett empfangen worden», habe auch Rohkost erhalten, «allerdings nicht in der gewünschten Spitzenqualität». In der Klinik telefoniert er viel, um Leute für die Rohkost zu gewinnen. Die übrige Zeit sitzt er am Computer, reicht Rekurse ein. Im April flieht er, kehrt jedoch freiwillig wieder zurück. Doch die Konflikte in der Anstalt nehmen zu, eskalieren, so dass Schlatter isoliert und medikamentös behandelt werden muss. Verlegung in die Hochsicherheitsabteilung Rheinau. Schlatter befolgt den Rat verschiedener Leute, sich fortan ruhiger und zurückhaltender zu verhalten. Am 7. Juni 1997 wird er entlassen. Schlatter zieht wieder bei seiner Mutter ein. Für die erlittenen Folterungen, Misshandlungen und Sachbeschädigungen habe er – so schätzt Schlatter – 40 bis 70 Milliarden Franken zugute. Für sein künftiges Vermögen gibt Schlatter bereits Anteilscheine aus.

Haftstrafe wegen Körperverletzung

Wegen der Steinwürfe gegen die Polizei, des Faustschlags ins Gesicht des Beamten und weiterer Delikte wird Ende 1998 Anklage erhoben. Während des Plädoyers des Staatsanwaltes ruft Schlatter diesem gemäss Verhandlungsprotokoll zu: «Das ist ein Siech. Ich gehe hinaus, soll ich einen Strick holen», worauf der Prozess unterbrochen und Schlatter verwarnt wird. Am Ende wird er im September 1999 der einfachen Körperverletzung, der Sachbeschädigung, der Drohung der mehrfachen Nötigung, des Hausfriedensbruchs, der mehrfachen öffentlichen Aufforderung zu Verbrechen oder zu Gewalttätigkeit, der mehrfachen Drohung gegen Beamte, der Verletzung der Verkehrsregeln und des Fahrens ohne Führerschein schuldig gesprochen. Nicht begangen haben soll er eine Gefährdung des Lebens im Zusammenhang mit den Steinwürfen. Das Urteil: 10 Monate Gefängnis. Dazu kommen 3 Monate Haft, welche 1996 bedingt gegen ihn ausgesprochen wurden. Der Anwalt legt Berufung beim Obergericht ein, es gebe zwar noch «Ausbrüche, aber keine Folgen», wie er darlegt und Schlatter deshalb «keine schlechte Prognose» stellen will. Die Berufung wird im Dezember 1999 vom Obergericht abgewiesen. Im März 2000 folgt der nächste Konflikt: Ein Bauer fordert Schlatter auf, sein Fahrzeug von seinem Grundstück zu entfernen, worauf Schlatter den Mann mit der Axt bedroht. Der Landwirt kann Schlatter überwältigen und fesseln – erneut Fürsorgerischer Freiheitsentzug für zwei Tag in der Breitenau, Schlatters siebte Hospitalisation in der ihm verhassten Einrichtung. Schliesslich zieht Schlatters Anwalt das Urteil ans Bundesgericht, auch dort verliert man im Mai 2000. Doch die Strafe wird nicht vollzogen: Im Jahr 2000 ordnet das Departement des Inneren ein weiteres Gutachten an, gestützt auf die gutachterlichen Empfehlungen wird der Strafvollzug bis auf weiteres ausgesetzt. Gewährt wird dieser Aufschub, weil mit der ausgesprochenen Strafe eine Resozialisierung Schlatters – das eigentliche Ziel des Vollzuges – nicht erfüllt werden könne. Abhängig gemacht wird der Aufschub vom Wohlverhalten Schlatters. Darum kümmert sich Schlatter wenig: Weiterhin verfasst er Flugblätter, bezahlt seine Bussen nicht, die in Haft umgewandelt werden. Im Juni 2001 stirbt Schlatters Mutter, für Schlatter ein harter Schlag, der auch Auswirkungen auf sein Verhalten hat. Im Zusammenhang mit einer Erbschaftsangelegenheit kommt es zu einem tätlichen Zusammenstoss mit einem Behördenvertreter, den er zweimal aus dem Hinterhalt angreift und am Kopf verletzt. Erst beim zweitenmal erstattet dieser Anzeige und ist überzeugt, dass Schlatter ihn umbringen will. Und: Die Terroranschläge auf das World Trade Center liegen erst Wochen zurück. Die Drähte zwischen den Behörden laufen heiss, ein Psychiater, der Schlatter aus eigener Erfahrung kennt, bezeichnet ihn nach wie vor als «sehr gefährlich». Nach einer weiteren Drohung gegen eine Person suchen die Behörden den Kontakt zu einer Angehörigen Schlatters; diese kann nicht helfen, weil sie nicht auf seiner «Abschussliste» stehen möchte, wie es in einer Aktennotiz vom 26. September 2001 heisst. Einen Tag später erschiesst ein Amokläufer 14 Kantonsräte in Zug, die Angst vor einer Nachahmungstat wächst, zumal Schlatter auch Andeutungen macht. Ein Fürsorgerischer Freiheitsentzug soll die Situation entschärfen, die Breitenau lehnt eine Aufnahme wegen der Gefährdung des Personals aber ab. Auch die Strafuntersuchungsbehörden erklären sich für nicht zuständig. Zwei Angestellte der Stadt bleiben aus Angst vor weiteren Übergriffen Schlatters vorläufig zu Hause.

