Schluss mit gratis…

Auch der SPIEGEL überlegt sich, ob er weiter seine Inhalte verschenken soll: „Die Diskussion über die Durchsetzbarkeit von Paid Content im Internet zieht weitere Kreise – und erreicht jetzt sogar die Spiegel-Gruppe. Bisher seien redaktionelle Inhalte und Applikationen im Web kostenlos abrufbar, „doch wir müssen darüber nachdenken, ob das für immer so gelten muss“, sagte „Spiegel“-Verlagsleiter Fried von Bismarck bei einer Podiumsdiskussion des dpa-PR-Tochterunternehmens News Aktuell am Dienstagabend in Hamburg. Er stimmt etwa dem Modell einer Inhalte-Flatrate zu, die Verwertungsgesellschaften á la Gema kassieren und an die Presseverlage ausschütten könnten. „So wird und muss es kommen, das wird ein Teil der Finanzierung sein.“ Ganzer Artikel hier…

Alle brauchen Mühlemänner…

Bis heute ist Ernst Mühlemann (Nationalrat und anderes ausser Dienst) unter Journalisten beliebt, weil er zu allem und jedem etwas zu sagen weiss. Solche Leute brauchen wir, ihre Handynummer ersetzt die Nummern eines Dutzends anderer Experten. Wenn es um die Schweiz geht, zitieren deutsche Journalisten ebenfalls immer dieselben: Thomas Hürlimann, Urs Widmer, Georg Kreis und Thomas Straubhaar. Und so geschah es denn auch heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, hier ein Zitat: „Die Dominanz des Mittelmasses bewirkt, dass die Qualität der Politiker in Bern in den meisten Fällen zu Wünschen übrig lässt“. Geschrieben hat die Analyse („Verwundete Schweiz“ Jürgen Dunsch und ihm rufen wir zu: „Die Dominanz der ewiggleichen Gesprächspartner bewirkt, dass die Aussagekraft der Artikel in deutschen Zeitungen in fast allen Fällen sehr zu wünschen  übrig lässt.“

Von der NZZ-GV bis zu Oehlers Krankheit… und zwei Scoops

Weil die NZZ an ihrer Generalversammlung keine Journalisten zuliess, ist der „Sonntagsblick“ verärgert und moniert „Pressefreiheit à la liberale NZZ“. Und die „Sonntagszeitung“ berichtet dennoch: VR-Präsident Conrad Meyer sei heftig kritisiert worden und sei nur noch mit rund 75 Prozent Stimmen (1517 von 1850) gewählt worden; gutes Echo aber habe der neue CEO Polo Stäheli bekommen. Was man – für Neugierige – noch anführen kann (und die SoZ übersah): Das Essen stammt aus der Schaffhauser „Fischerzunft“. Geschrieben hat den Bericht („Denkzettel für den NZZ-Präsidenten“) der erfahrene Rechercheur Hanspeter Bürgin, von dem wir kaum annehmen, dass er NZZ-Aktionär ist. Was lernen wir den Volontären: Es wird nie über die Bedingungen gejammert, ein Journalist kommt auch ohne Einladung zu seinen Informationen. 

„Küchenkönig Edgar Oehler tritt kürzer“, titelte der „Sonntagsblick“ einen Artikel zur Tatsache, dass Ex-Nationalrat die Kontrolle über sein Unternehmen abgab. Begründung: Gesundheitliche Probleme, ansonsten aber ein geordneter, freiwilliger Rückzug. In der „Sonntagszeitung“ lesen wir es dann anders: „Der Sturz des Küchenkönigs“ steht über einem Bericht, der ein ganz anderes Bild zeichnet: Oehler habe sein Unternehmen nicht mehr im Griff, habe falsch investiert und einen gigantischen Schuldenberg angehäuft. Nun hätten die Banken (UBS und CS) die Notbremse gezogen und Oehler gezwungen, auf seine Stimmenmehrheit zu verzichten.

Ansonsten ein ziemlich langweiliger (Zeitungs-) Sonntag. Zum Glück finden wir dann noch zwei Scoops: Im „Sonntag“ – der immer für eine Überraschung gut ist –  erfahren wir, dass die UBS Zehntausende von Konti in den USA kündet. Und, zum zweiten, dass die SBB jeden fünften Bahnhof schliessen – „klammheimlich“.

Mehrwertsteuer auf Null – oder Herr Meier irrt sich

Pierre C. Meier, der Chefredaktor der inzwischen vierzehntäglich erscheinenden Werbewoche, beschäftigt sich in seinem neuesten Kommentar mit der Presseförderung. Das soll für einmal nicht unkommentiert bleiben. Die Bermekungen sind blau in Meiers Text eingefügt. Der ganze Artikel hier.

