Stein am Rhein: Es geht auch ohne Besuch der Alten Dame

Franz Hostettmann, Stadtpräsident von Stein am Rhein, hat – zumindest – keine Geldsorgen: Das exzellent erhaltene Städtchen am Rhein wird von einer Stiftung unterstützt, die jährlich Millionenbeträge zur Verfügung stellen kann. Und das Geld wird gut genutzt: Sei es für die Renovierung der Burg Hohenklingen, das Künstleratelier oder die Unterstützung von internationalen Kongressen. Und auch Museen werden angesiedelt und/oder unterhalten.

Treffen in Stein am Rhein mit Stadtpräsident Franz Hostettmann.

Gratis Coca Cola oder wenn Getränke digitalisiert werden könnten

„Content is free“ meinen die einen. Das aber ist ein Missverständnis: Journalistische Inhalte sind erst dann gratis, wenn Journalisten gratis arbeiten. Das ist – wie wir alle wissen – derzeit nicht der Fall. Die Sache liegt anders: Im Internet-Geschäftsmodell (bei dem Inhalte gratis genutzt werden) bekommen nicht jene das Geld, welche es bekommen sollten. So gehen die Verleger, welche die Journalisten für die Arbeit entschädigen, leer aus, das Geld verdienen die Googles dieser Welt, ohne uns zu beteiligen.

Das sei, so hört man immer wieder, halt jetzt einfach so, das Urheberrecht liesse sich auf dem Netz nicht mehr durchsetzen. Sobald Informationen digitalisiert (also entstofflicht) würden, seien sie allen gratis zugänglich. Wenn das stimmt, so wäre Coca Cola auch gratis, wenn man das Getränk digitalisieren und dadurch weltweit an alle über Computer verteilen könnte.

Randnotiz

Das schwarze Loch und das Dolder Meeting

Über das Schwarze Loch wolle er eigentlich nicht reden, sagte Professor Rolf Dieter Heuer. Der gut gelaunte – aber von Husten geplagte – Direktor des Cern sprach vor rund 260 Gästen der Tamedia am so genannten Dolder – Meeting (im Schiffbau) über jene Teilchen, welche die Welt im innersten zusammenhalten. Und das geneigte Publikum folgte Heuer aufmerksam und interessiert auf seiner Expedition in das Land der Teilchenphysik. Mit Ausnahme des 81jährigen Schweizer Physiknobelpreisträgers Karl Alexander Müller (der in der ersten Reihe sass) hat das allerdings wohl keiner ganz verstanden. Höchst anregend wars trotzdem. Gelernt haben wir auf jeden Fall, dass am CERN 2’600 Wissenschaftler arbeiten, dass es dort zwar Managementebenen gibt, aber keine Weisungsbefugnis und dass dennoch (oder deswegen) hoch motiviert gearbeitet wird. Das Salär, so sagt Heuer, spiele dabei eine untergeordnete Rolle. Beispielhaft sei das, so hatte Tamedia – Verwaltungsratspräsident Pietro Supino in seiner Begrüssungsrede gesagt. Und in der anschliessenden Diskussion wurde darauf hin gewiesen, dass das Cern im Jahr 1.1 Milliarden Franken kostet (welche von 20 Nationen bezahlt werden), die SRG eben so viel. Tages Anzeiger – Chefredaktor Peter Hartmeier wollte dann noch wissen, warum es weniger Physikerinnen als Physiker gibt – Heuers Erklärung: In der gemischten Klasse werde den Mädchen die Lust an der Physik schon deshalb genommen, weil die Buben, wenn es ein Aufgabe zu lösen gäbe, an den Apparaten sofort drehten und schalteten („entweder funktionierts oder der Apparat ist kaputt“) während die Mädchen zuerst nachdächten und dann handelten.

Auf die Frage, warum an der Spitze des Cerns keine Frau steht, ging man hingegen gestern nicht ein. Rolf – Dieter Heuer wurde ja der an der ETH lehrenden Physikerin Felicitas Pauss vorgezogen, obwohl Österreich und die Schweiz sie zur Wahl empfohlen hatten. Frau Pauss hatte sich bei einer Begegnung anlässlich des ersten Konstanzer Wissenchaftsforums in Stein am Rhein als blendend argumentierende Wissenschaftlerin erwiesen.

bauss1(Das Bild habe ich während der Diskussion in Stein am Rhein aufgenommen, Felicitas Pauss sitzt rechts).

