Auf der Suche nach dem verlorenen Urheberrecht…

Es hat die Krise und sinkende Einnahmen gebraucht, bis sich die Verleger darauf besonnen haben, dass ihr Urheberrecht im Internet pausenlos verletzt wird; ja, man kann sogar sagen, dass die meisten Geschäftsmodelle im Netzt geradezu auf der Verletzung des Urheberrechts fussen. Das einzigartige daran ist allerdings, dass die Verleger dies dulden, ja sogar fördern. Erinnern wir uns an die unsägliche Diskussion mit Google: Solange Google Nutzer auf die eigenen Websites führe, sei Google für die Verlage geradezu nützlich meinten noch vor Monaten viele Verleger. Da hätte der zum Tod verurteilte die Henkermsmahlzeit auch loben können, schliesslich mundete sie ihm auch – nur: es nahm ein böses Ende. 

Nun wollen wir den kurzsichtigen unter den Kollegen nicht allzu gram sein, sie haben sich – wie oft in der Diskussion ums Internet – von ihren Online- und IT-Leuten einlullen lassen. Aber nun dreht der Wind, wie die Financial Times zusammenfasst, hier der ganze Artikel:

Die Diskussion um Urheberrechtsverletzungen im Internet nimmt an Schärfe zu. Mehrere große Medienkonzerne laufen Sturm gegen die unerlaubte digitale Verwertung ihrer Inhalte.

– Die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) kündigte am Dienstag ein hartes Vorgehen an. „Wir können nicht länger zuschauen, wie sich andere unter Berufung auf eine fehlgeleitete, unbegründete Rechtsauslegung mit unserer Arbeit davonmachen“, sagte AP-Verwaltungsratschef Dean Singleton.

– In Deutschland erneuerte der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner, seine Forderung nach einem gesetzlichen Leistungsschutzrecht für Verlage.

– Rupert Murdoch, Chef des US-Medienkonzerns News Corp., hatte gezielt die Internetsuchmaschine Google angegriffen. „Sollten wir Google erlauben, all unsere Urheberrechte zu stehlen?“ Die Antwort müsse heißen: „Danke, aber nein danke“, so Murdoch auf einer Kabelkonferenz in Washington.

– Eine australische Zeitung zitiert Robert Thomson, Chefredakteur des zur News Corp. gehörenden „Wall Street Journal“, mit den Worten: „Es besteht kein Zweifel, dass manche Websites als Parasiten oder moderne Bandwürmer in den Eingeweiden des Internets zu betrachten sind.“

„Im Netz ist das Unrechtsbewusstsein angesichts des verbreiteten kostenlosen Contents verkümmert“, sagte Dirk Platte, Justiziar des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Springer-Chef Döpfner betonte daher: „Hier ist der Gesetzgeber gefragt.“ Bislang beschränken sich die deutschen Bemühungen aber auf Gespräche mit der Politik.

Offene Angriffe richten sich jetzt vor allem gegen Google. Bislang sahen die meisten Verlage in Googles „News“-Dienst, der die Nachrichten zahlloser Anbieter bündelt, einen willkommenen Klickbringer. Seit Google aber begonnen hat, auf seinem „News“-Portal in den USA Werbung zu schalten, an deren Erlösen die Verlage nicht beteiligt sind, ist die Stimmung gekippt. 

Zusatzfrage: Würde man auch von Immobilienmaklern, Steuerberatern und Rechtsprofessoren verlangen, dass sie auf ihren Besitzstand und die Bezahlung ihrer Leistungen verzichten? Dass die Urheber von Gedanken, die nicht bezahlt und geschützt werden, bald keine Zeit und kein Geld mehr haben, diese zu denken. (Die FAZ).

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