Die Umwälzungen in der Medienbranche und die gegenwärtige Krise haben die Politiker schon seit Langem beunruhigt. Die Übernahme von Edipresse durch Tamedia und die ungewisse Zukunft des Berner Bundes haben diese Unruhe nun noch verstärkt. Exponenten linker, aber auch rechter Couleur geben sich zutiefst besorgt. Man sorgt sich um den demokratischen Meinungsbildungsprozess und fürchtet die mit einer Medienkonzentration einhergehende angeblich abnehmende Meinungsvielfalt. Dies ist aus zwei Gründen absoluter Quatsch. Erstens einmal wird kein Medienhaus so dumm sein, seinen Medien eine einheitliche Meinung vorzuschreiben. Ganz abgesehen davon, dass das in der Praxis gar nicht möglich wäre.

Herr Meier sei empfohlen, die Berichterstattung in den Tamedia-Titeln über den Edipress-Kauf nachzulesen. 

Zweitens: Nur finanziell gesunde Medien sind auch starke Medien. Medien, die es sich erlauben können, Missstände aufzudecken und auch mal gegen den Mainstream zu berichten und zu kommentieren. Ohne Furcht vor allfälligen Druckversuchen – kommen diese nun von der Wirtschaft oder von der Politik.

Wo er recht hat, hat er recht, nur: Diese wirtschaftliche Stärke kann man auch dadurch erreichen, dass die Rahmenbedingungen für die Presse besser werden. Zum Beispiel durch Massnahmen der Presseförderung.

Die staatspolitischen Kommissionen von National- und Ständerat wollen Anfang Mai das Thema Medienkonzentration und Presseförderung behandeln. Da können wir uns heute schon auf unzählige Voten besorgter Politiker freuen, die sich lange und ausführlich dem Thema widmen werden. So wie sie es bei den endlosen Debatten über das RTVG taten. Rausgekommen ist dabei ein Gesetz, das alles regeln will, von der Verbreitung bis hin zur sogenannten Qualität. Dies unter dem Vorwand des Service public.

Das RTVG ist kein schlechtes Gesetz. Schlecht ist die daraus abgeleitete Regulierungswut der Bakom-Beamten.

Die gleiche Gefahr droht nun mit der Presseförderungsdebatte. Wen die Politik fördert, den will sie auch kontrollieren. Die durch eine direkte Presseförderung drohende Gängelung der Medien ist also kein Hirngespinst, sondern eine echte Gefahr. Eine über die Verbilligung der Posttaxen hinausgehende direkte Presseförderung ist deshalb strikte abzulehnen.

Bis jetzt zumindest war im Verband der Schweizer Presse keine Rede von Direktzahlungen an Zeitungen oder Zeitschriften. Wir fordern viel eher besser Rahmenbedingungen wie die Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Null oder die Unterstützung der Distribution, Zuschüsse an die Ausbildung und/oder an die Agenturen. Das käme allen gleichermassen zugute.

Im  übrigen kennen viele europäischen Staaten Presseförderung. Und nirgends ging damit staatlicher Einfluss einher. Wie wärs, wenn di Werbewoche mal eine Übersicht bringen würde, in der die Presseförderungsmassnahmen in Europa dargelegt und verglichen werden? Polemisieren könnte man ja immer noch, aber wenigstens in Kenntnis der Fakten.



Kommentar

Die Qualitäten den Schweiz

 

„500 Beiträge der Schweiz zur Verbesserung der Schweiz“ stellt „Das Magazin“ vor, der „Tages Anzeiger“  kommentiert „Die Schweiz als Vorbild“ und in der NZZ wird die Aufgabe des Bankgeheimnisses als Treuebruch qualifiziert. Das neue Selbstbewusstsein tut gut. All zu lange hatten wir lesen und hören müssen, dass die Schweiz sich eingliedern und bis zur Selbstaufgabe anpassen müsse.

N.N.

Was uns noch alles blühen könnte…

Verlage haben schon früh diversifiziert. Sie haben Versicherungen und noch anderes verkauft. Und manche Publikation (wie Das Beste) diente und dient vor allem dazu, Adressen für das Direct Mail – Geschäft zu beschaffen. Im Zeitalter der Fokussierung auf das Kerngeschäft (Publizieren) wurden solche Zweige oft gekappt. Und doch bleiben die stabile Beziehung zu den Abonnenten eine Plattform, auf der auch ganz anderes vertrieben werden kann. So hat die Süddeutsche Zeitung Bücher, Compact Discs und Wein vertrieben. Und mit sinkenden Werbe- und Abonnementeinnahmen beginnt die Such nach Alternativen erneut. Allen voran beim Strategiewechsel von der Konzentration zur Diversifikation sind die US-Verleger, wie die Financial Times zusammenfasst.

Es stehen deutsche wie US-Verlage vor denselben Problemen: Seit Jahrzehnten erodieren die Auflagen, junge Leser wandern ins Internet ab – und in der Finanzkrise brechen Werbeerlöse in nie gekanntem Ausmaß weg. Doch während deutsche Zeitungshäuser wie Madsack oder der Kölner Rivale DuMont Schauberg mit dreistelligen Millionensummen ihr klassisches Printangebot ausbauen, herrscht in Amerikas Verlagstürmen nackte Existenzangst.