Es war jedenfalls anregend, Heuers Referat zu lauschen und sich erklären zu lassen, wie nahe die heutige Physik den Ereignissen nach dem Big Bang kommt. Und wie man sich mit der Suche des Higgs-Teilchen („wir wissen alles über das Higgs-Teilchen, nur nicht, ob es wirklich existiert“) beschäftigt. Bleibt nur eine Frage offen: Was eigentlich war vor dem Urknall, wenn doch erst dann die Welt begann?

Dolder Meeting der Tamedia im Schiffbau.

Was halten wir von Staiger?

Früher war es doch so: In den Diskussionen wurden Fakten der Gegenseite angezweifelt und es hub eine Rechthaberei an, die – wenigstens bei uns – oft in Wettangeboten endete. Vorbei! Mit einer Wireless -Lan – Verbindung und dem Iphone  sind die Fakten durch googeln schnell geklärt. Das geht so geschwind, dass sich sogar der Telephonjoker in Jauchs „Wer wird Millionär“ dieser Einrichtung bedienen könnte. Leider hilft, und dafür sei hier Emil Staiger als Beweis genommen, das Internet bei der Interpretation nicht wesentlich weiter. Ob Staiger ein Nazisympathisant war, das lässt sich im Netz noch ungefähr klären, hier seine Rede aus dem Jahre 1966.  Julian Schütt (auch er ein ehemaliger Volontär der „Schaffhauser Nachrichten“) meint in einem Artikel in der Weltwoche, man dürfe Staiger dennoch wertschätzen. Und Peter von Matt lässt im Aufsatz in der „Neuen Zürcher Zeitung“ alles offen. Und 26’100 Links führten zu eben so vielen Dokumenten/Verweisen. Selbst wenn man dies alles gelesen hätte, so müsste man noch immer das Urteil über Staiger selber fällen. Ein Trost? Ein Trost!

Randnotiz, Wetten und Internet

Die „Blüemlisalp“ als Fernsehstudio

Fernsehen, jedenfalls bei der SRG/Idée Suisse (Idée Suisse für die  SRG ist wie Unique für Kloten) geht so: Übertragungswagen stehen vor dem Schauplatz, dicke Kabel führen in jede Ecke und eine Vielzahl von meist jungen Menschen, die per Funk miteinander und  der Regie verbunden sind, organisieren. Redaktionen dann meist schon Tage an und für die Sendung gearbeitet und geschminkt sind die Gesprächsteilnehmer natürlich auch, wenn die Lichterbatterien angehen. Das Publikum ist unterrichtet und weiss, was es wann zu tun hat. Das Gegenmodell ist hier gezeigt: Ein Gespräch in der „Blüemlisalp“, ganz ohne Übetragungswagen, Scheinwerfer, Redaktion und Regie. Matthias Ackeret stellt die Fragen, Kameramann Claudio Ferrari besorgt den Rest. Und das Resultat kann sich dennoch (weltweit) sehen lassen.

PS: (Teleblocher ist die Internet – Ausgabe einer Sendung des „Schaffhauser Fernsehens“, das mehrheitlich der Meier + Cie AG gehört.)

Aufnahme der wöchentlichen Sendung des Schaffhauser Fernsehens in der Blüemlisalp in Herrliberg.

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Obama tanzt, Blocher diskutiert

Nur noch wenige Zeitungen publizieren Wahl- und Abstimmungsempfehlungen, so jeweils unsere „Schaffhauser Nachrichten“. Das fällt der Redaktion unterschiedlich leicht; heute ging es an der wöchentlichen Redaktionskonferenz um die Redaktionsmeinung zur Abstimmung über das Schulgesetz und zur Verlängerung und Ausdehnung der Personenfreizügigkeit. Als Experte sass alt Bundesrat Christoph Blocher am Tisch und schilderte die Position der Gegner. Nach immerhin 90minütiger Befragung wurde diskutiert und schliesslich fiel der Beschluss, der bis zur Publikation (am kommenden Samstag) vertraulich bleiben muss. Einen Tag zuvor veröffentlichen wir die schriftliche Fassung eines Streitgesprächs in gleicher Sache: FDP-Ständerat Peter Briner und SVP Nationalrat und Auns – Präsident Pirmin Schwander. trafen sich am Mittwochmorgen auf der SN-Redaktion. Und anfangs Woche publizieren wir dann noch die Argumente von Eveline Widmer Schlumpf und von Christoph Blocher. Und, ach ja, der Entscheid zum Schulgesetz ist auch gefallen. Das alles aber interessiert ganz offensichtlich die Welt weit weniger als die Tatsache, dass der neue US-Präsident „der erste Schwarze ist, der wie ein Weisser tanzt“. Elegant oder nicht, immerhin: er tanzt.

SN-Redaktionssitzung, jeweils Mittwoch ab 8 Uhr 30.