15 Faustschläge an den Kopf

Zwar berichten die Akten von keinen weiteren Vorkommnissen 2001, doch die Beruhigung ist nur oberflächlich: Am 15. April 2002 wird Schlatters Fahrzeug von der Schaffhauser Polizei eingezogen, weil er die Motorfahrzeugsteuern nicht bezahlt hat. In seiner Aversion gegen den Staat bestätigt, geht Schlatter am gleichen Abend in ein Restaurant in der Stadt, trinkt Bier und Wein. Als sich bei ihm der Alkohol bemerkbar macht, verweigert man ihm weitere alkoholische Getränke. Daraufhin reicht er – so steht es in den Polizeiakten – der Frau hinter der Theke einen Zettel mit seinen Essgewohnheiten drauf, doch diese wirft das Papier sogleich in den Abfall. Da packt er die Kasse, rennt in den Hof und stopft das Geld in den Gulli. Die Bardame versucht ihn an seinem Vorhaben zu hindern. Schlatter packt die junge Frau, reisst sie heftig an den Haaren und versetzt ihr mit der freien Hand rund 15 Faustschläge an den Kopf, zudem tritt er sie dreimal mit dem Knie in den Rücken. Nur durch das Eingreifen der zu Hilfe geeilten Gäste kann Schlatter an weiterer Gewalt gehindert werden. Die Verletzte muss mit einer Gehirnerschütterung eine Nacht im Spital bleiben, Schlatter wird aber am selben Abend inhaftiert. Dort demoliert er seine Zelle und droht einem Polizeibeamten, er werde ihn mit einer «Eisenstange erschlagen». Nach wenigen Tagen ist Schlatter wieder auf freiem Fuss. Er entschuldigt sich beim Opfer, die Steuern für das Auto werden bezahlt, Schlatter ist wieder mobil. Weitere Flugblätter und zwei Strafverfügungen später wird er im März 2002 verwarnt, und es wird ihm erklärt, dass eine weitere psychiatrische Begutachtung vorgenommen werde. Noch bevor das Gutachten vorliegt, schlägt Schlatter erneut zu: Am 25. April 2003 sitzt Schlatter morgens um 8 Uhr in einem Lokal in der Stadt. Er liest zwei Zeitungen. Als ein anderer Gast eine der beiden Zeitungen verlangt, weigert sich Schlatter. Die Lokalbetreiberin verlangt von ihm, dass er eine der beiden Zeitungen dem anderen Gast überlässt oder das Lokal verlasst. Darüber in Rage geraten, rennt er ohne zu bezahlen aus dem Lokal. Der Gast, der vorhin die Zeitung verlangt hat, geht Schlatter hintennach. Draussen greift dieser sich einen Plastikgartenstuhl und schlägt mit den Stuhlbeinen voran auf den Mann ein. Nach einem Handgemenge lässt Schlatter den Stuhl los und nimmt zwei metallene Vierkantrohre aus dem Kofferraum seines Fahrzeuges. Schlatter holt aus und schlägt «mit aller Kraft von oben und von der Seite Richtung Kopf seines Gegenübers, wobei er in Kauf nahm, diesen tödlich zu treffen», wie es in der Anklageschrift zum Fall lautet. Der Mann kann einem Schlag ausweichen, ein zweiter trifft ihn aber, und er erleidet eine Schürfwunde. Er will ins Lokal flüchten, aus dem die Wirtin inzwischen ebenfalls gelaufen kommt, Schlatter schlägt in der gleichen Weise auf sie ein: Die Frau stolpert und fällt, auch dann lässt Schlatter nicht von ihr ab. Er verletzt sie am Arm, zudem erleidet sie eine massive Prellung. Gegen die Verhaftung wehrt sich Schlatter heftig.