– Die „Detroit Free Press“ etwa will nur noch an umsatzstarken Tagen eine gedruckte Ausgabe an Abonnenten liefern. An den übrigen Tagen sollen sich die Leser eine abgespeckte Version am Kiosk besorgen oder das Onlineangebot nutzen.

– Der überregionale „Christian Science Monitor“ stampft seine Printausgabe gleich komplett ein – und erscheint künftig ausschließlich im Internet. 

Und während die „New York Times“ darüber nachdenkt, für Teile ihres Internetangebots wieder Geld zu verlangen, entwickeln andere Onlineanbieter längst viel wildere Konzepte.

– Das Webportal „The Printed Blog“ verteilt in US-Großstädten gedruckte Ausgaben ihrer Weblogs.

– Die Onlinezeitung „Pasadena Now“ lässt ihre Lokalberichterstattung allen Ernstes von Journalisten in Indien abwickeln, die die Gemeinderatssitzung per Webcam verfolgen.

Noch ist es bei uns nicht so weit: Wir alle gehen die Krise mit den klassischen Methoden (Sparen, Synergien suchen) an. Und doch dürfen wir davon ausgehen, dass auch hierzulande über Diversifikation nachgedacht wird.

Auf der Suche nach dem verlorenen Urheberrecht…

Es hat die Krise und sinkende Einnahmen gebraucht, bis sich die Verleger darauf besonnen haben, dass ihr Urheberrecht im Internet pausenlos verletzt wird; ja, man kann sogar sagen, dass die meisten Geschäftsmodelle im Netzt geradezu auf der Verletzung des Urheberrechts fussen. Das einzigartige daran ist allerdings, dass die Verleger dies dulden, ja sogar fördern. Erinnern wir uns an die unsägliche Diskussion mit Google: Solange Google Nutzer auf die eigenen Websites führe, sei Google für die Verlage geradezu nützlich meinten noch vor Monaten viele Verleger. Da hätte der zum Tod verurteilte die Henkermsmahlzeit auch loben können, schliesslich mundete sie ihm auch – nur: es nahm ein böses Ende. 

Nun wollen wir den kurzsichtigen unter den Kollegen nicht allzu gram sein, sie haben sich – wie oft in der Diskussion ums Internet – von ihren Online- und IT-Leuten einlullen lassen. Aber nun dreht der Wind, wie die Financial Times zusammenfasst, hier der ganze Artikel:

Die Diskussion um Urheberrechtsverletzungen im Internet nimmt an Schärfe zu. Mehrere große Medienkonzerne laufen Sturm gegen die unerlaubte digitale Verwertung ihrer Inhalte.

– Die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) kündigte am Dienstag ein hartes Vorgehen an. „Wir können nicht länger zuschauen, wie sich andere unter Berufung auf eine fehlgeleitete, unbegründete Rechtsauslegung mit unserer Arbeit davonmachen“, sagte AP-Verwaltungsratschef Dean Singleton.

– In Deutschland erneuerte der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner, seine Forderung nach einem gesetzlichen Leistungsschutzrecht für Verlage.

– Rupert Murdoch, Chef des US-Medienkonzerns News Corp., hatte gezielt die Internetsuchmaschine Google angegriffen. „Sollten wir Google erlauben, all unsere Urheberrechte zu stehlen?“ Die Antwort müsse heißen: „Danke, aber nein danke“, so Murdoch auf einer Kabelkonferenz in Washington.

– Eine australische Zeitung zitiert Robert Thomson, Chefredakteur des zur News Corp. gehörenden „Wall Street Journal“, mit den Worten: „Es besteht kein Zweifel, dass manche Websites als Parasiten oder moderne Bandwürmer in den Eingeweiden des Internets zu betrachten sind.“

„Im Netz ist das Unrechtsbewusstsein angesichts des verbreiteten kostenlosen Contents verkümmert“, sagte Dirk Platte, Justiziar des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Springer-Chef Döpfner betonte daher: „Hier ist der Gesetzgeber gefragt.“ Bislang beschränken sich die deutschen Bemühungen aber auf Gespräche mit der Politik.

Offene Angriffe richten sich jetzt vor allem gegen Google. Bislang sahen die meisten Verlage in Googles „News“-Dienst, der die Nachrichten zahlloser Anbieter bündelt, einen willkommenen Klickbringer. Seit Google aber begonnen hat, auf seinem „News“-Portal in den USA Werbung zu schalten, an deren Erlösen die Verlage nicht beteiligt sind, ist die Stimmung gekippt. 

Zusatzfrage: Würde man auch von Immobilienmaklern, Steuerberatern und Rechtsprofessoren verlangen, dass sie auf ihren Besitzstand und die Bezahlung ihrer Leistungen verzichten? Dass die Urheber von Gedanken, die nicht bezahlt und geschützt werden, bald keine Zeit und kein Geld mehr haben, diese zu denken. (Die FAZ).