Erfolge in der Therapie

Die Behörden wollen nun nicht mehr zusehen. Am 29. April 2003 wird der Strafantrittsbefehl erlassen: Schlatter soll die 13 Monate und 147 Tage Haft antreten. Dagegen wird vom Verteidiger Schlatters Rekurs eingelegt: Gefordert werden die sofortige Entlassung aus der Haft und «10 000 Milliarden Franken Entschädigung», wie Schlatter schreibt. Der Regierungsrat weist den Antrag im Juli ab. Es folgt eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Obergericht im selben Monat, auch dort blitzt man ab. Zuerst wird Schlatter zwei Monate in Pfäffikon untergebracht, im Mai folgt die Verlegung in die Pöschwies, dann folgen drei Monate Rheinau. Dort wird Schlatter gemäss Akten «mit seinem Einverständnis und mit Erfolg» medikamentös behandelt. Er schreibt Briefe in alle Welt: Dem «Blick» erklärt er, wie er als Opfer verhaftet worden sei, zwar etwas Rohkost bekomme, «aber nur die schlechteste Qualität und die mieseste Auswahl». Einen Brief erhält auch Ed Fagan, der New Yorker Anwalt, der im Zusammenhang mit den nachrichtenlosen Vermögen für Schlagzeilen gesorgt hatte: «I feel here in Switzerland like a Jew under the Gestapo of Hitler», schreibt Schlatter. Weitere Briefe gehen an die israelische Botschaft, George W. Bush («Switzerland has weapons to kill a lot of people, too!»). Im August 2003 melden die Justizbehörden einen durch Neuroleptika erreichten, «als sensationell zu bezeichnenden Erfolg»: Es habe sich im Rheinau eine deutliche Beruhigung und Stabilisierung bei Schlatter eingestellt, er zeige sich kooperativ und könne wieder in die Integrationsabteilung der Pöschwies, überführt werden. Am 16. Februar erklärt Schlatter, er sei bereit, «so schnell wie möglich» eine stationäre Massnahme in einer Pflege- und Heilanstalt wie Rheinau anzutreten. Im März gewährt ihm das Kantonsgericht die Unterbrechung des Strafvollzuges und den vorzeitigen Antritt der Massnahme. Per 6. Juli 2004 beginnt diese in Rheinau, die Reststrafe beträgt zu diesem Zeitpunkt noch 3 Monate und 12 Tage. Im Juni 2004 kommt es zur Anklage: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfachen versuchte vorsätzliche Tötung, Sachentziehung, mehrfache Sachbeschädigung sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte vor. Ein weiteres Gutachten kommt zum Schluss, dass Schlatter nicht vollständig unzurechnungsfähig sei, aber zum Tatzeitpunkt hochgradig verminderte Zurechnungsfähigkeit bestanden habe.

Vorwürfe an den Helferkreis

Im November kommt es zum Prozess. «Ich habe einen grossen Fehler gemacht», sagt Schlatter und entschuldigt sich bei den Personen, die er verletzt hat. Er bestreitet die Tötungsabsicht. Der Pflichtverteidiger sieht es so: «Es lag auf jeden Fall mindestens für den Angeklagten eine Notwehrsituation vor, denn er fühlte sich angegriffen, weil zwei Personen ihn verfolgten und ihn am Wegfahren hinderten.» Er sieht beim Angeklagten eine «Annäherung an die Unzurechnungsfähigkeit». Der Staatsanwalt verlangt 3,5 Jahre Zuchthaus. Das Gericht spricht Schlatter des mehrfachen Versuchs der schweren Körperverletzung und der einfachen Körperverletzung schuldig und verurteilt ihn zu 15 Monaten Haft, schiebt diese Massnahme allerdings auf. Gleichwohl beurteilt es das Verschulden als «sehr schwer»: Nur durch Zufall sei es nicht zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für die Geschädigten gekommen, wie es im Urteil heisst. Gegen das Urteil reicht der Pflichtverteidiger Berufung an das Obergericht ein, im Juni 2005 liegt noch kein Urteil vor. Am 5. Dezember 2005 widerruft Schlatter den Massnahmenvollzug und verlangt eine Entlassung binnen 24 Stunden. Am 9. Dezember lehnt das Obergericht die Berufung ab. Im März wird die Weiterführung der Massnahme vom Amt für Justiz begründet, im Juli findet eine weitere Standortbestimmung statt. Ergebnis: Ziel und Zweck der Massnahme seien noch nicht erreicht, es bestehe weitere Behandlungsbedürftigkeit. Am 23. Juli 2006 flieht Schlatter aus der Psychiatrie Rheinau. Sein Anwalt fordert die Einstellung der Massnahme. Die Behörden halten in ihrer Stellungnahme fest, «dass die Therapie bei Erich Schlatter bis zum Zeitpunkt der einsetzenden Beeinflussung durch seinen agierenden ‹Helferkreis› deutliche Erfolge zeigte und dass eine Therapiefähigkeit und Therapiewilligkeit bei ihm durchaus gegeben waren». Weiter sei ohne Rücksprache mit den Behörden eine Stiftung gegründet worden, was bei Schlatter ebenfalls völlig unrealistische, falsche Hoffnungen wecke und seine Einstellung zur Therapie zunehmend negativ beeinflusse. «In geradezu unverantwortlicher Weise habe man Schlatter in eine Opferrolle gedrängt», heisst es in der Stellungnahme. Die Anträge des Anwaltes werden abgewiesen, zumal der Zustand Schlatters eines erneuten stationären Aufenthaltes bedürfe. Unterstützt von seinem Helferkreis, flüchtet Schlatter zuerst nach Südfrankreich, dann nach Spanien. Seine IV-Rente wird gestrichen, danach ist er ganz von der Hilfe aus der Schweiz abhängig. Auf ihn aufmerksam wird die Öffentlichkeit erst wieder, als das Schweizer Fernsehen einen Film über ihn dreht. Der Titel: «Ein schräger Vogel auf der Flucht». Schlatter wird als Opfer dargestellt, «und wartet auf eine Antwort aus Schaffhausen», wie es am Schluss des Beitrages heisst.